27.11.2020

Druck zum Zusperren der Skigebiete nimmt zu

Die deutsche Bundeskanzlerin Angelika Merkel plädiert nun dafür, diese Wintersaison alle Skigebiete Europas zu schließen. Große Wortspenden, wie man die Wirtschaft in so einem Fall unterstützen möchte, gibt es hingegen nicht.

Angesichts der anstehenden Skisaison ist auch in Deutschland eine Diskussion über Wintersport in der Corona-Krise entbrannt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich mit Blick auf Winterurlaube dafür aus, dass alle Skigebiete in Europa schließen. "Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten", sagte Merkel im Bundestag. "Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen."

Widerstand kam auch aus der Schweiz und von den Liftbetreibern in Deutschland. Ein Wintersportverbot wäre für die betroffenen Regionen katastrophal und zudem unverständlich, sagte Matthias Stauch, Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS).

Kein Verständnis für den Vorschlag in Österreich

Österreich wehrt sich vehement gegen eine europaweite Schließung der Skigebiete. Öffnungsschritte in allen Bereichen, darunter der Sport, würden von den Staaten unterschiedlich gehandhabt, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). "Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet", so Kurz. Anhand dieser Gesichtspunkte müsse man Entscheidungen treffen.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP): "Das Virus verbreitet sich nicht auf den Skipisten, sondern vor allem auch in geschlossenen Innenräumen", sagte Köstinger in der ZiB2. Wandern in der freien Natur, Skitouren gehen oder auch Skifahren sollen möglich sein, sofern es die Infektionszahlen auch zulassen. Après-Ski werde es hingegen "mit Sicherheit nicht geben".

Österreichs Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) hatte Entschädigungen in Milliardenhöhe von der EU gefordert, falls Skilifte über die Weihnachtsferien stillstehen sollen. Österreich rechne dadurch mit einem Umsatzausfall von 800 Mio. Euro für jede der Ferienwochen.

Schweizer lassen Skigebiete offen

Widerstand gegen eine Schließung der Skigebiete kam auch aus der Schweiz. "In der Schweiz sind Bundesrat, Behörden und die Tourismusbranche überzeugt, dass der Schweizer Weg - für den Moment - richtig ist und die Wintersaison sicher stattfinden kann", sagte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus.

Das Thema sei nicht neu. "Der Ansatz einer europaweit koordinierten Betriebszeit/Saisoneröffnung der Wintersportdestinationen wurde im Kreise der Alpenländer informell bereits im Spätsommer diskutiert und als ungeeignet nicht weiter verfolgt", so Berger. "Wir gehen davon aus, dass dieser Ansatz auch jetzt nicht mehr Erfolg haben wird."

In Frankreich sollen die Skilifte unterdessen während der Festtage stillstehen, die Wintersportorte selbst aber sollen offen sein. "Natürlich wird es für jeden (...) möglich sein, in die Ferienorte zu gehen, um die reine Luft unserer schönen Berge, die Geschäfte, die geöffnet sein werden - außer Bars und Restaurants - zu genießen", sagte Premierminister Jean Castex am Donnerstag. Es sei aber ganz einfach: "Alle Skilifte und öffentlichen Einrichtungen werden für die Öffentlichkeit geschlossen sein."

Quarantäne nach Österreich-Urlaub

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unterstützt den italienischen Vorstoß für eine Schließung der Skigebiete. Das deutsche Bundesland schob am Donnerstag dem Skifahren in Nachbarländern einen Riegel vor. Wer in ein Risikogebiet reist, als das gegenwärtig unter anderem die Alpenländer Österreich, Schweiz und Liechtenstein eingestuft sind, muss bei der Rückkehr nach Bayern zehn Tage in Quarantäne.

Das gilt ab Dezember auch für Tagestouristen, eine bisher noch geltende Ausnahmegenehmigung soll ab Dezember entfallen. Das beschloss das bayerische Kabinett nach Angaben der Staatskanzlei.

(APA/Red)

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