16.10.2020

"Es wird ein leiserer Winter werden"

Der steirische Wintertourismus soll in der von Corona überschatteten Saison 2020/21 ruhiger und ursprünglicher ablaufen. "Es wird sicher ein leiserer Winter werden, weniger Party, mehr Gastronomie und Genuss. Die Reiselust ist jedenfalls da", ist sich Tourismus-Geschäftsführer Erich Neuhold sicher.

Die steirische Tourismuslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) sieht die Betriebe jedenfalls auf die kommende Saison vorbereitet: "Im Sommer haben die Seilbahnen schon geübt, wie mit Auflagen der Winter stattfinden kann." Sie sagte in Graz bei der Präsentation der Vorhaben, dass man beim Aufkommen des Themas Corona im März die Entwicklung noch nicht abschätzen konnte: "Wir konnten uns einen Lockdown von Gastro bis Airport nicht vorstellen. Es war ein extrem hartes Jahr." Dennoch habe man im Juli und im August 2 bzw. 4 Prozent Steigerung gegenüber dem Vorjahr bei den Nächtigungen erzielt. Auch Ausflugsziele seien gut nachgefragt gewesen, die Tierparks Mautern und Herberstein werden zu Jahresende ein Rekordjahr an Besuchern vermelden, so die Landesrätin.

Eibinger-Miedl berichtet erfreut, dass viele Unternehmen investierten, es habe dazu auch unter anderem rund 6 Mio. Euro aus dem Landeshaushalt für touristische Sonderinvestitionen gegeben. Mit der Aktion "Hochweiß" fördere man kleinere Skigebiete, die könnten heuer punkten, nach dem Motto weniger Menschen und viele Schlepp- und Sessellifte "an freier Luft".

Steiermark-Tourismus-Chef Erich Neuhold sagte, mit Maßnahmen wie Mundnasenschutz, Abstandhalten und verschärfter Hygiene sei man gut durch die Krise gekommen. "Onlinereservierungen für Tickets für Therme und Skilift gehören nun zum Alltag. Und raus in die freie Natur ist das Beste."

Vielfältige Winterangebote

Der Tourismus werde in der kommenden Saison - auf den Bergen hat es bereits kräftig geschneit - ruhiger ablaufen als gewohnt. Angebote würden vom Schneeschuhwandern im Norden des Landes bis zum Spazieren in den Weinbergen reichen. "Schneeschuhwandern mit Kulinarik, auf der Häuslalm im Hochschwabgebiet und in Untertal bei Schladming, dazu Rodelspaß auf der Aflenzer Bürgeralm, mit einer Stärkung mit Kaiserschmarrn oben auf der Alm und dann unten nach der Rodelpartie", sagte Neuhold, der in diesem Zusammenhang auch auf das Schneeschuhwanderfestival Murau-Murtal verwies.

Auf das Stichwort "ruhig" reagierte auch der Grazer Tourismus-Chef Dieter Hardt-Stremayr, der kürzlich mit der Stadtspitze das Konzept der Adventmärkte ohne Punschstände vorgestellt hatte: "Es wird ein gemütlicher, langsamer, leiser, besinnlicher Advent, wonach wir uns sehnen und woran wir uns erinnern. Punschstände haben ja quasi auf den Christkindlmärkten die Strohsternstände querfinanziert. Ich denke, es wird am Abend anderes Publikum in die City kommen." Hardt-Stremayr schätzte, dass man auch einige Teile des Grazer Advents nicht mehr so rückbauen werde - "beschaulich ist das Zukunftskonzept". Um Massenansammlungen zu vermeiden, gebe es eine Offensive für Wintergastgärten der Gastronomie.

Betriebe sind sich der Verantwortung bewusst

Der Sprecher der Seilbahnwirtschaft, Fabrice Giradoni, meinte, dass vor allem die Initiative "Hochweiß" des Landes den kleinen Betrieben helfe, sich zukunftssicher aufzustellen. Im Sommer habe man gelernt, wie wichtig die Kooperation der Gäste in Beziehung auf Abstand, Hygiene und Masken sei. 85 Prozent der Aufstiegshilfen sind offene Bahnen, und in der Steiermark fahre keine Kabinenbahn länger als 15 Minuten. Man peile höchstmögliche Förderleistung an, um Schlangenbildung zu verhindern.

Gernot Deutsch, Obmann des Thermen- und Vulkanlandes, versicherte, dass man Empfohlenes mehr als umsetze. "Es ist wie früher ein Spruch beim Bundesheer - alles was sich bewegt, wird gegrüßt. Alles, was sich nicht bewegt, wird desinfiziert." Reserviert kann online alles werden - von Liege über Massage bis zum Essen. In den Hotels mit Therme gebe es eine Beschränkung der Zahl der Tagesgäste. Erlebt habe man Gästekonflikte, von extremen Maskenverweigerern bis extremen Befürworter. "Wir sagen, nach der Hausordnung muss man sich richten, die ist zum Schutz der Gäste, Mitarbeiter und Lieferanten da."

(APA/Red)

 

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