04.10.2021

Forderung nach Lohnnebenkostensenkung wird lauter

Fünf Wirtschaftsverbände fordern ein Mittelstandspaket: Die Betriebe brauchen Spielraum für höhere Löhne, mehr Mitarbeiter und Investitionen.

1.000 Unternehmen haben bei einer repräsentativen österreichweiten Umfrage von Österreichischer Hoteliervereinigung, Gewerbeverein, Handelsverband, Senat der Wirtschaft und Lobby der Mitte mitgemacht. Die Forderungen sind bekannt, vor allem die Lohnnebenkostensenkung, das Ermöglichen von Investitionen und die Abbau der Bürokratie stehen im Fokus.

Dafür, dass die Lohnebenkosten in der Steuerreformdebatte praktisch keine Rolle spielen, fehlt der Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung, Michaela Reitterer, jedes Verständnis: „Für 81 Prozent der befragten Unternehmen hat diese Maßnahme den höchsten Stellenwert, in der Hotellerie sogar für 91 Prozent.“ Das sei die Konsequenz aus hohen Arbeitskosten und der aktuellen Arbeitsmarktsituation: „Alle Branchen suchen Mitarbeiter, in der Hotellerie neun von zehn Betrieben.“ Eine Lohnnebenkostensenkung um 30 Prozent für 30 Mitarbeiter brächte echten Spielraum für Anstellungen und Gehaltserhöhungen, fordert Reitterer mit Nachdruck die Umsetzung eines oft gehörten Wahlversprechens. „Das wäre der effektivste Hebel für höhere Löhne, mehr Investitionen und Arbeitsplätze. Das wäre die beste Medizin für das leidgeplagte Rückgrat der heimischen Wirtschaft, unsere vielgelobten KMU. Da sollten sich beide Regierungsparteien wiederfinden."

Hilfen bei der Mitarbeiterfrage

Auch die 25%ige Investitionsrücklage fordert Hotellerie mit 76 % gegenüber 66 % deutlich stärker als der Querschnitt der Befragten: „Hotels investieren traditionell viel, dazu kommen jetzt noch Großinvestitionen in Mitarbeiterunterkünfte. Eine Investitionsrücklage hilft Arbeitgebern und Arbeitnehmern“, appelliert Reitterer an die Regierungsparteien, so einen Beitrag zur Besetzung offener Stellen zu leisten. „Immer mehr Unternehmen müssen ihre Leistungen einschränken. Das schadet Gästen, Zulieferern und der Regierung, der Steuereinnahmen entgehen“, wünscht sie sich Soforthilfemaßnahmen und eine Perspektive für die Zeit nach Corona, um rasch wieder das volle Potenzial ausschöpfen zu können: „ Je früher wir von Schließtagen, Buffet statt à la carte, geschlossenen Restaurants und gesperrten Stockwerken wegkommen, umso besser für alle.“

Ein Paket für Kreativität, Innovation und Kapitalstärke

„Österreichs Unternehmen sind nachhaltig aufgestellt, was auch der Senat mit der Wirtschaft dem Austrian SDG Award Jahr für Jahr fördert. Jetzt wollen wir diesen Trend mit dem Mittelstandspaket verstärken“, betont Senat der Wirtschaft-Vorstand Gabriele Stowasser das gemeinsame Ziel der fünf Organisationen – Gemeinwohl im Sinn der ökosozialen Marktwirtschaft: „Wir brauchen Reformen, um den Standort zu stärken, besonders im Gesellschaftsrecht und am Kapitalmarkt. Mit dem Paket können unsere Unternehmen auch in Zukunft ihren Beitrag fürs Gemeinwohl können.“

„Wir müssen das Steuersystem vereinfachen und die Regulierung abspecken“, unterstreicht Peter Lieber, Präsident des Österreichischen Gewerbevereins. „Wir verbringen 20 Prozent unserer Arbeitszeit mit vermeidbarer Bürokratie. Da sprechen wir von gut 50 Mrd. Euro Kosten pro Jahr.“ Diese Zeit und dieses Geld seien dringend besser, produktiver, zukunftsgerichteter einzusetzen. Damit müsse endlich begonnen werden. Die angekündigte Steuerreform werde mittelfristig nur erfolgreich sein, wenn – etwa mittels Bürokratie-Scouts – ein regelrechter Wettbewerb auf der Suche nach unsinnigen und überholten Regeln initiiert werde, die ersatzlos gestrichen werden könnten.

Eine Botschaft: „Mittelstand stärken“

Initiiert hat die Zusammenarbeit Wolfgang Lusak, Sprecher der Lobby der Mitte. Regierungsvertreter baten ihn um konkrete Vorschläge, er erarbeitete in Folge mit den Verbänden und Experten wie Steuerberater Reinhard Stulik das Paket. „Die Bewertung und Priorisierung durch 1.000 Mittelstandsbetriebe ist repräsentativ für den österreichischen Mittelstand. Die starke Beteiligung an der Umfrage und die hohe Zustimmung zu den Vorschlägen stärkt uns den Rücken für weitere Gespräche mit der Regierung“, ist Lusak optimistisch, dass die Ergebnisse in die Regierungsverhandlungen in der laufenden Budget-Debatte berücksichtigt werden.

Das Mittelstandspaket finden Sie hier zum Download.

(Red)

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