17.02.2021

Es geht nicht ums Gewinnen!

Wir messen uns ja gerne mit und am Lieblingsnachbarn, auch jetzt in dieser größten Gesundheitskrise rittern wir um den kleinen Vorsprung, der aber gar nicht so nebensächlich ist. Denn im „Nasenbohren“ laufen wir Ösis gerade zur weltmeisterschaftlichen Höchstform auf und hängen den großen deutschen Bruder im Test-Wettstreit grad ordentlich ab. Ein Kommentar von Brigitte Charwat.

Wer mehr testet, findet auch mehr positive Fälle, eine einfache wie zielführende Logik, die auch die hohe Politik hinter dem rotweißroten Schlagbaum erkennen sollte. Gut, im Fußball sind wir Ösis ja nicht wirklich die Burner und haben gerade gegen die lieben Deutschen selten bis kaum ein Leiberl – argentinische Sternstunden passieren leider auch nicht alle Tage. Dafür sind wir im Skifahren – jetzt wieder – eine Klasse für sich, peilen was die „Nasenstaberl-WM“ betrifft, gerade eine Top-Platzierung an und „hauen“ damit dem großen deutschen Bruder die Corona-Kugel rein.

Weil, was sind schon ein paar Knödeln im Ballestern gegen zigtausende Nasenreiberl, die uns am Weg zurück in ein normales Leben ziemlich glücklich machen? In dem wir Ösis dann am grünen Rasen den deutschen Meisterkickern das Fetzenlaberl ganz in Echt hoffentlich erfolgreich um die Ohren hauen können! 

Wir sind Weltmeister

Zugegeben, diese Wahrscheinlichkeit ist gering, aber hin und wieder treffen bekanntlich auch „blinde“ Hühner ins Netz und lassen dann eine ganze Nation über Generationen so richtig „narrisch“ werden. Bis es aber so weit ist – irgendwann im nächsten Leben – sind WIR im kleinen Österreich die Weltmeister und laufen mit den Zyprioten und Dänen zur Test-Höchstform auf. Mit fast 11.000 Tests auf 100.000 Einwohner (im Zeitraum 01. – 07.02.) liegt das kleine Alpenvolk nämlich weit vor dem großen deutschen Bruder, der es im gleichen Zeitraum nur auf magere 1.350 Testungen/100.000 Einwohner brachte und damit im europäischen Ländervergleich unter ferner liefen rangiert.

Ging’s hier ums runde Leder, würde die deutsche Volksseele dem Teamchef ordentlich zürnen und der Fußballhut gewaltig brennen, so aber geht’s „nur“ ums wirtschaftliche und gesellschaftliche Überleben dieser weltgrößten Gesundheitskrise, die aber längst einem politischen Ringkampf gleicht. Bei dem sich die Kräfte über alle Landesgrenzen hinweg einen Uppercut nach dem anderen verpassen und dabei immer mehr auf die vergessen, die hinter den Seilen sitzend nur darauf warten, dass dieses infantile Gehabe ein Ende hat. Weil man nämlich nur back to normal möchte, was sowieso ein schönes Stück Arbeit und alles andere als ein Spaziergang werden wird.

Warum also diese Resistenz gegen Massentestungen und das konsequente Beharren von „Mutti“ auf einem immer niedrigeren Inzidenzfaktor, der im Übrigen bereits von renommierten Wissenschaftlern nicht mehr als alleiniges Maß aller Dinge angesehen wird? Denn was gestern – zu Beginn der Krise – galt, muss dem Pandemie-Verlauf folgend nicht mehr zwingend passend sein. Klar, Vorsicht bleibt weiter das Gebot der Stunde, auch in Österreich, was ja auch die hohe Testbereitschaft beweist. Wir Ösis testen uns von Eisenstadt bis Bregenz für eine frische Dauerwelle, ein neues Nageldesign, natürlich fürs Kaffeekränzchen bei Oma und Opa und würden uns auch für den Beislbesuch, fürs Wiener Schnitzerl beim Lieblingswirt, fürs Viertel beim Heurigen und mit großer Freude für den Urlaub in Nah oder Fern ins Näschen fahren. 

Das Aussitzen dieser Krise bis zum allerletzten Coronafall wird keine Wirtschaft, auch die deutsche nicht, verkraften, gerade nicht im Tourismus. Wie Österreichs Tourismuswirtschaft den deutschen Gast braucht, kann sich auch das deutsche Incoming nicht leisten, auf den zwar kleinen, aber sehr verlässlichen und über die letzten Jahre konsequent wachsenden österreichischen Quellmarkt zu verzichten. 

Wer mehr Tore schießt, gewinnt das Match. Was im Fußball gilt, hat in diesem Match keine Gültigkeit, denn hier geht’s nicht ums Gewinnen, sondern nur ums wirtschaftliche und gesellschaftliche Überleben. Und das geht am besten gemeinsam!

b.charwat(at)manstein.at

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