14.02.2022

Essensfeuerwehr

In Willys Gastro-Wochenrückblick geht‘s um ein eher heikles, jedoch durchaus aktuelles Thema – das Kochenlassen in der Gastronomie.

Aus der Tugend eine Not machen. Aha, der sprichwörtliche Umkehrschwung scheint also derzeit das große Credo der heimischen Gastronomie zu sein. Vor allem im urbanen Raum, wohlgemerkt. Ist doch die klassische Landhausküche weitgehend davon ausgenommen. Die Dorfwirten verwenden zwar auch in hohem Maße industrielle Convenience-Produkte und kochen immer weniger selbst, aber richtiges Zusammenmischen und gekonntes Aufwärmen kann sehr wohl zu so etwas wie Kochkunst mutieren. Zumindest zu sowas Ähnlichem.

Die Stadtgastronomie hat jedoch diesbezüglich zusätzliche Vorteile, nämlich dahingehend, dass die Köche, die aus Kostengründen nur mehr angelernte Küchenhilfen sind, überhaupt nichts mehr selber kochen müssen. Denn sie können ruhigen Gewissens auf die Essensfeuerwehr zurückgreifen. Essensfeuerwehr? Ja, findige Unternehmen haben vor Jahren bereits erkannt, dass zum Beispiel Großküchen in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Universitäten und so weiter betriebswirtschaftlich wesentlich günstiger fahren, wenn sie nicht mehr selbst kochen, sondern kochen lassen. Einfach die benötigten Portionen aus dem Tiefkühler nehmen, im Konvektor auftauen und verteilen. Einfacher gehts nicht.

Wahrscheinlich war ein Wirt einmal selber im Spital, hat sich am Essen erfreut, sich das System erklären lassen und die Konsequenz daraus gezogen. Das probier ich jetzt auch für meine Gäste, dachte er sich. Gesagt, getan. Man erzählte es sich unter Kollegen weiter und sukzessive riefen immer mehr Wirte immer öfter den Essensfeuerwehr-Notruf. So geschah es also, dass etliche Unternehmen ihr Portfolio erweiterten und – quasi stellvertretend für viele Küchenbeauftragte – den Wareneinkauf erledigten, die Rezepte entwickelten, kochten, brieten und garten. Das jeweilige Gastrounternehmen brauchte also nur mehr in den Tiefkühler greifen, aufzutauen, eventuell zu pimpen und dem Gast zu servieren. Selbstverständlich als Kreation des Hauses.

Und ja, im Endeffekt ist es völlig egal, ob die Gäste von der Essensfeuerwehr erfahren oder nicht. Hauptsache, es schmeckt. Denn mittlerweile sind die wahren Kochprofis eben dort daheim. Oder wie sehen Sie das?

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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