11.05.2020

Europa will Urlaube ermöglichen

Positive Entwicklung bei unserem Nachbarn: Der Tourismusbeauftragte der deutschen Regierung, Thomas Bareiß, will den Deutschen Urlaub in Europa möglich machen. Gespräche über die Zukunft des Reisens laufen auch auf EU-Ebene, außerdem werden allgemeine Hygiene- und Reisestandards diskutiert. UPDATE VOM 12.5.2020

Gemeinsam mit den europäischen Kollegen entwickle man Reise- und Sicherheitskonzepte. Er hoffe auf eine schrittweise Grenzöffnung, "so dass wir dann im Sommer Urlaub machen - nicht nur in Deutschland, sondern dass Urlaub auch in Europa möglich ist", so Bareiß. Derzeit führe er etwa Gespräche mit den Tourismusministern Italiens und Griechenlands.

Wenn Hotels coronabedingt nicht alle Urlauber aufnehmen können, sollten Frühbucher und Stammgäste bevorzugt behandelt werden. „Vor Ort muss geschaut werden, welche Gäste wirklich längerfristig gebucht haben“, sagte Bareiß im RTL/ntv-"Frühstart" am Montag. Bisher seien die Hotels aber nur zu 70 oder 80 Prozent ausgebucht.

Gesamteuropäische Lösung erwünscht

Auch Österreich verhandelt über die Öffnung der Grenzen nach Deutschland und in Südtirol bereiten sich die Hotels auf deutsche Touristen vor. In Brüssel werden Pläne geschmiedet, wie europäischer Urlaub in diesen Zeiten gelingen kann. Die EU-Kommission will an diesem Mittwoch Empfehlungen für die schwer von der Pandemie getroffene Tourismusbranche vorlegen.

Die Sozialdemokraten im Europaparlament legen schon vorher einen Vorschlag zur Rettung des Sommerurlaubs vor: ein EU-weit einheitliches Hygienezertifikat für Hotels und Resorts. „Wenn wir in den Urlaub fliegen oder fahren, wollen wir sicher sein, dass das gebuchte Hotel Maßnahmen zum Schutz vor Infektion getroffen hat“, sagte der Vize-Fraktionschef der Sozialdemokraten Ismael Ertug. „Menschen, die bereit sind, in den Urlaub zu fahren, werden nach einer Orientierung schauen, wie das Infektionsrisiko minimiert werden kann. Solche gemeinsamen Schutzstandards sollten durch ein Europäisches Tourismuszertifikat sichtbar sein.“

Zertifikat soll europaweite Hygienestandards festlegen

Die Hotels sollen nach dem Vorschlag auf etliche Aspekte geprüft werden: unter anderem ausreichende Möglichkeiten zur Desinfektion und Reinigung, das Einhalten von physischer Distanz, das Fiebermessen neuer Gäste, mehrsprachige Informationen etwa per App sowie Lebensmittelhygiene während der Mahlzeiten.

Buffets könne es zwar geben, aber die Ausgabe der Speisen dürfe nur durch das Personal erfolgen. Um Personal für zusätzliche Aufgaben zu gewinnen, sollten andere Tätigkeiten weiter automatisiert werden - etwa das Geschirrwaschen oder die Müllentsorgung. Viele Punkte entsprechen somit den Maßnahmen in Österreich zur Gastroöffnung.

Gutscheine für Reiseausfälle in Diskussion

Zudem dringen die Sozialdemokraten im EU-Parlament auf einen europäischen Reisegarantiefonds. Dieser solle Gutscheine, die für ausgefallene Flüge und Pauschalreisen ausgestellt werden, gegen die Insolvenz der Unternehmen absichern. Nach EU-Recht müssen Pauschalreisen und Flugtickets eigentlich zeitnah erstattet werden. 

EU-Verkehrskommissarin Adina Valean wiederum bekräftigte einmal mehr ihre Position: Passagiere sollen das Recht auf Erstattung haben, wenn sie keinen Gutschein möchten. Die EU-Staaten könnten aber Gutscheine für Verbraucher attraktiver machen.

Für den Fall, dass die EU-Staaten sich nicht auf einheitliche Reise-Regeln einigen können, hat Griechenland nach Regierungsangaben Kontakte mit Israel, Zypern, Österreich, Australien, Bulgarien und anderen Staaten aufgenommen. Ziel ist es, auf bilateraler Ebene Regeln für Reisen auszuhandeln, damit der Fremdenverkehr wieder starten kann. „Die freie Bewegung ist eine der Grundlagen der EU und kann nicht länger ignoriert werden“, sagte Regierungssprecher Stelios Petsas in Athen. 

(APA/Red)

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