19.06.2020

Emotionen in rot-weiß-rot

Die Austrian fliegt wieder. Im Restart-Prozess lautet die erklärte Devise Safety First, wovon sich unsere Kolleginnen vom Magazin traveller beim Erstflug nach München überzeugen konnten. Ein emotionaler und authentischer Bericht von traveller-Chefredakteurin Brigitte Charwat.

Der 15. Juni 2020 wird wie der 19. März 2020 in die mehr als 60-jährige Geschichte von Austrian Airlines eingehen. Denn zwischen dem letzten #Servus an Bord von OS 066 am 19.03. und dem ersten #ServusAnBord am 15.06. am Flug OS 111 liegen 90 Tage. Und damit 90 Tage Stillstand sowie Bangen und Hoffen, ob und wie der österreichische Homecarrier diese Apokalypse, in die ein winzig kleines Virus die ganze Welt gestürzt hat, überleben wird. Sie wird, das ist durch ein 600 Mio. Euro schweres Corona Hilfspaket als notwendiger Beipack eines rigiden Sparkurses gesichert. 

Auf die AUA ist halt Verlass, …

… weil diese fantastische 7.000-köpfige Crew inklusive Oberboss, Alexis von Hoensbroech – in seinen sportlichen Austrian-Sneakers auch schon fast zu einem Markenzeichen „seiner“ Airline geworden – hält, was man im März versprochen hat: Nämlich kein „good bye“, sondern ein Servus und „see you later“. Und dieses „later“ hat am 15. Juni mit dem ersten Flug nach dem coronabedingten Grounding begonnen.

Dass der Zusammenhalt der AUA-Familie ein starker ist, haben die Mitarbeiter bereits mehrmals bewiesen. Denn im Gürtel enger schnallen ist die AUA-Belegschaft längst Weltmeister. Jetzt jedoch, in dieser noch nie dagewesenen Krise, erreicht der Austrian Spirit eine neue Dimension und zeugt von echter Loyalität einem Unternehmen gegenüber, dass es dem Staff nicht immer leicht gemacht hat, stets charmant weiter zu lächeln, wenn es eigentlich nicht mehr viel zu lachen gab. Sie haben es dennoch sehr gerne getan. Dass die AUA jetzt vom Staat und Mutterkonzern Lufthansa – auch wenn dieser ziemlich mit den Zähnen knirscht – vor dem Untergang gerettet wurde, ist nur gerecht. Nämlich der treu verbundenen Belegschaft mit oder ohne roter Strümpfe und Socken.

Wie groß die Freude ist, ...

… zeigte sich dann auch beim Erstflug nach München, denn #ServusAnBord beginnt bekanntlich am Boden. Und dort wurden die ersten ­Passagiere für Flug OS 111 – der wirkliche Erstflug nach München fand übrigens am 26. April 1965 statt – mit Klatschen, fröhlichem Jubel und Fähnchen schwingend – empfangen. Das hat sogar den Chef in seinen AUA-gebrandeten Sportschuhen „umgehauen“ – und dass alle, die aufgefädelt in ihren roten Uniformen im Spalier bis zum Gate F01 standen und zu früher Stunde freiwillig bzw. außer Dienst diesem historischen Ereignis den entsprechenden Rahmen gaben, machte den Austrian Spirit sichtbar.

Den leben übrigens auch noch die „Altgedienten“ intensiv mit, wie Rudi Bauer, ein Airline-Enthusiast mit dickem AUA-Blut in seinen Adern. Bereits im Ruhestand, kaufte sich Rudi für den Restart-Flug ein Fullfair-Ticket nach München, um dabei zu sein, wenn „seine“ AUA wieder abhebt. Zurück nach Wien ist er dann gemütlich mit den ÖBB gefahren. 

Mit Maske & keckem Lächeln

Wie fliegt es sich nun in Zeiten von und mit Corona? Eigentlich nicht viel anders, mit Austrian sogar noch einen Tick besser als zuvor. Und bevor man mir jetzt Subjektivität vorwirft, es muss eigentlich besser sein. Weil es jetzt um sehr viel geht: Um Gesundheit, Sicherheit und Wohlfühlen an Bord, was in Summe einen zufriedenen Passagier ausmacht, der dann auch „rotweißrot“ wiederfliegt.

Denn durch Corona ist eine Pattstellung im Markt entstanden, die einzige Gerechtigkeit an dieser weltumspannenden Krise ist, dass für alle Fluglinien nun die gleiche Ausgangsposition gilt. Macht man also den Job mit Physical Distancing, Maskenpflicht und Abstandhalten besonders gut, macht man’s dem an sich schon gequälten Passagier so gemütlich wie es eben in dieser „anderen“ Zeit möglich ist und vermittelt ihm ein entsprechendes Sicherheitsgefühl, dann ist das bereits mehr als die halbe Miete. Diese Übung, auch wenn es nur eine kurze Momentaufnahme am Flug von Wien nach München und retour war, ist Austrian gelungen.

Zwar verstecken die Flugbegleiter ihr charmantes Lächeln nun auch verpflichtend hinter einer grauen Maske, sichtbar bleibt es dennoch. Eine offene Körpersprache, ein kecker Blick und vor allem die große Freude, dass man wieder fliegt, kann keine Maske verbergen. Beim herzlichen Welcome on Bord erhält der Passagier ein medizinisches Reinigungstuch, mit dem er sich die Hände desinfizieren, aber auch über sein Tischchen wischen kann.

Safety First

Obwohl die Flugzeugkabine und alles, was der Mensch im Laufe eines Fluges berührt – also Armlehnen, Klapptischchen, Gurtschnallen usw. – nun noch mehr als zuvor gereinigt und desinfiziert werden. Weil, obwohl man weiß, dass das Virus grundsätzlich über Tröpfchen übertragen wird – darum die Maske – auch den zweiten Übertragungsweg der Schmierinfektion möglichst auf null reduzieren möchte. Eine hundertprozentige Sterilität wird an Bord aber nicht möglich sein, weil es, so Dr. Med. Athanasios Kalliontzis, Leiter Austrian Airlines Aeromedical Center, diese auch in OPs nicht gibt. Daher auch von seiner Seite einmal mehr die dringende Empfehlung, den Hausverstand nicht zu Hause zu lassen und vor allem aufs oftmalige Händewaschen – in den Bordtoiletten gibt es heißes Wasser und Seife – nicht zu vergessen. 

Während des 50minütigen Fluges mit einem Embraer 195 flogen wir eine Strecke in der Business-Class Konfiguration. Heißt: Der Nebensitz der Zwei-Zwei Bestuhlung blieb frei, retour nahmen wir dann in der Economy-Bestuhlung – der Nebensitz bleibt nicht frei – Platz. Auf das vielprämierte AUA-Service, jetzt halt mit Abstand und strengen Hygieneauflagen, aber mit sehr großer Freude, wird jedoch nicht verzichtet. 

Bevor man dann wieder in Wien ankommt, ist noch eine Public Health Passenger Locator Form sowie eine Entry and Transit Declaration auszufüllen, um im Fall der Fälle die Kette nachvollziehen zu können. Die Einreise selbst ist ziemlich unspektakulär und erfolgte in unserem „Testflugfall“ schnell und ohne besondere Vorkommnisse. Formular abgeben, die Frage nach dem Aufenthalt der letzten 14 Tage beantworten und schon passiert man die Schleuse mit den Wärmebildkameras. Die bei entsprechender Temperaturveränderung eines Passagiers „Laut“ geben. Bei uns blieben sie still, laut ist es aktuell am Flughafen Wien aber auch sonst noch nicht. Das beginnt sich nun langsam zu ändern, denn mit der Rückkehr der AUA und vieler weiterer Airlines fährt auch der Flughafen Wien seinen Betrieb step by step wieder hoch. 

Der steinige Weg zurück

Ein Hub – und das ist der Vienna International Airport – ohne Homecarrier ist kein Airport und damit hat Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG, völlig recht. „Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, den Flughafen wieder in Betrieb zu sehen,“ sagt er anlässlich des restart-Fluges. „Der Weg, den wir jetzt gemeinsam gehen, ist ein steiniger, aber wir gehen ihn mit großer Freude“, so Jäger, der auch ausdrücklich betont, wie wichtig der Fortbestand von Austrian für den gesamten Wirtschafts- und Tourismusstandort und damit für in Summe rd. 25.000 Mitarbeiter ist.

Selbstverständlich hat auch der Flughafen Wien im Sicherheits- und Hygienebereich entsprechend aufgerüstet und wurde nun von der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA als Test-Airport für COVID-19-Sicherheitsmaßnahmen ausgewählt. „Als EASA-Test-Airport werden unsere Erfahrungen aus den aktuellen COVID-19-Maßnahmen in die Gestaltung der künftigen europäischen Regeln einfließen,“ erläutert Jäger.

Fliegen auf Sicht

Bis man aber wieder am Vor-Corona-Niveau ist, werden wohl zwei bis drei Jahre vergehen. Aktuell heben 12 der insgesamt 82 AUA-Maschinen von Wien ab, Ende Juni sollen es 15 sein und mit 01. Juli docken die ersten Langstreckenverbindungen in die USA (New York/Newark, Washington, Chicago) sowie nach Asien (Bangkok) an. Aktuell werden etwas mehr als 30 Europa-Destinationen angeflogen, das Angebot liegt zurzeit bei rund fünf Prozent zum Vorjahr.

Am 15. Juni, dem Wiedereröffnungstag, wurden insgesamt 17 Flüge durchgeführt, die Auslastung betrug durchschnittlich 70 %, was gar nicht so schlecht ist, so Hoensbroech. „Wir wollen die Kapazitäten weiter sukzessive hochfahren, im Juli soll das Angebot um 20 und im August um 30 % wachsen. Wir fliegen aktuell einfach auf Sicht.“ Das bestätigt auch die Buchungslage, die für die nächsten drei Monate noch eher bescheiden aussieht. „Die Menschen sind noch sehr vorsichtig, jedoch ist eine Urlaubslust spürbar. Reisen ans Meer sind durchaus gefragt, worauf wir mit entsprechenden Charterverbindungen reagieren,“ sagt Hoensbroech.

Wie lange dieses „neue“ Normal in der gesamten fliegenden Leistungskette und damit an Bord von Austrian bestehen bleibt, ist nicht vorhersehbar. Vielleicht bleibt die eine oder andere Maßnahme dauerhaft, sagt Hoensbroech. Weil eben Saftety First während des gesamten Flugprozesses oberste Priorität hat. Denken wir zurück, was 9/11 im Flugbereich bewirkt hat: Viele der damals gesetzten und viel kritisierten Maßnahmen sind längst zu gelebten Selbstverständlichkeiten geworden. Ob der Mund- und Nasenschutz auch dieses Potenzial hat – wahrscheinlich nicht. Aber, und das ist Tatsache: Gerade weil der Mindestabstand von eineinhalb Metern auf Flughäfen und in Flugzeugen nicht durchgängig garantiert werden kann, ist die Maske das einzig probate und auch medizinisch belegte Mittel, um das Übertragungsrisiko zu minimieren. Halten wir uns daran, damit wir alle bald wieder befreiter fliegen können.     bc

Mehr zur Maskenpflicht und den Physical Distancing Maßnahmen von Austrian Airlines finden Sie hier! Der traveller hat auch mehr zu den Maßnahmen am Flughafen Wien zusammengefasst (zum Artikel).

(Autorin: Brigitte Charwat)

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Die aktuelle Ausgabe des traveller inklusive diesem Bericht finden Sie hier: traveller 9/2020 E-Paper

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