11.12.2021

Erster Österreichischer Sommelier-Club auf Weinreise

Der Mutter-Club aller heutigen Sommelier-Vereine Österreichs, bereits 1982 am Arlberg gegründet, besuchte vor Kurzem ausgewählte Top-Weingüter in der Wachau, im Kremstal und Kamptal.

Ein umfangreiches 5-Tages Programm wurde zur wahren Herausforderung, wurde aber der großen Erfahrung wegen eindrucksvoll mit Freude bewältigt. Vom zentral gelegenen „Loisium-Hotel“ in Langenlois, erreichte man die Weingüter in wenigen Fahrminuten, herrlich-mildes Herbstwetter war eine wunderbare Begleiterscheinung. Das SCHLOSS GOBELSBURG mit seinem Schlossherren Michael Moosbrugger war das erste Ziel dieser Weinreise. Im Innenhof standesgemäß mit einem Glas Rosé-Sekt empfangen führte der Winzer durch den Betrieb. Ein erster Höhepunkt war der sehenswerte neue Weinkeller mit allen seinen Geschichten – in beeindruckender, ruhiger Art und Weise von Michael Moosbrugger dargeboten und erklärt.

Alte Reben sind die größten Schätze im Weingarten

Über Generationen wurde im Weingut selektioniert, veredelt und vermehrt. Heute sind diese Selektionen Kulturgut, das es zu erhalten und weiterzuentwickeln gilt. Gerade diese Weingut-spezifischen Selektionen tragen zur Entwicklung eines eigenständigen Charakters bei. Die Verkostung zeigte einmal mehr das enorme Potential der Gutsweine, die von den „Tradition Weinen“ überragt wurden.  Als TRADITION HERITAGE CUÉE 3 Years, TRADITION HERITAGE 10 Years und TRADITION HERITAGE CUVÉE 50 Years. Feinheit, Finesse, Kraft, Harmonie, Ausdruckstärke und enorme Länge im Nachgeschmack waren die Worte der Beschreibung für diesen Wein. Zum Menü von Toni Mörwald schmeckten die Weine aus den 90er Jahren bestens.

Pflichtbesuch bei Bründlmayr

Nur wenige Schritte vom Hotel entfernt, war am 2. Tag das Weingut von WILLI BRÜNDLMAYER das erste Ziel. Andreas Wickhoff (Master of Wine) zeigte den modernen Riesenbetrieb in der Hauptlese, danach 24 Weine vom Schaum- bis zum Prädikatswein in gewohnt hochwertiger Qualität, wie man es von einem weltbekannten Winzer gewohnt ist. Nicht nur Grüner Veltliner und Riesling überzeugten einmal mehr, auch die Süßweine hinterließen unglaubliche Eindrücke.

HANS TOPF mit seinen Söhnen HANS-PETER und MAXIMILIAN im nahen Strass ist nicht nur ein leidenschaftlicher Winzer, hier werden große Dinge vollbracht Ob seine bekannten Sekte, seine fruchtbetonten Lagenweine oder seine Burgunder-Vielfalt, die Gaumen der Sommeliers wurden verwöhnt. Als besonderes Erlebnis zeigten sich die vier Flights mit je einem aktuellen Jahrgang im Vergleich zu enorm gereiften Rieslingen. Im sehenswerten Großflaschenkeller wurden noch einige 90er Flaschen geöffnet, wo der Chardonnay 1996 „Hasel“ als gleicher Jahrgang wie Winzersohn Maximilian besonders überzeugte.

Große Namen flussaufwärts

Einige Fahrminuten später begrüßte die Familie BODENSTEIN vom Weingut PRAGER in Weißenkirchen. Smaragde aus Grüner Veltliner und Riesling zeigten sich in Hochform wie gewohnt und vervollständigten das Tagesprogramm zur Freude aller Teilnehmer.

Am frühen Abend warteten EMMERICH KNOLL, MARTIN MITTELBACH und LEO ALZINGER mit ihren Top-Weinen, vorwiegend aus dem Jahrgang 2020. „Ried Mühlpoint“, „Loibenberg“, „Steinertal“ der Rebsorten Grüner Veltliner und Riesling in Federspiel- und Smaragd – Qualität von Leo Alzinger verwöhnten die Gaumen der Verkoster mehr denn je, dementsprechend viele Punkte wurden vergeben.

Das Weingut TEGERNSEERHOF von Martin Mittelbach mit seinen bekannten Rieden „Superin“, „Höheneck“, „Schütt“ und „Kellerberg“ der Wachauer Hauptsorten im Smaragd-Bereich sind geprägt von Fruchtdichte, Aroma, Fülle und Charakter, und gaben einem das Gefühl, in einem wahren „Wein-Himmel“ zu sein.

Die Kultweine mit ihren markanten Etiketten von Emmerich Knoll verlangten wieder umfangreiche Verkostungsnotizen. Der Grüne Veltliner 2020 „Ried Trum“ ist schon als Federspiel eine Gaumenfreude, Ried „Loibenberg“, „Kellerberg“, „Kreutles“ und „Schütt“ wahre Smaragd-Größen. Herrlich auch der Gelbe Traminer Smaragd 2018 und der Riesling Auslese 2015 vom Ried „Pfaffenberg“.

Am Ende dieser gewaltigen Verkostung der drei grandiosen Weingüter wartete noch ein „Martini-Gansl“ mit Kraut und Knödel und Apfelstrudel zur Stärkung, mit einem traditionellen „Staubigen“ dazu, im Knoll-Keller. Ein origineller Rahmen im Freundeskreis mit köstlichen Essen und hochklassigen Weinen am Ende eines ganz speziellen Tages in der Wachau.

Klasse und Herzlichkeit der Salomons

Der nächste Tag begann in Krems. Genauer gesagt im Weingut SALOMON, einem der ältesten, privaten Weingüter Österreichs. Ein kurzer Ausflug in die Weinberge oberhalb von Krems zeigte einmal mehr die bildhafte Weinlandschaft der Gegend bis hin nach Göttweig.

In den altehrwürdigen Gewölberäumen wartete eine sehr interessante Verkostung – ein aktueller Jahrgang neben einem Blindwein, bei dem je nach Flight Jahrgang, Riede, Gebiet und Rebsorte gefragt war.

Der Vergleich vom Weingut SALOMON and ANDREW in Neuseeland mit dem Pinot Noir „Bannock Burn“ 2014 zum Pinot Noir 1er Cru 2015 von DROHIN überraschte sehr.

Als große Weine zeigten sich aus FINNIS RIVER der Shiraz Sea Eagle Vineyard 2017 aus der Normalflasche und 2010 aus der Magnum. Das grandiose Finale kam mit drei wahren „Bomben“ in die Gläser – Alttus Shiraz 2013, als Blindwein Grange 2013 und Alttus Shiraz 2003 aus der Magnum.

Große Weine, die im wahrsten Sinne des Wortes entschärft werden mussten, aber unserem österreichischen Nationalfeiertag mehr als gerecht wurden. Hohe und höchste Bewertungen waren die Folge.

Am Fuße Göttweigs

Auf der anderen Seite der Donau warteten GERALD und MICHAEL MALAT in Furth und unterbrachen ihre intensive Lesearbeit kurz, um Spitzenweine zu präsentieren – 9 Flights aktueller Jahrgang, gereifter Jahrgang vom Sekt über Grüner Veltliner, Riesling, Chardonnay, Pinot Gris bis zu Pinot Noir und Cabernet Sauvignon forderten die Gaumen und bereiteten große Freude. Die umfangreichen Informationen von Gerald Malat können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Eine delikate Jause mit Blick auf das herbstliche Stift Göttweig vervollständigten die vielen so positiven Eindrücke.

Noch ein Höhepunkt an diesem Nationalfeiertag war das WEINGUT der STADT KREMS. „Goosy“ Gansberger erzählte über die lange Historie des Weingutes, führte durch den Betrieb und brachte trinkfreudige, gehaltvolle Weißweine vom Gebietswein bis zum Riedenwein in die Gläser – die Verkostung spielte wieder „alle Stückerl“!

Die Überraschung zum Tagesabschluss fand im „Kellerstöckl in der Ried Silberbichl“ unterhalb dem beleuchtenden Göttweig statt. In der gemütlichen, heimeligen Weingartenhütte wurde man mit knusprigem Backhendl, Erdäpfel- und Vogerlsalat und Mohnstrudel verwöhnt. Dazu stellte die charmante INGRID GROISS aus Breitenweida ihre Grünen Veltliner 2016 „Sauberg“ und Grüner Veltliner 2015 „Sauberg Tradition“ vor. Delikate Weine zum Abschluss eines lagen Weintages.

Wachau pur und Hirzberger-Audienz

Der nächste Tag war ausschließlich der Wachau gewidmet. Mit dem kleinen, relativ jungen Weingut GRABENWERKSTATT von Michael Linke und Franz Hofbauer im Spitzer Graben lernte man einen Betrieb kennen, in dem noch pures Handwerk zählt. Die kleinklimatischen Voraussetzungen und ein klassischer Bergweinbau ergeben authentische Weine von besonderer Qualität aus den Rebsorten Grüner Veltliner und Riesling als DAC Ortswein und DAC Riedenwein.

Die „WEINHOFMEISTEREI“ von Hanna und Mathias Hirzberger in Wösendorf konfrontiertt uns wieder mit vielen neuen Erfahrungen. Schön anzuschauen, die angrenzenden Weingärten und das moderne, junge Weingut, köstlich die frisch gelesenen Rieslingtrauben.

Ob „Stab“, „Treu“, „Greif“, „Zier“, „Spitaler“, „Kollmütz“, „Bach“ oder „Kollmitz“ – die Verkostung dieser Orts- und Riedenweine in Steinfeder, Federspiel und Smaragd-Bereich zeigte grandiose Weine von Format, die dementsprechend bewertet wurden. Die berühmten „Wachauer-Laberl“ zur Jause danach verdienen sich ebenfalls Erwähnung, sie machen nämlich süchtig.

Fast um die Ecke, in Laaben, am Beginn des Spitzer Grabens produziert eine weitere Winzerpersönlichkeit authentische, sortentypische, charaktervolle Weine – JOHANN DONABAUM. Die Federspiele und Smaragde aus Grüner Veltliner und Riesling der Jahrgänge 2017, 2018, 2019, 2020 sprachen ihre eigene Sprache der Harmonie, Frische, Finesse und hoher Qualität – 19 Weine von echten Gaumenfreuden.

Ohne bei FRANZ HIRZBERGER gewesen zu sein verlässt man die Wachau nicht. Nach einigen Schritten mit dem jungen Franz in die berühmte Ried „Singerriedel“ zeigte sich die Wachau im bunten Kleid der Herbstfärbung von ihrer schönsten Seite. Viel Information im Weingarten und über den Neubau endeten im Verkostungsraum, wo nur noch Flaschen mit den goldenen Etiketten geöffnet wurden. Verschiedene Jahrgänge vom „Roten Tor“, über „Steinterrassen“, „Kirchweg“, „Honifogl“, „Steinborz“, „Hochrain“ bis zu „Singerriedel“ aus Grünem Veltliner, Riesling, Neuburger und Weissburgunder, fast ausschließlich als Smaragde, waren Höhepunkte von ganz seltener Art und erreichten Legenden-Status. Franz sen. und jun. sind stolz auf ihr Werk und wir freuten uns, solche „Wein-Giganten“ verkosten zu dürfen.

Exklusiv geöffnet für diesen Abend hatte das Restaurant vom WEINGUT JAMEK in Joching. Die freundliche Familie Jamek begrüßte mit erfrischenden Sekt, auch Hans Altmann ließ es sich nicht nehmen, seine langjährigen Freunde wieder einmal zu sehen. Auf einladend-exklusiv gedeckter Tafel wurde ein geschmackvolles 4-Gang Menü mit den Gutsweinen serviert. Zum Gänseleber Parfait mit zweierlei Sellerie, Himbeergel und Brioche war der Riesling Smaragd 2017 „Freiheit“ ein wunderbarer Begleiter. Auch die Cremesuppe vom Hokkaidokürbis mit knusprigem Kürbiskernknödel hatte mit dem Grünen Veltliner Federspiel 2020 „Ried Achleiten“ eine sehr hochwertige flüssige Ergänzung. Zum gebratenen Zanderfilet mit Kürbisgemüse und Steinpilz-Erdäpfelroulade überzeugte der Riesling „Ried Klaus“ Smaragd 2016 wie kein anderer Wein, die Riesling Beerenauslese „Ried Klaus“ 2017 zum weißen Schokoladen-Mohn-Mousse versetzte die Gaumen in Verzückung.

Hochamt bei F. X. Pichler als Abschluss

Der fünfte und letzte Tag begann im WEINGUT F. X. PICHLER in Oberloiben. Lukas F. Pichler führte im Panorama-Verkostungsraum mit animierendem Blick auf die legendären Lagen der unteren Wachau, durch eine Verkostung von ausgewählten Weinen von ganz besonderer Qualität. Mit Grünem Veltliner 2020 „Klostersatz“ zu Beginn und Riesling 2009 „Unendlich“ am Ende. Auch die zwei Qualitätssysteme des Gebietes mit DAC und Vinea Wachau mit Steinfeder, Federspiel und Smaragd erklärte Lukas Pichler mit klaren Worten, dadurch sehr gut verständlich.
Ein kurzer Spaziergang durch die Weingärten endete im Ort beim WEINGUT PICHLER-KRUTZLER mit der Begrüßung von Erich Krutzler, dem aus dem Südurgenland stammenden Winzer. Vier Grüne Veltliner und fünf Rieslinge, die durchwegs großen Spaß machten, später, wurden noch die kunstvoll gemalten Bilder von Schwiegervater F. X. Pichler bestaunt.

Heuriger als letztes Ziel

Das letzte Ziel in der Wachau war „PULKERS HEURIGER“ in Rührsdorf am linken Donauufer zur Stärkung vor dem Heimweg nach Vorarlberg. Das herrlich milde Herbstwetter ermöglichte die Jause im Weingarten mit allem, was die große Speisekarte bietet, mit dem besonderen Klassiker, dem „weltbesten Schweinsbraten“. Dazu Riesling „Ried Loibenberg“ 2017, Champagner, Haut Marbuzet 2000 und auf besonderer Einladung von Peter Morandell – Chateau Clinet 2008. In der Gemütlichkeit unter Freunden stellte auch Jungwinzer PETER MANDL sein kleines, feines Weingut mit fünf Weinen vor – großer Applaus für bemerkenswerte Qualitäten.
Schon bei untergehender Sonne, nach fünf Tagen herbstlichen Schönwetters setzte Super-Chauffeur SEPP BAUER seinen Luxusbus in Bewegung, um gegen Mitternacht wieder zurück im Ländle zu sein.

Willi Hirsch                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             

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