01.12.2021

Die Urmutter des Housekeepings ist verstorben

Sie war die erste, die das Thema „Housekeeping“ auf die Agenda der heimischen und internationalen Hotellerie brachte: Irmi Schüttelkopf.

Die Hotellerie hat die Urmutter des Housekeepings verloren. Tatsächlich gibt es im weiten Feld des Tourismus und in der Hotellerie im Besonderen kaum eine Person, die in ihrem Fachgebiet derart tiefe Spuren hinterlassen und den Beruf der Hausdamen bzw. der einstigen Stubenmädchen so nachhaltig verändert und geprägt hat. Dass dies nicht immer friktionsfrei über die Bühne ging und dass die durchaus streitbare Person auch da und dort mit ihren Anliegen aneckte und so manchen Hoteliersmacho mit unangenehmen Fakten oder Fragen konfrontierte, versteht sich da von selbst. Übrigens nicht nur Hoteliers. Sah sie die Bedeutung des Housekeepings nicht entsprechend berücksichtigt, scheute sie keine Sekunde davor zurück zum Hörer zu greifen: „No, Herr Redakteur, was für eine schöne Reportage Sie da wieder geschrieben und dabei völlig auf das Housekeeping vergessen haben“, rief sie jedem ungefragt die ihr am Herzen liegende Berufsgruppe in Erinnerung.

Hartnäckiger Drang zur allerbesten Qualität

Ein für Kärntner unüblicher Hang zur Direktheit ist ein wesentlicher Charakterzug von Irmi Schüttelkopf, auch die Hartnäckigkeit in der Verfolgung der Ziele und der kompromisslose Drang zur allerbesten Qualität sind nicht jedem in die Wiege gelegt. Aber genau diese Wesenszüge führten vor 35 Jahren zur Gründung des „Special Training for Roomservice and Housekeeping“, das 2001 in arhis, der „Academy for Roomservice and Housekeeping“ mündete. Weltweit die erste Institution dieser Art. Im Rahmen dieses Unternehmens war Irmi Schüttelkopf bis zuletzt noch hochaktiv in der Schulung und Anleitung von Hausdamen und ihrer Teams.

Dabei ging es der gelernten Touristikerin nie um sie selbst, als Feministin im positiven Sinn war es ihr allererstes Anliegen, den Beruf der Hausdame als eine der wichtigsten Führungspositionen im Hotel zu etablieren. Und selbstredend ebenso darum, dem Roomservice auch in kleineren Betrieben das entsprechende Standing zu sichern. Das war die eine Stoßrichtung, der sich die Pionierin verschrieben hat, und die zweite war es, dass sie sich als unermüdliche Predigerin für absolute und nachhaltige Hygiene in den Gästeräumen versteht.

Selbst im Gasthaus aufgewachsen

Dabei stützt sich das Engagement auf reichhaltige praktische Erfahrung. Selbst in einem Gasthaus aufgewachsen, sammelte sie als selbstständige Gastronomin und Hotelbetreiberin am Wörthersee nach der Absolvierung der Hotelfachschule umfangreiche Kenntnisse im täglichen Geschäft mit dem Gast und engagierte sich in der Kärntner Wirtschaftskammer in den Fachsparten. Schon zu dieser Zeit reifte eine Erkenntnis, die zum Leitspruch von arhis werden sollte: „Qualität entsteht, wenn wir Verbesserungen erkennen, bevor sie der Gast wünscht.“

Harald Lanzerstorfer, ehemaliger Chefredakteur von HGV PRAXIS, erinnert sich: „Ihrer Fachakademie entstammt eine lange Reihe von Diplom-Hausdamen, die heute noch voll des Lobes über den Lehrgang im Allgemeinen und über die Lehrgangsleiterin im Besonderen sind. Sie wusste genau, was sie wollte und war eine unermüdliche Kämpferin für ,ihre‘ Gouvernanten.“

Irmi Schüttelkopf ist kurz vor ihrem 74. Geburtstag während eines Aufenthaltes in Bad Radkersburg völlig unerwartet verstorben.

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