16.12.2020

Ein Grenadiermarsch zu Weihnachten

Restlkochen statt wegschmeißen. Ein kulinarischer Weihnachtskommentar von Brigitte Charwat.

Weihnachten, das Fest der Familie und des Zusammenseins, des Schenkens und der Gemütlichkeit, der inneren Einkehr, der Stille und Besinnlichkeit und des vollen Genusses, wird auch heuer, in diesem „anderen“ Jahr mehrheitlich ein Fest „wie immer“ sein. Prächtig geschmückte Weihnachtsbäume, unter denen sich viele bunte Päckchen stapeln und ein reich gedeckter Gabentisch werden – wenn auch im sehr kleinen Kreis – auch diese „Corona-Weihnachten“ zu einem stimmungs- und genussvollen Fest machen. Genuss im Überfluss hat gerade zu Weihnachten einen tieferen Sinn, aber wer weiß, vielleicht bekommt ja heuer, mit Mr. C als „stillen“ Gast am Tisch, das berühmte Weniger ist Mehr eine richtungsweisende Bedeutung. Notwendig wär’s …

Warum ist das eigentlich so, dass man gerade zu Weihnachten immer glaubt, „verhungern“ zu müssen? Man kauft Mengen an Lebensmittel, an feinen Sachen ein, die man sich unterjährig seltener gönnt, weil ja außer den geladenen Gästen vielleicht ganz spontan noch die Anni Tant oder der Hansi Onkel mit der ganzen Entourage zum Christbaum schauen und zu einem „kleinen“ weihnachtlichen Jauserl vorbeikommen könnten. Darauf muss man vorbereitet sein, also karrt man in den Tagen vor der fröhlichen Bescherung oft ziemlich planlos alles was gut und teuer und vor allem fein schmeckt nach Hause, um es dann, ab 27. Dezember, unbedacht in den Müll zu stopfen. Wo sich dieses Potpourri dann in „guter“ Gesellschaft befindet, weil auch die Nachbarn ähnlich klug kalkuliert haben und jetzt für die frische Silvester-Ware Platz im Kühl- und Vorratsschrank machen müssen. 

Genuss im Überfluss ist ein Problem – man könnte es auch Auswuchs nennen – der schon ziemlich verwöhnten Konsumgesellschaft, das viel kostet – nicht nur Geld. Denn die Mengen an noch genieß- und verwertbaren Lebensmitteln, nicht nur zu Weihnachten, die die kleinen Haushalte jährlich in den Müll werfen, belasten nicht nur das Börserl, sie sind vor allem fürs Klima, die Umwelt, die Natur und den Artenschutz ziemlich ungesund. Oder finden Sie richtig und normal, dass wir in Österreich – da wir hier wirklich aus dem Vollen schöpfen, jährlich rund eine Million Tonnen an Lebensmittel einfach in den Gully werfen. Die Hälfte davon landet übrigens in den Mistkübeln zu Hause, auch in meinem. Diese Lebensmittelverschwendung zu beziffern, ist für den einfachen Kopf schwer möglich und grenzt an hohe Mathematik. EU-weit schätzt man den Betrag auf mehr als 140 Mrd. Euro pro Jahr, eine Summe, die ebenso unvorstellbar ist, wie die Berge an Lebensmittel, aus denen sich dieser Betrag errechnet. 

Es liegt also auf und in unserer Hand, diese sinnlose Verschwendung von Lebensmittel zu vermeiden, was der Ökonomie und Ökologie und damit der ganzen Gesellschaft und uns allen nur zuträglich sein kann. Machen wir’s doch wieder ein Stückweit so wie unsere Großeltern, meine hatten ein Vorratskammerl: Eine kulinarische Fundgrube, in der Schmalztopf, Räucherspeck und Erdäpfel – schön erdig in der Holzkiste – mit vielen anderen Notwendigkeiten fürs tägliche Leben übers Jahr gelagert wurden. Da ging nie etwas aus, da wurde aber auch nie etwas weggeschmissen. Denn, so meine Oma, aus allem, auch aus altem Brot oder nur aus Mehl, kann man etwas kochen. 

Und so war denn auch der 27. Dezember für mich immer der Tag, auf den ich mich nach den Völlereien mit dem traditionellen Waldviertler Karpfen mit Erdäpfel-Vogerlsalat, der Weihnachtsgans mit Omas fantastischen und unerreichten Gummiknödeln und dem Stefaniebraten mit Risipisi am meisten freute. Denn da gab’s immer Grenadiermarsch, ein aus den übriggebliebenen Salaterdäpfeln vom Weihnachtskarpfenmenü, den letzten Erdäpfelknödeln vom Christtag-Gansl und den verbliebenen Stefanie-Schweinsbratlstückerln grandios schmeckender Mischmasch, der stets mit Endiviensalat – den gab’s im Winter immer reichlich – aus der großen Rein mit noch größerem Appetit gegessen wurde. 

Dieser Grenadiermarsch, dieses Gröstl, ist für mich ein Teil meiner Weihnachten und das Beste aus Restln, oder wie meine Oma eben sagte: Aus allem kannst was kochen, weil wir schmeißen nix weg!

Haben auch Sie ein „Lieblings-Restl-Verwertungsrezept“ für die große aber auch für die kleine Küche? Dann freue ich mich über Ihre kulinarischen Anregungen, die wir im Laufe des Jahres 2021 in einer „Restl-Sonderstrecke“ zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen einheben wollen. 

Schicken Sie mir einfach Ihr Rezept mit Bild und ein paar Worten, die sie mit diesem Gericht verbinden sowie ein wenig Text zu Ihrem Unternehmen und Ihrer Person an b.charwat(at)manstein.at. Ich freue mich auf viele Einsendungen, koche gerne alles nach, und darf Ihnen nun ein frohes und genussvolles Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Familie sowie einen guten Start ins neue Jahr wünschen.
Bleiben Sie gesund!

(Autorin: Brigitte Charwat, Chefredakteurin traveller)
 

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