22.11.2021

„Es ist schlimmer als 2020“

Walter Veit, ÖHV-Vize und Hotelier in Obertauern, lässt kein gutes Haar an der Politik und zeichnet ein desaströses Bild für die Hotellerie bis über Weihnachten hinaus.

„Das Schlimmste ist“, so Walter Veit im Gespräch mit Stammgast.Online, „dass wir bereits jetzt, während dem ersten Tag im Lockdown, von der Politik schon wieder angelogen werden. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass die Tourismusbetriebe am 13. Dezember wieder aufsperren dürfen? Wenn man die Infektionskurven von heuer über jene von 2020 legt, kann jeder ablesen, dass sich das mit den Lockerungen bis Weihnachten nicht mehr ausgehen wird. Und die Politik lässt uns gleich blöd sterben wie im letzten Jahr, obwohl sie es besser wissen müsste“, macht sich der Interessensvertreter und Hotelier im Interview mit Stammgast.Online Luft. Dabei wäre die Stimmung auf dem Urlaubssektor gar nicht so schlecht. Veit: „Unsere Gäste rufen permanent an und versichern uns, dass sie kommen wollen, auch über die Feiertage, aber wenn sie uns fragen, ab wann sie kommen können, müssen wir antworten ,wir wissen es nicht‘.

Voller Lohnkostenersatz gefordert

Veit fordert daher einen 100-prozentigen Lohnkostenersatz ab dem ersten (Lockdown-)Tag für die Betriebe. „Weil wir es uns schlicht und ergreifend nicht mehr leisten können. Woher soll das Geld für die Löhne kommen, wenn wir keine Gäste beherbergen dürfen? Die Politik beschwichtigt zwar in Richtung, es gehe mit den Kurzarbeitsmodalitäten in gleicher Form weiter, aber das stimmt nicht. Ab 1. 1. 2022 sind vom Arbeitgeber 20 Prozent mehr Selbstbehalt beim Kurzarbeitsgeld zu entrichten“, betont Veit.

Mitarbeiter als größtes Problem

Die aktuelle Situation in den Betrieben diagnostiziert Veit „schlimmer als 2020“. „Jeder Betrieb hat volle Warenlager“, sagt er zerknirscht, „und die Großhändler werden uns das nicht zurücknehmen, weil sie selber volle Lager haben.“ Das bedeutet eine enorme Herausforderung für die Betriebe, vor allem Frischware so gut es geht zu verarbeiten. „Oder“, wie Veit betont, „wir schenken wieder alles her so wie im letzten Jahr.“

Die größte Problematik sieht Walter Veit aber auf dem Arbeitsmarkt heraufziehen. „Ich selbst habe seit letztem Donnerstag (18. 11.) 25 Mitarbeiter angemeldet und jetzt haben wir keine Gäste. Ein Kollege aus Obergurgl hat 60 Mitarbeiter auf der Lohnliste. Das Problem ist, wir müssen die Mitarbeiter unbedingt in der Branche halten, sonst sind sie für den Tourismus verloren. Sie gehen in die Schweiz oder wechseln die Branche, das wäre ein nachhaltiges Desaster für die gesamte Branche.“

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