12.02.2021

Die Säuferleber aufs Etikett

Abseits von Corona werden in Brüssel Pläne gewälzt, den Konsum von Alkohol etwa so zu bekämpfen, wie das bei Zigaretten bereits der Fall ist. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

Seit Mai 2016 tragen die Zigarettenschachteln die allgemein bekannten Schockbilder. Trauernde Angehörige vor einem Kindersarg, eine aus dem Mund blutende Frau oder ein im Krankenbett siechender Mann, aus dessen Körper verschiedene Schläuche und Kabel führen – all das soll den Menschen vor dem Griff zum Glimmstengel bewahren. Nur leider ohne Erfolg. Der Zigarettenkonsum weist keine signifikanten Rückgänge auf. Gefördert wurde hingegen der Verkauf von Etuis, um die abscheulichen Bilder zu verstecken. Beflügelt wurde außerdem das Schamgefühl beim Zigarettenkauf, das insbesondere die Käuferin in der Trafik veranlasst, das Suchtmittel ganz geschwind in die Handtasche zu stecken und so keinen Blick auf die abscheulichen Bilder zu bieten.

Neue Eskapade im Harmonisierungswahn

Die jüngste Heldentat im latenten Brüsseler Harmonisierungswahn betrifft nun den Alkohol. Um den überbordenden und „schädlichen Alkoholkonsum“ einzudämmen, sollen künftig ähnlich schreckliche Bilder auf die Etiketten von Wein, Schampus, Schnaps und Co. gedruckt werden müssen. Das wohl in der Hoffnung, die Konsumenten würden aufgrund der Schockbilder derart abgeschreckt, dass sie automatisch nur mehr zu frisch gepresstem Karottensaft greifen. Man darf sich das in etwa so vorstellen: ein herrlicher Sauvignon blanc vom Sattlerhof, den nach Schriftzug des Weinguts, Rebsorte und Jahrgang dann eine wunderschön ausgewucherte Säuferleber ziert. Die Spielarten sind mannigfaltig: ob das auch auf einen Veuve Cliquot kommt oder das kleine Jägermeister-Fläschchen – man kann schon mal mit den Gedanken spielen. Gänzlich überfragt bin ich, wie das Schockbild auf einer – sagen wir zum Beispiel – wunderschönen Edelbrand-Flasche aus dem Hause Rochelt wirken bzw. zuerst angebracht würde. Aber auch dafür werden die Brüsseler Beamten schon eine Lösung in petto haben.

Bestens dotierter Budgettopf

Das Ganze wurde von der EU geschickt in einen Aktionsplan gegossen, der als Hauptthema eigentlich den Verweis auf die Zahl der Krebserkrankungen trägt. Im Zuge dessen soll auch die Tabaksteuer so hoch gesetzt werden, dass der Anteil der Raucher bis 2040 von derzeit 25 auf fünf Prozent fällt. Angeblich ist der Budgettopf, mit dem Alkohol- und Zigarettenkonsum massiv reduziert werden sollen, mit unglaublichen vier Milliarden Euro gefüllt. Dass die EU-Kommission für die Gesundheitspolitik der Mitgliedstaaten gar nicht zuständig ist, kümmert sie ebenso wenig wie die fortdauernde Entmündigung der Menschen und die Missachtung ihrer Freiheit. Alkohol am Arbeitsplatz hat in den allermeisten Fällen – von der Weinwirtschaft einmal abgesehen – wirklich nichts verloren. Vielleicht sollte man in den Brüsseler EU-Hinterzimmern mal schleunigst mit der Kontrolle beginnen.

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