18.02.2019

"Diese Frage stelle ich bei Bewerbungsgesprächen besonders gerne"

Talents reloaded: Philipp Patzel über die Kunst, die richtigen Mitarbeiter zu finden, warum er für die Rezeption keine Rezeptionisten sucht und was er tut, um das Image der Hotellerie in der Gesellschaft zu heben.

Stammgast.Online: Wie finden Sie Ihre Mitarbeiter?

Philipp Patzel: Auch wenn es in der Stadt Wien um sehr viel einfacher ist als in der Ferienhotellerie in Restösterreich, gute Menschen zu finden ist schwierig. Wir suchen beispielsweise für unser Herzstück, die Rezeption im Hotel Altstadt Vienna, ja nicht dezidiert nach Rezeptionisten. Da bekomme ich nämlich die falschen Leute, also für unsere Anforderungen. Der oder die kann vielleicht perfekt Rechnungen und Buchungen bewältigen, aber bei uns läuft so etwas ja nur nebenbei. Sie sollen sich mit Gästen unterhalten können, sympathisch scherzen, Gäste überraschen, sich wesentliche Dinge notieren, auf diese dann wieder eingehen. Da braucht man spezielle Leute, die man ganz schwer über die klassischen Kanäle findet.

Wie sonst?

Ich unterrichte ja seit 10 Jahren auf verschiedenen Fachhochschulen, wie auch seit 7 Jahren an der FH in Krems, und meine Ursprungsmotivation damals war, dieses Engagement als Mitarbeiter-Recruiting-Maßnahme zu sehen. Ich bin damit immer an der Quelle von jungen, dynamischen und motivierten angehenden Absolventen. Wenn ich jemanden brauche, habe ich dort recht informell die Stelle ausgeschrieben, Interessenten waren immer dabei.

Und wie finden Sie Ihre Lehrlinge?

Bei Lehrlingen ist es ganz schwer. Die findest Du weder über Printannouncen noch über das AMS. Wir hatten jetzt vier asylberechtigte Lehrlinge, zwei weitere aus Deutschland, alle über 20 Jahre. Wir haben vermehrt über Social Media Kanäle gesucht, gezielt über das Alter. Denn wir suchen keine Kinder, die wir noch erziehen müssen. Über Facebook oder Instagram kann man das Alter recht gut steuern. Und in Deutschland gibt es einen ganz anderen Zugang zur Lehre. Die machen erst das abi, dann eine Ausbildung für zwei Jahre, dann gehen sie studieren. In Österreich ist das leider ganz anders. Ich hätte liebend gerne eine Tischlerlehre gemacht, und dann studiert, aber das ging leider nicht. Wenn ich jemanden zum Housekeeping suche, ist es leichter, da kann ich die klassischen Kanäle oder auch das AMS befragen.
 

Was hat Sie zuletzt bei einem Bewerbungsgespräch positiv überrascht?

Manchmal überrascht mich, dass ich nach dem Gespräch draufkomme, dass ich keine einzige Frage über den Betrieb oder den Ablauf gestellt oder beantwortet habe. Weil ich so von der Person selbst fasziniert war. Das sind auch meist die Leute, die wir einstellen. Denn ich bin der Meinung, das Fachliche bringen wir ihm schon bei. Das Reservierungssystem oder wie man einen dritten Teller trägt, bekommen wir in drei Wochen hin. Die Persönlichkeit hingegen ist, wie sie ist.

Welche Frage stellen Sie gerne bei Bewerbungsgesprächen?

Ich stelle gerne Fragen, die mit dem Thema nichts zu tun haben, besonders gerne an Leute, die so perfekt vorbereitet wirken. Soetwas wie: Was glauben Sie, wieviele Kühe wir brauchen um die Milch für unsere Cappuccinos im Jahr zu bekommen? Und dann gibt es die, die anfangen zu rechnen, und die, die eine spannende Gegenfrage stellen oder die Fragen, ob es wirklich nur Kuhmilch gibt? Die überraschen mich dann.

Wie tragen Sie zum positiven Image der Branche bei?

Wir sind nicht böse, wenn uns wer verlässt. Wir sind glücklich, wenn jemand eine andere Richtung gefunden hat, aber gut über uns und die ganze Branche redet. Das sind die besten Werbeträger für Mitarbeitermarketing nach außen. Ich kann wirklich mit Fug und Recht behaupten, wir sind mit allen ehemaligen Mitarbeitern gut vernetzt.

Welche Maßnahmen der Mitarbeiterbindung und -weiterbildung setzen Sie in Ihrem Unternehmen?

Wir fahren jedes Jahr für drei Tage auf Betriebsausflug mit dem Team, wie beispielsweise gerade nach Athen. Während der Zeit übernehmen ehemalige Mitarbeiter den Betrieb, weil wir ja wirklich alle mitnehmen wollen. Die Ehemaligen nehmen sich Urlaub und freuen sich, für drei Tage an ihrer „alten“ Wirkungsstätte ihre ehemaligen Stammgäste wiederzusehen. Bei unserer Weihnachtsfeier laden wir auch immer die Mitarbeiter ein, die in diesem Jahr aus unserem Unternehmen ausgeschieden sind.

Nach innen gerichtetes Mitarbeitermarketing ist, dass wir immer schauen, dass alle auf dem gleichen aktuellen Stand sind, was sich im Haus und in der Branche tut. Also nicht nur die wirtschaftlichen Daten vom Haus sondern auch, was wir gerade im Marketing machen, sie bekommen unsere Presseclippings, alle Inhalte unseres Blogs vorab.. das funktioniert ganz gut.

 

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