18.02.2021

Exit-Strategien

Während bei vielen die Frisur endlich wieder sitzt, raufen sich Wirte und Hoteliers einmal mehr die Haare. Mir sind sie schon längst ausgegangen. Es kratzt und juckt einem nicht nur am, sondern vor allem im Schädel. Ein Kommentar von Thomas Schweighofer.

Knifflige Rätsel, seltsame Teile, unheilvolle Bösewichte – während des Lockdowns haben meine Frau und ich eine Leidenschaft für eine Spielserie entwickelt, die das Gefühl der Live-Escape-Rooms zu uns nach Hause holt. Zahlreiche geknackte harte Nüsse führen zu immer neuen Spielkarten, Hinweisen und Codes, bis man – möglichst schnell – den Ausgang gefunden hat. Wenn wir einmal nicht mehr weiterwissen, greifen wir nach Hilfekarten, die den richtigen Weg weisen. Eine Flasche guten Grünen Veltliner dazu und der Abend ist gerettet. 

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir in Wirklichkeit alle in so einer heimtückischen Falle stecken und vor einem mit schweren Schlössern verriegelten Ausgang warten. Da helfen selbst Kisten guten Weins nicht weiter. Vielleicht können Sie mir beim Rätsellösen zur Seite stehen? Hilfekarten mit klugen Hinweisen hat das Leben nämlich keine parat. Also, bei diesem Denkspiel scheitere ich kläglich: Sie befinden sich in einem schönen Land, das von einer Pandemie heimgesucht wird. Die Infektionszahlen sind stabil, die Krankenhäuser sind nicht überlastet, also beschließt die Regierung, dass man wieder Couchen, Fertigbeton und fesche Frisuren shoppen darf, lässt aber Restaurants und Hotels trotz bester Hygienekonzepte zugesperrt und macht Reisen mehr oder weniger unmöglich. Wie lösen wir das Dilemma? 

Ich dachte, der Schlüssel sei eine vernünftige Teststrategie mit unkompliziertem Zugang für alle im ganzen Land (teuflischerweise darf man etwa in einem anderen Bundesland eine Teststraße nicht nutzen) und motiviert möglichst viele Menschen zur Teilnahme, wenn sie mit positivem Negativtest eine Zutrittserlaubnis bekommen. Dazu noch gescheite Hygienekonzepte, eine große Impfoffensive und das sollte es erstmals sein. Nach der Code-Eingabe kommt jedoch immer „Wirklich schade … Der Code ist leider nicht korrekt!“. 

Mir gehen die Ideen aus, wie die richtige Lösung lauten könnte. Vielleicht habe ich zu kurz gedacht. Möglicherweise ist „die geschwächten Betriebe wirtschaftlich sterben lassen, damit die Regierung den überlebenden (Schwer-)Verwundeten dann noch ein paar Hilfsgelder zuschanzen kann, um sich als strahlender Retter zu präsentieren“ die unverblümt richtige Antwort? Das könnte die ganze Diskussion ordentlich anschobern. Hoffentlich aber doch nicht, denn das wirkt so wie der Fuchs in der Falle, der sein Bein abnagen muss, um zu entkommen, aber vorher leider die drei anderen erwischt. 

Das Wort Ausgang hat übrigens viele Bedeutungen: Neben dem Verlassen eines Raums beschreibt es unter anderem den freien Tag für zum Beispiel Häftlinge, das Ende eines Spiels oder Zeitraums, aber auch den Anfang einer Diskussion, die Anschlussstelle an technischen Geräten oder, wie der Duden schreibt, „die Öffnung an einem Organ, durch die etwas austreten kann“ ... So könnte man die ganze Situation auch umschreiben. 

Es bleibt also kompliziert. Aber nicht, weil niemand eine Lösung kennt, sondern weil Symbolpolitik und das Spiel mit Emotionen mehr zählen als Fakten. Wie sagte die Präsidentin des Österreichischen Hoteliersverbands Michaela Reitterer zuletzt: „Wir sind nicht das Problem.“ Vielmehr könnte man Teil der Lösung sein. Die Hotel-Infrastruktur sollte in die Test-Konzepte einbezogen werden. Mit Blick auf immer neue Mutationen – neuerdings eine britisch-kalifornische Variante – und noch offener Wirksamkeit der vorliegenden Impfstoffe für diese neuen Formen ist das durchgängige Testen die realistischste Zukunftschance. Wir müssen lernen, mit diesem Virus zu leben! 

PS: Oft reicht auch schon ein Lächeln.

Humor schafft Distanz zu Problemen und macht sie erträglicher. Dem jüdischen Humor gelingt das oft besonders elegant. Zum Abschluss möchte ich Ihnen einen Witz erzählen, den ich kürzlich gehört habe und der zumindest mich zum Lächeln gebracht hat – vielleicht auch Sie? 

Ein Tourist aus Haifa kommt zum See Genezareth. An einer Promenade steht ein kleines Boot für eine Überfahrt bereit. Der Tourist geht hin und fragt den Bootsführer: „Entschuldigen se bitte de Frage. Wos kostet hinieberzufahren ieber de See ins Dorf Ein Gev?“ Der Bootsführer antwortet ihm „100 Schekel“. Darauf der Tourist: „Hundert Schekel? – Das is abber a bissele viel! Mei lieber Freind, des is de See Genezareth. Ieber diese See ist Jesus Christus gegangen zu Fuß! Kei Wunder bei dene Preise!“

PPS: Die Exit-Spiele

Wer jetzt Lust auf Exit-Spiele bekommen hat, dem sei die Serie von Kosmos wärmstens empfohlen.
 

t.schweighofer(at)manstein.at

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