07.04.2021

Es bewegt sich was

Oberösterreichs Agrarlandesrat Max Hiegelsberger stattet der Krankenhausküche in Grieskirchen einen Besuch ab. Thema: Regionaler Einkauf und höhere Verpflegssätze.

Im Herbst letzten Jahres wurde bei einem Roundtable-Gespräch von HGV PRAXIS in Linz ein spannendes Thema angestoßen. Es ging um Transparenz und Anpassung der Verpflegssätze, die die öffentliche Hand ihren Küchen für die Verpflegung ihrer Essensteilnehmer erstattet. Ehrengast bei diesem Treffen in Linz war der oberösterreichische Agrarlandesrat Max Hiegelsberger, dem – als ressortzuständigen Politiker – naturgemäß das Wohlergehen der Bauern am Herzen liegt. Und dazu zählt auch der Einkauf von Großküchen und Großverbrauchern bei regionalen Anbietern wie der heimischen Landwirtschaft.

Eine etwas verdutzte Miene setzte Hiegelsberger bei dem Punkt auf, als es um die Vergütung der Tagessätze für Patienten von Krankenhäusern bzw. Bewohnern von Alten-, Pflege und Seniorenheimen ging. Als die anwesenden Küchenleiter berichteten, mit 3,60 Euro das Auslangen finden zu müssen, gab es nur noch ungläubiges Kopfschütteln. Diese Summe erhält ein Küchenleiter für die Verpflegung eines Essensteilnehmers – pro Tag wohlgemerkt. Das bedeutet: Frühstück, Mittag- und Abendessen und im Falle eines Seniorenheimes steht nachmittags oft noch eine kleine Kuchenjause auf dem Programm. Mit dem Verpflegungstagsatz von 3,60 Euro muss der Küchenleiter also einen ganzen Tag den Wareneinsatz für einen Bewohner bestreiten. Wer etwas vom Rechnen und ein wenig davon versteht, was im Lebensmittelhandel wie viel kostet, kann sich schnell ausmalen, dass sich das nur schwer ausgehen kann.

Stippvisite im Klinikum Grieskirchen

Umso mehr versprach Landespolitiker Hiegelsberger diesbezüglich am Ball zu bleiben und die Sache in Richtung höhere Verpflegungstagessätze voranzutreiben. Denn – so das Kalkül des Landesrats – gibt es ein höheres Budget für den Wareneinsatz in den Großküchen, fällt auch der regionale Einkauf leichter.

Bei einem Betriebsbesuch im Klinikum Grieskirchen, den Hiegelsberger unter Begleitung von NR-Abgeordneten Laurenz Pöttinger im März absolvierte, überzeugte sich die Delegation von den Qualitätsbemühungen in der dortigen Großküche. Küchenleiter Johannes Zeininger begrüßte die Delegation und verwies auf die praktischen Gegebenheiten: „Wir verfügen bei unserem gesamten Einkaufsvolumen bereits jetzt über einen Anteil an regionalen Produkten in der Höhe von 60 Prozent. Mehr ist unter diesen Budgetbedingungen nicht zu schaffen“, so Zeininger gegenüber HGV PRAXIS. Der Küchenleiter kocht täglich ca. 450 Mittagessen, wobei Lebensmittel aus regionaler Herkunft aus ganz Österreich stammen können, es aber meist nicht tun. „Weil wir wirklich sehr viel direkt von unseren Bauern hier rund um das Klinikum beziehen“, verdeutlicht Zeininger. Die Produkte, die vom C+C-Großhandel geliefert werden, zählen nicht dazu. Bei einem Verpflegungstagsatz von rund vier Euro würde Zeininger zumindest eine Erhöhung auf fünf Euro benötigen, um noch mehr bei heimischen Bauern einkaufen zu können.

Genau dafür wolle sich Hiegelsberger so schnell wie möglich bei seinen Regierungsmitgliedern einsetzen, beteuerte der Politiker. Wenn man bedenkt, dass sogar beim Österreichischen Bundesheer der Tagsatz auf fünf Euro angehoben wurde, wäre eine Erhöhung im Gesundheitssektor nur recht und billig. Immerhin scheint etwas Bewegungen in die Sache gekommen zu sein. Auch HGV PRAXIS wird als Initiator dieser Diskussion hartnäckig an diesem Thema dranbleiben.

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