03.05.2021

Die Rotgipfler-Revolution

Der elterliche Betrieb am Wiener Stadtrand – zehn Hektar Weingarten und ein gemütlicher Heuriger – ist die Wirkungsstätte des geborenen Mödlingers Andreas Beranek. Quasi mitten im „Rotgipflerland“ aufgewachsen und schon von klein auf mit dem „Weinvirus“ infiziert, gilt seine ganze kreative Aufmerksamkeit eben dieser für die Thermenregion typischen Rebsorte, die verkannt und unterschätzt, (noch) einen Dornröschenschlaf fristet. 

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Wir treffen uns zum „Weintalk“ in der Weinwerkstatt Beranek, die, wie die gesamte Gastronomie coronabedingt seit nunmehr schon sechs Monaten geschlossen ist und ein tristes Dasein fristet. Dort, wo sich sonst nämlich während der Aussteckzeiten zu fast 90 Prozent Stammkunden treffen, um die großartige regionale Küche vom Seniorchef „Papa Beranek“ – die Hühnerschnitzerl mit speckigem Erdäpfelsalat verdienen wie viele andere bodenständige Gerichte ein Hauberl - und die hervorragenden Weine aus eigenem Anbau in gemütlichem Ambiente zu genießen, ist gerade nicht viel los. Oder, wie Andreas Beranek sagt: „Ich war noch nie so ausgeschlafen, wie in den letzten Monaten“.

Denn bis auf ein bisserl Ab Hof Verkauf gegen telefonische Vorreservierung und kontaktlose Abholung, ist das Licht in der Weinwerkstatt Beranek abgedreht und die Küche kalt. Man hat zwar anfangs überlegt, Menüs „to go“ für die treuen Stammkunden anzubieten, hat dann aber das „über die Gasse“ Geschäft doch nur auf den Weinverkauf beschränkt. Und damit zumindest über Weihnachten ein wenig Absatz erzielt, der, so Andreas, nicht die Welt war, aber gereicht hat, um selbsternannte Coronawächter auf den Plan zu rufen. Kopfschütteln ist, was Andreas heute dazu noch einfällt, aber eigentlich hält sich der fröhliche Zwanzigjährige mit derartigen Nebensächlichkeiten nicht auf. 

Individuell, üppig, imperial

Aktuell liegt die ganze Konzentration einzig am Restart, der nun endlich mit 19. Mai ins Haus steht. Es wird auch Zeit, denn so Andreas: „Der Staat hat anfangs gute Hilfe geleistet, aber, wenn wir jetzt nicht wirklich wieder öffnen können, stoßen wir an unsere Grenzen.“ Das Weinlager, nicht nur der Beraneks, ist voll, was der Wein zwar aushält, wie Andreas erklärt, der Markt aber nicht, weil eben dieses große Überangebot den Preis drückt und der Markt mit Schankweinen überschwemmt wird. „Durch die Überernten der Vorjahre sitzen wir jetzt am ‚alten‘ Wein und haben nun auch den aktuellen Jahrgang im Keller. Dabei gilt meine Sorge nicht dem Lagerwein.“ Also gilt, den Ab Hof Verkauf weiter zu forcieren, um die Qualitätsweine – von denen die Beraneks einige im Keller haben – absetzen zu können. Vor allem aber gilt, eine Nische zu finden und neue Wege zu beschreiten und dabei, auch wenn es Andreas auch in Richtung Internationalität zieht, in keinem Fall den regionalen Bezug zu „seinem“ Wein zu verlieren. „Das beißt sich nicht, im Gegenteil“, sagt Andreas und dann erzählt er seinen Traum: Den „Rotgipfler“ in die Welt tragen und diesem Weißwein jenen Stellenwert geben, den diese verkannte Rebsorte verdient. 

Dass „sein“ Wein, mit dem er als 15-jähriger „Weinmacher“ bereits mit AWC Gold für eine Rotgipfler Auslese 2015 ausgezeichnet wurde, oft als charakterlos und zu gschmackig abqualifiziert wird, versteht der Brunner Jungwinzer nicht. „Diese herrliche Traube mit ihrem üppigen Bouquet ist wie ein prall gefüllter Obstkorb und wird einfach verkannt. Meine Weine sollen das verkörpern und deutlich machen, was ich darin sehe und sie müssen schmecken. Weil Wein eine sehr individuelle Sache ist.“

Rotgipfler zur royalen Hochzeit

Wie individuell, zeigt auch die Tatsache, dass zur Hochzeit von Königin Elisabeth mit dem Duke of Edinburgh, Prinz Philip, im Jahr 1947 ein eleganter Spätrot-Rotgipfler aus Gumpoldskirchen ausgeschenkt wurde. Aber zurück in die Gegenwart und zum jungen Wilden aus Brunn am Gebirge: Sein Rotgipfler – ein Viertel der zehn Hektar Rebflächen entfällt auf diese Kreuzung aus Traminer und Rotem Veltliner – wird ausschließlich per Hand gelesen und im Fass ausgebaut. „Für mich verkörpert der Rotgipfler das ganze breite Spektrum unserer Region, das ist ein einzigartiger USP mit enormem Potenzial. Ich möchte den Rotgipfler zum Symbol für die Thermenregion machen, es gibt ihn ja auch nur hier“. Dem Rotgipfler also jenes Standing geben, das beispielsweise die Steiermark mit dem Morillion (Chardonnay) oder Niederösterreich und teilweise auch dem Burgenland mit dem Grünen Veltliner gelungen ist.

Eine klare Verbindung des Produkts mit der Herkunftsregion, was bessere Vermarktungsmöglichkeiten und damit den Weg in die Hotellerie, gehobene Gastronomie und auch in die Internationalität eröffnen soll. Hinaus in die Welt und seinen Rotgipfler aber auch andere Top-Weine aus der Beranekschen Weinwerkstatt zu Menschen bringen, die sich für guten Wein interessieren und sich dabei auf keinen Fall verlieren, heißt: Den Rotgipfler nicht verwässern - auch wenn nichts gegen gute harmonische Cuvées spricht – und die Sortenreinheit pflegen, um zu zeigen, was in diesem Wein steckt, nennt Andreas als Zielsetzung für die nächsten zehn Jahre. Fast überall auf der Welt kann Wein funktionieren, wenn er gut ist, ist Andreas überzeugt und weil ihm sein Papa ganz viel Freiraum in der elterlichen Weinwerkstatt lässt und auch „meinen etwas kontroversiellern Zugang zum Wein akzeptiert“, sind die Weichen für die „Rotgipfler-Revolution“ gestellt. 

Jetzt geht es aber mal an die Wieder-Eröffnung des Heurigen und die erste Aussteckzeit im Mai. Und dann ruft auch schon der Weingarten und die ersten rötlich-bronzierten Triebspitzen der Rotgipfler-Trauben verlangen bald nach der ersten fachkundigen Maniküre. Viel Schlaf wird der Jungwinzer aus der Thermenregion nun nicht mehr bekommen. 


Über den Jungwinzer
Andreas Beranek besuchte die dreijährige Fachschule für Wein- & Obstbau sowie einen einjährigen Fachlehrgang für Marketing & Weinverkauf in Krems. In den Weinbergen der Thermenregion werden neben der gebietstypischen Sorte Rotgipfler auch Grüner Veltliner, Welschriesling, Weißburgunder und Chardonnay gezogen. Unter den Weinen aus der Weinwerkstatt Beranek finden sich zahlreiche Gold-Prämierungen der AWC Vienna, so auch die Rotgipfler Reserve 2016 und untermauern damit den hohen Qualitätsanspruch und auch den stetigen Einsatz einer nachhaltigen Weingarten-Bewirtschaftung. Auch im traditionellen Heurigenbetrieb in Brunn am Gebirge mit Fokus auf regionaler Küche mit Zutaten aus der Thermenregion wird auf Nachhaltigkeit größter Wert gelegt. 
www.weinbauverein-brunn.at/beranek

(Von Brigitte Charwat)

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