18.06.2019

Ein Gegentrend

Leo Bauernberger, Geschäftsführer des SalzburgerLand Tourismus, verrät im Interview mit Hotel & Touristik mit welchen Werten das Bundesland bei Familientouristen punktet.

Welche Entwicklung ist hinsichtlich des Familientourismus bzw. Urlaubsreisen mit Kindern zu beobachten?
Leo Bauernberger: Während der generelle Trend im Tourismus aufgrund der demographischen Entwicklung eher in Richtung älterer Reisender geht, nehmen wir in Österreich und insbesondere im SalzburgerLand einen echten Gegentrend wahr. Fast die Hälfte all unserer Gäste sind Familien mit Kindern. Das ist ein hervorragender Wert, der laut Marktforschung in den kommenden Jahren sogar noch weiter steigen wird. Das zeigen etwa ganz aktuelle Umfragen in unserem wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland. Der ADAC Reisemonitor weist für das Jahr 2019 bei Familien mit Kindern erstmals Österreich als das Hauptreiseziel für geplante Urlaubsreisen von fünf Tagen oder länger aus – sogar noch vor Italien, das hier zuletzt immer an erster Stelle stand. Und laut Deutscher Reiseanalyse zeigt derzeit rund ein Drittel aller deutschen Familien Interesse an einem Urlaub in Österreich. Dieser Wert ist zuletzt kontinuierlich gestiegen.

Was wünschen sich Reisende mit Kind in Salzburg?
Der direkte Kontakt zur Natur, zu Bergen, Seen und Wäldern ist das Allerwichtigste. Wenn die Entfremdung von der Natur gerade in urbanen Räumen immer weiter voranschreitet, wenn in Ländern wie den USA oder Großbritannien schon ein anerkanntes Krankheitsbild namens „Nature Deficit Disorder“ existiert, ist es höchst an der Zeit, unseren Kindern und Jugendlichen zumindest im Urlaub wieder das Besondere und die Schönheit der Natur näher zu bringen.

Wie packen Sie das aus Marketingsicht an?
Ein ganz aktuelles Beispiel ist unsere neue Sommerkampagne, mit der wir den Natur- und Lebensraum Wald in den Mittelpunkt rücken. Unter dem Motto „Einatmen. Ausatmen.“ haben wir gemeinsam mit unseren touristischen Regionen buchbare Angebote geschnürt, die den Wald im SalzburgerLand für den Gast erlebbar machen. Etwa ein Urwald-Erlebnis für die ganze Familie im Tennengau, Abenteuer-Übernachtungen in der Hängematte direkt unter Baumwipfeln in der Fuschlseeregion oder ein E-Mountainbike-Wochenende durch die Wälder des Salzburger Saalachtals.

Die emotionale Bindung, die zwischen Urlaubsort und Gast in dessen Kindheit entsteht, hält stärker und oft ein Leben lang. Mit welchen Angeboten kann man überzeugen – von der Buchbarkeit bis zu Schwerpunkten?
Im Salzburger Pongau haben wir erst vergangenes Jahr mit „Kinderleicht Wandern“ ein gebündeltes Angebot für Familien mit Kindern entwickelt, das die besten Familienwanderwege, Erlebnisberge und Kinderwagen-Almen samt Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten zusammenfasst. Darunter fallen aber auch etablierte Produktmarken wie der Salzburger Almsommer: Es gibt wohl kaum eine Familie, die in ihrem Sommerurlaub im SalzburgerLand nicht mindestens eine Wanderung zu einer unserer mehr als 500 bewirtschafteten Almhütten unternimmt – 175 davon sind als „Almsommer-Hütten“ zertifiziert und bieten ein besonders authentisches Almerlebnis, Kinderalmen heben wir in unseren Kommunikationsmitteln gesondert hervor. Ideal für Familien sind spannende Unterkünfte wie sie ‚Urlaub am Bauernhof‘ oder die Hütten in unseren Almdörfern bieten – wir haben im SalzburgerLand rund 15 solcher Dörfer, von der Region Dachstein West über Werfenweng, Maria Alm, Leogang bis hinein in den Salzburger Lungau.

Mit unserer SalzburgerLand Card bieten wir tolle Programme und die schönsten Ausflugsziele zu attraktiven Preisen für die gesamte Familie. Besonders gefragt bei Familien sind auch die insgesamt sechs Thermen im SalzburgerLand, die wir seit vergangenem Jahr unter dem Namen „Thermenland Salzburg“ attraktiver und zentral vermarkten.

Das SalzburgerLand ist vor allem auch im Winter stark ...
Auch im Winter sind wir in einer hervorragenden Position. So ist das SalzburgerLand seit vielen Jahren die Nummer eins bei Wintersportwochen in Österreich – mit über 40 Prozent beherbergen unsere Wintersportorte mehr als doppelt so viele Schulskikurse wie die Steiermark an der zweiten Stelle. Wir ruhen uns aber nicht auf dieser Position aus, sondern wollen sie mit einem gezielten Nachwuchs-Schwerpunkt im Tourismusmarketing ausbauen.

Im ersten Schritt zielen wir dabei auf die großen Nahmärkte und Ballungszentren in Ostösterreich (rund 2 Mio. Nächtigungen im Winter) und Deutschland (6 Mio. Nächtigungen) bzw. dessen bevölkerungsreichstes Bundesland Nordrhein-Westfalen (1 Mio. Nächtigungen) ab. So haben wir etwa in Wien im vergangenen Winter mit der „Marxer Alm“ erstmals das größte Winteropening der Hauptstadt veranstaltet. Und in NRW haben wir durch die langjährige Partnerschaft mit der Skihalle Neuss eine SalzburgerLand-„Außenstelle“, wo jährlich rund 30.000 Kinder erstmals auf Skiern stehen. Mehr als 40 Prozent aller Skihallen-Gäste waren schon einmal im SalzburgerLand auf Winterurlaub.

Salzburg ist auch auf den Fernmärkten sehr stark. Spielen der Familientourismus auch hier eine Rolle?
Es liegt auf der Hand, dass Familien eher aus den näheren europäischen Märkten kommen als aus Fernmärkten wie China oder den USA. Die stressfreie und schnelle Anreise – vor allem auch per Bahn – ist hier ein ganz entscheidendes Argument. Traditionell begeisterte Familienurlauber im SalzburgerLand sind neben den Deutschen und Österreichern vor allem die Niederländer oder unsere Gäste aus Schweden und Dänemark.

Die Definition, wer und was alles unter Familie fällt, hat sich verändert. Verändert sich dadurch auch etwas im Marketing?
Natürlich bleibt die gesellschaftliche Entwicklung auch vor dem Tourismus nicht stehen und wir haben heute eine viel breitere Definition von Familie als vielleicht noch vor 20 oder 30 Jahren. Ich behaupte aber, dass es in der Ansprache keinen großen Unterschied macht. Am Ende entscheidet das Angebot, ob ich mich mit meinen Kindern gut aufgehoben fühle.

Nicht zu vergessen: Mit naturbezogenen Urlaubsformen, wie wir sie im SalzburgerLand ganzjährig anbieten – sei es beim Wandern im Salzburger Almsommer, bei Veranstaltungen im Bauernherbst, beim Skifahren im Winter oder beim Verkosten von typisch regionalen Spezialitäten, die direkt vom Bauern oder Produzenten kommen – vermittle ich meinen Kindern auch Werte. Das spricht die „klassische“ Familie genauso an wie eine Patchwork-Familie, Alleinerziehende oder ein gleichgeschlechtliches Paar mit Kindern.

 

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