16.06.2019

"Fernziele sind ernstzunehmende Konkurrenz"

Der scheidende Geschäftsführer der Niederösterreich-Werbung, Christoph Madl, über die Entwicklung und das Potenzial von Familienreisen für den Tourismus in Niederösterreich.

Welche Bedeutung haben heute noch Familienreisende?
Christoph Madl: Die Wichtigkeit beziehungsweise Relevanz dieser Zielgruppe ist sehr groß, da die Kinder die Stammgäste von morgen sind und auch wesentlich das Buchungsverhalten der Familien mitbestimmen.

Was bedeutet das für die Ansprache im Marketing?
Der Trend geht immer mehr dahin, dass Familien mit Kindern generationsübergreifend verreisen, also auch die Großeltern in den Urlaub mitfahren. Dementsprechend verbreitert sich auch die Zielgruppe in der Demografie, weil nicht nur die Eltern, sondern auch die Großeltern mitentscheiden. Besonders einflussreich bei der Entscheidung darüber welches Angebot gebucht wird sind die Frauen der Familie. Zur Frage Markting: Die jüngere Zielgruppe sucht nach Motiven, sich darzustellen; Stichwort Fotos auf Social Media. Wir arbeiten unter anderem schon mit maßgeschneiderten Content-Kampagnen auf Social Media im Bereich Bewegtbild und geben Tipps, wo die besten Instagram-Hotspots in Niederösterreich zu finden sind. Allerdings muss damit sehr sorgsam umgegangen werden, um diese nicht überzustrapazieren.

Welche Rolle spielen Fernmärkte in Relation zu Nahmärkten?
Fernziele sind nicht mehr fern, sondern aufgrund günstiger Angebote eine ernstzunehmende Konkurrenz zu Zielen die mit dem Auto erreichbar sind. Anders als bei anderen Angeboten wird der Familienurlaub im Durchschitt sechs bis sieben Monate im Voraus und nach wie vor für einen längeren Aufenthalt gebucht. Familienangebote im Inland werden kurzfristiger gebucht.

Familienurlaub bedeutet in erster Linie Urlaub mit Kind: Welche Urlaubswelten sind gefordert?
Erlebnisse müssen erfahrbar gemacht und im Idealfall ein Mehrwert geschaffen und kommuniziert werden. Der Gast muss im Vorhinein bereits wissen, worin dieser Mehrwert liegt. Das kann eine gewisse Transformation des Gastes zu einem „besseren Menschen“ sein, die durch Wissensvermittlung passieren kann. Ein umfangreiches Ausflugsangebot, Kinderbetreuung im Hotel, Workshops, Tradition, die Besinnung auf das Wesentliche und themenspezifische Produktentwicklung können bei der Entscheidungsfindung ebenso wichtig sein, wie gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Jüngere Gäste sind multioptional, sie wollen eine Mischung aus Stadt, Natur, Aktivität, Erholung. Familien wollen Zeit, Einfachheit, Planbarkeit, Ruhe und ein Angebot für Kinder.

Wie gelingt die generationenübergreifende Ansprache? Wie schafft man es, dass Kinder später wiederkehren?
Zum Beispiel durch gezielte Angebotsdiversifizierung. Sozusagen muss sich Omi genauso angesprochen fühlen wie die Enkelkinder. In der Inspirationsphase spielen, besonders für Familien klassische Werbemittel, wie zum Beispiel Kataloge und Broschüren, eine größere Rolle als bei anderen Zielgruppen. Aber auch neue Medien spielen eine immer größer werdende Rolle, da die heutige Elterngeneration bereits mitten im digitalen Zeitalter angekommen ist.

Mit welchen Angeboten kann man überzeugen – von der Buchbarkeit bis zu Schwerpunkten?
Für Familien sind besonders Destinationen interessant, die viel Angebot in relativ naher Umgebung haben.
 

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