26.03.2020

Firmenpleiten aktuell noch rückläufig 

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist seit Beginn der Corona-Krise vor rund zwei Wochen um circa die Hälfte gesunken, berichtet KSV1870. Ab dem Frühsommer werde es dennoch zu einem deutlichen Zuwachs kommen.

Im Vergleich zu 2019, als hierzulande im Schnitt bei den Gerichten noch knapp 100 neue Unternehmensinsolvenzen pro Woche zu verzeichnen waren, sind es im Moment rund 50 Fälle pro Woche. Mit ähnlichen Zahlen ist auch in den nächsten Wochen zu rechnen, da etwa die Österreichische Gesundheitskasse (gemeinsam mit dem Finanzamt der größte Insolvenzantragsteller des Landes) in nächster Zeit keine Insolvenzanträge einbringen wird.

Die Gründe dafür: Unternehmen befinden sich in einer abwartenden Haltung und schauen, was der von der Bundesregierung installierte Rettungsschirm an finanziellen Hilfsmitteln für sie bringt. Darüber hinaus herrscht an den Gerichten bis aufs Weiteres Notbetrieb.

„Zweifellos wird es aber ab dem Frühsommer zu einem deutlichen Zuwachs bei den Firmenpleiten kommen. Wie hoch dieser ausfallen wird, hängt auch stark davon ab, wann und wie rasch der heimische Wirtschaftsstandort wieder auf Normalbetrieb umstellen kann“, so Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG. Mit einer Steigerung der Unternehmensinsolvenzen von rund zehn Prozent - wie 2009 im Zuge der Finanzkrise - ist jedoch zu rechnen. 

Appell: Verfallen Sie in keine Krisenlethargie!

Im Vergleich zur Finanzkrise im Jahr 2009, als damals in etwa 7.000 Unternehmen (+ 10 % gegenüber 2008) in die Pleite gerutscht sind, handelt es sich jetzt um eine Realkrise, von der die Unternehmen direkt betroffen sind. Entscheidend ist nun, in keine Schockstarre zu verfallen: „Unternehmen müssen jetzt deutlich proaktiver agieren als noch vor wenigen Wochen. Dabei spielt die Transparenz gegenüber Kunden, Geschäftspartnern und den eigenen Mitarbeitern eine zentrale Rolle“, erklärt Vybiral.

Neben der Inanspruchnahme finanzieller Mittel, die das von der Bundesregierung ins Leben gerufene Maßnahmenpaket in Form von Überbrückungsfinanzierungen oder Förderungen bietet, geht es auch darum, den Kontakt mit Geschäftspartnern sehr engmaschig zu gestalten. Wichtig dabei ist, sämtliche Vereinbarungen auch schriftlich zu dokumentieren, um nach der Krise nicht in die juristische Bredouille zu geraten.  

Insolvenzbremse: mehr Zeit für Unternehmen

Im Normalbetrieb sind Unternehmen verpflichtet, innerhalb von 60 Tagen eine Insolvenz zu beantragen, wenn Insolvenzvoraussetzungen wie etwa Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorliegen und zudem eine positive Zukunftsprognose nicht möglich ist. Diese Frist wurde nun auf 120 Tage ausgedehnt: „Die Idee ist grundsätzlich nicht neu, denn sie  wurde bereits anlässlich des Jahrhunderthochwassers im Jahr 2002 umgesetzt. Dank dieser Maßnahme bleibt den gefährdeten Firmen in jedem Fall mehr Luft zum Atmen und mehr Zeit, um zu klären, ob eine Insolvenz aktuell tatsächlich der einzige Ausweg ist“, so Vybiral. 

Zukunftsszenarien evaluieren

Spätestens jetzt ist es allerdings auch an der Zeit, sich als Unternehmer über die Zukunft Gedanken zu machen und entsprechend zu handeln, argumentiert man beim KSV1870, eine der führenden Wirtschaftsplattformen Österreichs. „Dabei geht es in erster Linie weniger um die Frage, in welcher Branche ich tätig bin oder wie groß mein Unternehmen ist, sondern darum einen konkreten Plan für die Zeit nach der Krise zu entwickeln. Etwa wie sehr ich mich weiterhin von Liefer- oder Produktionsketten abhängig machen möchte oder welche alternativen Geschäftsmodelle für mein Unternehmen funktionieren könnten“, erklärt Ricardo-José Vybiral.

 

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