11.03.2021

"Ein wesentlicher Teil unseres Geschäfts"

Miele-Geschäftsführerin Sandra Kolleth im Gespräch über Führungsstärke in der Krise, die Unterstützung von Gastronomie und Hotellerie, notwendige Flexibilität und warum Frauen für die Karriere "lauter" werden müssen.

Frau Kolleth, Miele ist im Corona-Jahr um beeindruckende 8 Prozent gewachsen. Wie ist es gelungen, den Rückgang in Hotellerie und Gastronomie aufzufangen?
Sandra Kolleth: Wir haben unterschiedliche Trends. Im Professional-Bereich sind wir von der Krise in der Gastronomie und Hotellerie sehr stark mitbetroffen. Wobei die Auswirkungen im ersten Lockdown noch nicht so deutlich waren und die Stimmung und Investitionsbereitschaft in der Sommersaison gepasst haben; das Bild hat sich schon im Herbst gedreht mit dem Ausblick auf eine schwierige oder gar keine Wintersaison. Gleichzeitig gab es im Professional-Bereich für die Labor- und Kliniktechnik, insbesondere im zweiten Halbjahr, schöne Wachstumsraten. Im Summe wurde das Professional-Geschäft damit nur leicht negativ abgeschlossen, im Haushaltsgeschäft ist die Nachfrage zudem enorm gestiegen. Gerade die Nachfrage nach Qualität und Langlebigkeit kommt uns zugute. 

Verlangen die jüngsten Entwicklungen eine Anpassung des Geschäftsmodells? Wird Miele den Bereich Gastronomie und Hotellerie reduzieren müssen?
Nein, im Gegenteil. Das ist ein für uns, vom Größenverhältnis, aber auch unserer Geschichte und Kundenbeziehung her, ganz wesentlicher Teil des Geschäfts. Die Frage, die wir uns vielmehr stellen, ist, wie können wir diese Branchen noch mehr und noch besser unterstützten? Gerade bei dem hoffentlich bald wieder Anlaufen des Geschäfts. Im Vorjahr haben wir zum Beispiel ein eigenes Marketingpaket entwickelt (lesen Sie mehr dazu bei Miele bzw. auf stammgast.online). Das wird gerade adaptiert und für die kommende Sommersaison aufgerüstet. Keine Sorge, wir lassen nicht locker.

Interessant, gerade in Hinblick auf die wachsenden Hygiene-Anforderungen, sind Neuprodukte wie der Luftreiniger „Miele AirControl“ (stammgast.online hat berichtet hier und hier). Findet das Gerät auch seinen Platz in Gastronomie und Hotellerie?
Absolut. Das Thema Luftreinigung ist ein längerfristiges. Natürlich stark befeuert und getrieben durch Corona, aber da geht es auch um Luftqualität ganz im Allgemeinen. Also um Bakterien, Viren, Allergene, Pollen, Rauch etc. Das ist gerade in Gastronomie und Hotellerie eine wesentliche Frage.

Wie groß ist gerade die Investitionsfreude im Profi-Bereich?
Der heurige Geschäftsverlauf, im Vergleich zu den Monaten im Vorjahr noch vor dem Einbruch, ist konstant. Es gibt noch immer viele Hoteliers und Gastronomen, die die Zeit nützen, um zu investieren, zu renovieren und die die Investitionsprämie ausnützen. Das ist natürlich sehr abhängig von der Lage des Einzelnen, aber in Summe sind wir positiv gestimmt. Wir bieten Finanzierungsmöglichkeiten an, wiewohl die Nachfrage nicht sprunghaft gestiegen ist. Das ist vielleicht ein positives Zeichen, dass Investitionen nach wie vor gestemmt werden können.

Miele bietet regelmäßig Aktionen an, wird es eine solche für den Restart geben? 
Wir haben immer tolle Aktionen! Gerade jetzt die Aktion #TheMieleWay (Anm.: mehr dazu am Ende des Artikels), die bis Ende März verlängert wurde. Wir haben auch in Zukunft immer ein Auge darauf, wie sich die Situation entwickelt. Die Hotellerie ist wie gesagt eine unserer wichtigsten Branchen und wir versuchen proaktiv zu helfen, von der Beratung über das Service bis zum Marketingpaket.

Es gibt ein großes Netzwerk an Servicedienstleistern. Wie unterstützt Miele die Branche, wenn die Kontaktmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind?
Unter Nutzung aller Möglichkeiten und Technologien. Unser Außendienst und unsere Servicetechniker sind weiterhin persönlich unterwegs unter Wahrung aller Auflagen und Sicherheitsvorkehrungen und den Wünschen der Kunden entsprechend. Je nachdem, ob sie den Kontakt digital oder persönlich bevorzugen. In Phasen, in denen weniger zu tun ist, haben wir die Flexibilität, die Mitarbeiter auch in anderen Bereichen einzusetzen. Unserem Team wird sicher nicht fad, gerade mit Neuerungen wie dem Luftreiniger gibt es ausreichend zu tun. Wir sind sozusagen negativ getestet, aber positiv gestimmt.

Das ist sicher manchmal schwer. Wie haben Sie als Chefin die Situation ab dem Ausbruch der Pandemie gehandhabt und das Unternehmen geleitet? Geschäftsmodelle brechen weg, Mitarbeiter sind verunsichert, die Zukunft ist unklar.
Das war nicht ich alleine. Das Geschäftsführungsteam arbeitet gerade in schwierigen Zeiten sehr gut mit unterschiedlichen Zugängen und Kompetenzen gemeinsamen an den Themen. Ich kann mich noch sehr gut an den 13. März 2020 erinnern: Ich hatte hier im Haus (Anm: das Interview fand unter Wahrung aller Sicherheitsvorkehrungen im Miele Experience Center Wien statt) einen Fototermin mit dem „trend“, weil wir die Auszeichnung Arbeitgeber des Jahres gewonnen hatten. Bei der Anreise kam im Autoradio die Nachricht über den Lockdown. Und jetzt? Der Handel als Vertriebskanal fällt komplett weg, ob Techniker servicieren dürfen wussten wir nicht. Die Unsicherheit war groß, eine Situation wie diese hatte noch keiner von uns erlebt. Wir haben uns dann aber sehr schnell auf leitende Prinzipien geeinigt. An erster Stelle steht die Sicherheit für unsere Mitarbeiter, Handelspartner und Kunden. Außerdem muss es große Offenheit in der Kommunikation geben. Zwei Leitsätze haben wir geprägt: „Wir geben aufeinander acht“, was wir im Grunde seit 122 Jahren bei Miele leben. Das Unternehmen ist sehr menschenzentriert. Der zweite Leitsatz lautet „Wir navigieren auf Sicht“. Das bedeutet eine andere Form von Führung, weil wir heute so entscheiden, aber es sein kann, dass morgen die Entscheidung eine andere ist. Denn die gesetzlichen Rahmenbedingungen und verschiedenen Erlässe sind nicht immer von Anfang an hundertprozentig klar. Wir haben unseren eigenen Kenntnisstand laufend angepasst und unseren Mitarbeitern das auch sehr aktiv kommuniziert.

Wie gut wurde das angenommen?
Ich betone immer „Leadership matters“. Gerade in solch schwierigen Zeiten ist es ganz wichtig zu führen und nicht nur zu managen. Wir haben am Anfang der Krise täglich Informationen ausgeschickt, haben ein digitales Mitarbeitermeeting organisiert und kommuniziert, kommuniziert, kommuniziert! Das Feedback unserer Mitarbeiter war und ist sehr positiv, vor allem auch, weil sie in ihrem Familien- und Bekanntenkreis sehen, dass es nicht überall so gut klappt wie bei uns. Als Führungskraft bekommst du selten ein direktes Feedback deiner Mitarbeiter, umso schöner war es für mich zu hören, dass sie sich bei Miele nicht nur gut aufgehoben fühlen, sondern wissen, wo es langgeht. 

Das Unternehmen steht gut da. Haben Sie den Mitarbeiterstand halten oder sogar ausbauen können?
Wir haben aufgrund von Projekten sogar etwas ausgebaut. Corona-bedingt gab es keinerlei Abbau. Wir versuchen, den Vorteil, auf mehreren Standbeinen zu stehen, zu nutzen. Gerade im Technikerbereich gibt es die Möglichkeit, Workload zu verlagern. Zum Beispiel ist in Wien das Klientel der Schifffahrt – ein wichtiger Kundenbereich – weggebrochen. Die Techniker servicieren nun vermehrt im semiprofessionellen und Haushaltsbereich. Wir sind ein gesundes Unternehmen, das familiengeführt ist und langfristig denkt. Das gibt Sicherheit.

Miele ist vor knapp einem Jahr in den Bereich Vertical Farming eingestiegen mit der Übernahme von Agrilution. Ist das auch für den Profibereich spannend?
Klar ist das ein Thema. Ich kann mich noch gut daran erinnern, zwei Tage vor der Bekanntgabe war ich in Obertauern bei einem mir bekannten Hotelier auf Besuch. Als ich ihm die Fotos zeigte, meinte er nur „das wäre ja cool für meine Bar“. Der Plantcube von Agrilution dient zum Heranziehen von Kräutern und Salaten auf Saatmatten unter ganz kontrollierten Bedingungen in einem Schrank – noch dazu sehr ressourceneffizient und nachhaltig. Vertical Farming ist ein Produktfeld, bei dem das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.

Was sind die Zukunftsthemen, die Sie weiterverfolgen wollen? 
Ganze sicher das Thema gesunde Ernährung von A bis Z. Da denken wir in Eco-Systemen, also über das reine Gerät hinaus. Den Bereich gesundes Umfeld halten wir für sehr spannend, die Luftqualität ist ein Teil davon. Insgesamt stehen Services und Digitalisierung, die digitalen Dienstleistungen, auf der Agenda. „M Chef“-Technologie und Dialoggarer sind auch für die Hotellerie interessant. Gerade in den Randzeiten, um zum Beispiel den Zimmerservice auch in der Nacht abzudecken zu können. Über viele solcher Themen denken wir laufend nach – und noch ein paar mehr, wo es aber zu früh ist, um darüber zu sprechen.

Es gibt also noch viel zu tun. Heute ist der internationale Frauentag (Anm.: 8. März). Sie haben eine beispielgebende Karriere und sich in der Technikbranche durchgesetzt, wo es Frauen nicht immer leichtgemacht wird. Was raten Sie Frauen, die Karriere machen wollen?
Erstens, die eigene Leidenschaft zu finden. Was man wirklich gerne tut, und das muss keine konkretes Jobbild sein – bei mir ist es zum Beispiel Kommunikation, das kann ich im Vertrieb, im Marketing, im Management und Geschäftsführung gut umsetzen –, leben. Sich dessen bewusst zu sein, was die eigene Leidenschaft ist, die einem Energie gibt. Zweitens, seine persönliche Marke aufzubauen. Ich bin Führungskraft aus Leidenschaft. Ich war in meiner früheren Karriere Verkäuferin aus Leidenschaft. Und drittens, mutig zu sein und viel öfter laut „hier“ zu schreien. Das ist der einzige Unterschied, den ich tatsächlich zwischen Frauen und Männern – ich mag diese Differenzierung nicht so gerne – sehe. Wenn es Positionen zu besetzen gibt, ist der Anspruch von Frauen an sich selbst sehr hoch. Sie sagen daher relativ spät und erst bei der Erfüllung von 100 Prozent der Anforderungen oder mehr ja, das traue ich mir zu. Männern reichen oft 70 oder 80 Prozent, den Rest könne man im Job noch lernen. Diesen Zugang halte ich im Übrigen für richtig. 

Sie leiten eines der wichtigsten Unternehmen des Landes. Gibt es für Sie etwas, das noch darübersteht? Wo sehen Sie sich in Zukunft?
Ich habe es immer so gehandhabt, dass ich Spaß haben muss bei dem was ich tue. Alles andere ergibt sich. Ich habe keine Pläne. Bei Miele habe ich Spaß und fühle ich mich gut aufgehoben. Wenn mich mein Team lässt, möchte ich das noch ganz lange machen. 

Vielen Dank für das Gespräch.


Über Sandra Kolleth
Sandra Kolleth steht seit August 2018 an der Spitze von Miele Österreich. Davor zeichnete sie als General Manager von Xerox Austria verantwortlich und gewann dort viel Expertise im Bereich Marketing, Vertrieb und Service. Kolleth studierte Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien, 1995 stieg sie im Qualitätsmanagement bei Xerox Austria ein. Zwei Jahre später wechselte sie in den Vertrieb. 2003 übernahm sie die Marketingleitung. Ein Jahr später wurde sie Mitglied der Geschäftsführung. 2008 übernahm sie die Leitung der Xerox Global Services, der Dienstleistungstochter von Xerox Austria. 2013 wurde Sandra Kolleth zur General Managerin von Xerox berufen. 
 

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