09.02.2019

„Es geht nicht um effizientes Abfüttern“

Interview mit dem deutschen Business-Caterer Martin Frühauf, der beim 9. GV-Symposium (12. März in Wien) von HGV PRAXIS sprechen wird.

Herr Frühauf, Sie betreiben 13 Betriebsrestaurants von Hamburg bis Südbayern. Sie gewinnen Ihre Kunden meistens über Ausschreibungsverfahren. Was machen Sie anders im Vergleich zu anderen Caterern?

Frühauf: Nun, ich gehe davon aus, dass die Entscheider wissen, was sie wollen, und beurteilen können, welcher Dienstleister dem entspricht. Frühauf Genuss steht prinzipiell für gehobene Business Restaurants – mit der entsprechenden Frische, Qualität, Auswahl und Abwechslung. Und wir stehen für klare Werte: Wir sind Gastgeber aus Leidenschaft, wir bemühen uns um langfristige konstruktive Zusammenarbeit.

In den allermeisten Fällen – zumindest in Österreich ist das so – ist der Preis pro Essen oder der Zuschuss pro Mahlzeit für den Arbeitgeber der entscheidende Punkt über das Wohl und Wehe der Betriebsverpflegung. Nun lassen Sie den Preis explizit außen vor bei Verhandlungen. Wie gelingt es Ihnen dennoch zu reüssieren?

Frühauf: Natürlich müssen auch wir kalkulieren, aber wie gesagt: Wir stehen für ein bestimmtes Niveau, hier geht es weniger preissensibel zu. Es zählen andere Faktoren: Viele Unternehmen haben erkannt, dass es nicht um möglichst effizientes „Abfüttern“ geht. Sie haben verstanden, was Recreation Management bewirken kann – mit erheblichen Effekten auf das ganze Unternehmen. Sie wissen um den Nutzen eines Ortes, der als geschützter sozialer Raum für Erholung, Lebensqualität und gute Laune sorgt, um den Wert eines „Wohnzimmers“, in dem sich die Mitarbeiter offen und entspannt begegnen können. Der Wert besteht darin, dass sich die Menschen wohlfühlen, sich identifizieren können. Sie tauschen sich aus, sie entdecken neue Perspektiven, sie schaffen die Basis für neue Ideen. Und das ist in Zeiten von Wissensgesellschaft und Innovationswettbewerb essentiell! Mit unseren Business Restaurants schaffen wir solche Räume – und natürlich setzt das einiges voraus: gutes Essen, angenehmes Ambiente, ein Service, das den Namen verdient. Außerdem: Abwechslung, Vielfalt, Erlebnisse! Es braucht eine Atmosphäre, die rundum positiv besetzt ist, eine Wohlfühl-Atmosphäre, auf die sich die Menschen Tag für Tag freuen. Das gibt es nicht umsonst. Aber weil die Entscheider wissen, wie viel das bringt, stehen die Preisüberlegungen in einem anderen Zusammenhang: Es geht nicht um möglichst geringe Kosten. Es geht um effektive Investitionen in die Zukunft, es geht – ganz rational, aber mit erfreulichen sozialen Begleiterscheinungen – um Einsatz und Rendite!

Bei Ihrem neuesten Projekt in München, einem Businesspark, wollen Sie Kalbsbries, Gänsestopfleber und frische Austern ins Angebot aufnehmen. Wie rechnen Sie?

Frühauf: Es gibt nun mal unterschiedliche Gästekreise – wenn bestimmte Kunden bestimmte Spezialitäten wollen – warum denn nicht?! Als gute Gastgeber gehen wir auf die Gäste ein, das ist doch selbstverständlich! Deshalb sprechen wir sie ja auch direkt an und holen uns Feedback – und was wir da erfahren, setzen wir auch um, sonst wär’s doch für die Katz! Völlig klar: Austern sind etwas anderes als Pommes frites. Aber den einen sind die Austern eben etwas wert – und den Verantwortlichen ist es ebenfalls etwas wert, dass die Mitarbeiter zufrieden sind. Darum geht es doch: keine isolierte Kostenbetrachtung, sondern eine Input-/Output-Analyse …  Schauen Sie sich doch die ganz Großen an, Google, Facebook, was da geboten wird, weit über die Verpflegung hinaus – das ist ja teilweise unfassbar. Die denken viel weiter – und der Erfolg gibt ihnen Recht.

Info und Anmeldung zum 9. GV-Symposium: e.santos(at)manstein.at

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