06.11.2020

Existenzen sichern

Bei den Branchenvertretern freut man sich, dass der Umsatzersatz Betriebe über den November-Lockdown rettet. Gefordert wird aber noch eine Hilfe für Zulieferbetriebe und die rasche Umsetzung des Fixkostenzuschusses 2.

Der zweite Lockdown hätte ohne weitere Unterstützungsleistungen zu einem finanziellen Totalausfall geführt. Die Umsetzung eines raschen und unbürokratischen Umsatzzuschusses und die Anpassung der Kurzarbeit bereits in der ersten Novemberwoche ist daher der richtige Schritt. 

Erfreut zeigt sich Mario Pulker, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der WKÖ, darüber, dass der Umsatz aus Liefer- und Abholservices bei dem Zuschuss nicht gegengerechnet wird: „Das war uns besonders wichtig, denn viele Menschen und auch Betriebe sind gerade im Lockdown darauf angewiesen, dass unsere Gastronominnen und Gastronomen sie mit frisch gekochtem Essen versorgen.“ Susanne Kraus-Winkler (Obfrau Fachgruppe Hotellerie in der WKÖ) begrüßt auch die Erst-Information des Finanzministeriums, wonach in der Hotellerie Umsätze aus erlaubten Nächtigungen nicht angerechnet werden.

Dass die Hilfsmaßnahme an einen Kündigungsverzicht gebunden ist, ist für beide Branchenvertreter nachvollziehbar, höchst problematisch sehen sie aber das Timing. „So unglaublich erleichtert wir im Namen aller Kolleginnen und Kollegen über die rasche Hilfe sind, so klar muss aber auch gesagt werden, dass unsere Betriebe keine Chance hatten, die Bedingung rechtzeitig zu erfahren und entsprechend zu handeln. Denn erst heute, am 6.11. wurde verkündet, dass Hilfen nur ausbezahlt werden, wenn ab 3.11. keine Kündigungen mehr ausgesprochen wurden“, fassen Kraus-Winkler und Pulker zusammen.

Rasche Hilfe wird viele Betriebe retten

Erleichtert über die Maßnahmen der Regierung zeigt man sich auch bei der Hoteliervereinigung. „Nach mehr als einem halben Jahr fast ohne Einnahmen, aber laufenden Fixkosten, dem Finanzierungsanteil für die Kurzarbeit und nicht zuletzt dem anstehenden doppelten Gehalt brauchen viele Arbeitgeber im Tourismus den angekündigten Umsatzersatz wie einen Bissen Brot“, erklärt Michaela Reitterer, Präsidentin der ÖHV. Dass die Beantragung noch am Tag der Ankündigung möglich ist und die Überweisung noch im November erfolgen soll, sieht Reitterer als „entscheidenden Fortschritt in der Abwicklung der Förderungen: Hut ab, das Tempo müssen wir beibehalten!“

Gerechte Lösung für alle

Die Maßnahmen seien ein wichtiges Signal für die Betriebe, ihre Mitarbeiter und unsere Wirtschaft, betont Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger: „Ihre Wirkung wird davon abhängen, wie rasch und unbürokratisch die Auszahlung erfolgt.“ Der wirtschaftliche Stillstand trifft jedoch auch die Zulieferer schwer. „Wir fordern schon seit Beginn der Krise, dass Zulieferbetriebe genauso umfassend geholfen wird, wie den direkt betroffenen Betriebe. Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit - nur so können wir möglichst viele Betriebe unterstützen und unsere wirtschaftliche Vielfalt erhalten“, so Egger.

Der Obmann des Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer, Robert Seeber, fordert, dass nun auch die indirekt von der Schließung und den Reisewarnungen betroffenen Betriebe ebenfalls rasch und unbürokratisch entschädigt werden. „Deshalb begrüßen wir die Ankündigung von Finanzminister Blümel, dass der Fixkostenzuschuss II noch im November beantragt werden kann“, so Seeber. 

Forderung nach Herkunftskennzeichnung wiederholt

Etwas kurios angesichts der aktuellen Lage mutet die Forderung der Initiatoren des Tierschutzvolksbegehrens an, das Hilfspaket mit einer verpflichtenden Herkunftskennzeichung zu verknüpfen. Die Unterstützung dürfte in manchen Betrieben zu den besten Einnahmen seit langem führen, heißt es da in einer Aussendung. „Es ist gut und richtig, dass heimische Gastronomiebetriebe jetzt abgesichert werden. Wenn wir aber schon hunderte Millionen an Steuergeld für sie bereitstellen, dann dürfen wir auch Fortschritt einverlangen. Die verpflichtende Transparenz bei der Herkunft der Lebensmittel muss daher jetzt umgesetzt werden“, sagt Sebastian Bohrn Mena, Initiator des Tierschutzvolksbegehrens.
 

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