03.08.2021

Einer für alle, alle für (k)einen!

Woran es derzeit mangelt und wovon wir in Zukunft noch viel mehr brauchen. Ein Kommentar von Brigitte Charwat.

Unus pro omnibus, omnes pro uno! Un pour tous, tous pour un! Uno per tutti, tutti per uno! In per tuts, tuts per in! Einer für alle, alle für einen! Egal ob lateinisch, französisch, italienisch, rätoromanisch oder auf Deutsch – jener von Alexandre Dumas für seine Drei Musketiere, die mit d’Artagnan, Athos, Porthos und Aramis eigentlich vier waren – erdachte Sinnspruch, der es in weiterer Folge bis zum (inoffiziellen) Wahlspruch der Schweizer Eidgenossenschaft brachte, steht für das, wovon wir gerade jetzt ganz viel brauchen könnten, es uns in der großen Menschengemeinschaft jedoch am meisten mangelt: An nationaler und internationaler Solidarität, an gelebtem Idealismus, am sprichwörtlichen Ziehen an einem Strang, eben am ehrlichen „Einer für alle, alle für einen“ Zusammenhalt. 

Scheinbar ist der Mensch nicht (mehr) fähig oder klug genug, um auch nach bereits mehr als eineinhalb Jahren gesellschaftlichem, emotionalem und wirtschaftlichem Ausnahmezustand zu erkennen, dass Corona eben nicht bloß ein tropfendes Naserl und die Pandemie kein lapidares Kriserl, sondern eine gefährliche Weltwirtschaftskatastrophe ist, gegen die, bis auf die Impfung, bis dato noch kein alternatives Kraut gewachsen ist.

Omas Wadenwickel, Zwiebelsirup und Wipferlsaft amüsieren das Virus genauso, wie in der Klangschale esoterisch angereichertes Silberwasser, dumme Ignoranz, Arroganz und Egoismus. Doch das scheint die ewigen Besserwisser, jene, die selbst bei 110 dB (Lautstärke einer Kreissäge) das Gras ganz laut wachsen hören, die generellen Skeptiker und Verschwörungstheoretiker gegen Staat und Medizin und natürlich die zigtausend Salzamt-Promovierten und Hobby-Virologen nicht zu tangieren. Sie ignorieren weiter die gesamtgesellschaftliche Verpflichtung des Einzelnen und opponieren gegen das, was uns aus dieser Sackgasse führen kann: Der Doppelstich in den Oberarm. 

Dabei, und das zeigt, wie kurz hier gedacht wird, geht es vor allem AUCH um den Schutz der Ungeimpften und darum, dass OPs am Knie, der Hüfte oder lebensrettende medizinische Eingriffe nicht wieder zurückgestellt werden müssen, weil uns sehendes Auges und offenen Ohres die nächste Welle bereits wieder zu überrollen beginnt, was dann das Gesundheitssystem wieder an seine Grenzen führen kann. Wenn wir Pech haben, so Gesundheitsminister Mückstein im Interview mit dem KURIER, sind wir nämlich bereits Anfang August, also in ein paar Tagen, bei einer Inzidenz von über 75. Dann gelten wir in Kombination mit der dominierenden Delta-Variante als Varianten-Gebiet und dann ist Schluss mit Tourismus. So what?

Die Impfung bleibt der wichtigste Schlüssel zurück ins neue, alte Leben, wer glaubt, dass es ohne geht, irrt. Dieser Meinung des Epidemiologen und Neonatologen an der MedUni Wien, Francesco Cardona, schließt sich die Eigenverantwortung und deren bester Freund, der gesunde Hausverstand, aus voller Überzeugung an. Wenn sich jetzt ganz viele, am besten alle in der großen Touristikfamilie impfen lassen und dann ihren „Impfstatus“ prominent in die Auslage stellen, kann daraus schnell eine echte gesunde Bewegung werden. Weil Touristiker vife und empathische Menschen sind und schon lange um die Kraft des Musketierschen Leitspruchs wissen.

Die persönliche Freiheit hört nämlich dort auf, wo sie den Bestand der Gesamtheit gefährdet. Heißt: Freiwilligkeit hat dort Grenzen, wenn das Wirtschafts- und Sozialsystem nicht nur im kleinen Österreich, sondern weltweit in einen dauerhaften und nicht mehr reparablen Krisenmodus gebracht wird, wie es die Vorsitzende der Bioethikkommission, Christiane Druml, definiert.

b.charwat@manstein.at

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