15.09.2021

"Für Genuss und Kulinarik gibt es kein schlechtes Wetter"

Was die Region Attersee-Attergau alles unter Genuss und Kulinarik versteht und dem Gast künftig auch ganzjährig servieren möchte – Sternderl schauen und Kastanien essen inklusive - erzählt Angelina Eggl, Geschäftsführerin Tourismusverband Atteresse-Attergau im Interview. 

Genuss und Kulinarik sind die Ingredienzen, die dem Gast nicht nur im Sommer gut schmecken?
Angelina Eggl: Genau, darum bietet die Region Attersee-Attergau – abgesehen von wunderschöner Natur und dem fantastischen See – gerade auch in Küche und Keller Grandioses. Wir haben eine durchwegs gute Sommersaison, Genuss und Kulinarik sind jedoch Themen, die man übers ganze Jahr spielen kann. Also auch im Herbst und Frühling, um die Saisonen zu verlängern. Gemeinsam mit den Betrieben arbeiten wir an einem genussvollen Angebot, um dem Gast zu verdeutlichen, dass es eben auch bei uns sehr schön Urlaub machen ist, wenn keine Sonne scheint. Denn für Genuss und Kulinarik gibt es kein schlechtes Wetter.

Mit dem GENUSSHERBST fangen wir an, da steht die Region von 25. September bis 31. Oktober ganz im Zeichen regionaler Schmankerl, im November folgen dann für Gourmet-Liebhaber die Genusstage mit den Betrieben des Kulinarium Attersees und noch viel mehr.

Braucht Kulinarik ein besonderes Konzept? 
Wir sind in der Region mit sehr guten Betrieben wahrlich gesegnet, denn von urtümlicher Gasthausküche bis zu gehobener Gastronomie, von frischem Fisch aus dem Attersee, regionalen Bierspezialitäten, traditionellen Gerichten oder neu interpretierter Küche gibt es bei uns alles. Hinter dieser großen Vielfalt stehen sehr gute regionale Produzenten – gerade auch aus dem Attergau. So gesehen ist es konzeptionell einfach, den Gästen wie auch den Einheimischen zu vermitteln, über welch großen Schatz wir hier verfügen.

Eine Saisonverlängerung bedingt aber auch geöffnete Hotels?
Schon jetzt zieht sich das Schwergewicht Sommersaison mit den Herbstferien bis in den Oktober. Die Saison verlängert sich also bereits, unser Wunsch ist aber eine durchgängige Periode von März bis Anfang November. Jetzt gilt, diese Zeitspanne mit attraktiven Angeboten – Wandern, Klettern, Radfahren usw. – zu besetzen. Hotelseitig haben einige Vorzeigebetriebe mit Wellness- und Wohlfühlprogrammen bereits dann Hochsaison, wenn am See wieder weniger los ist und gerade der Attergau verfügt über viele Ganzjahresbetriebe. Hier kommt auch der Vorteil des Zusammenschlusses Attersee-Attergau zum Tragen, weil man voneinander profitieren kann.

Aus eins mach zwei - wie gestaltet sich die Zusammenführung beider Regionen?
Als ich den Job als Tourismusverantwortliche übernahm, hatte ich den großen Vorteil, dass die Fusionierung gerade im Werden war und ich die Region auch nicht anders kenne. Für mich und mein Team ist selbstverständlich, Attersee und Attergau gleichwertig zu vermarkten und mit den Betrieben auf Augenhöhe zu arbeiten. Natürlich ist nicht immer alles perfekt, aber die Regionen lernen voneinander, die Fusionierung ist schon weit fortgeschritten. Der TVB fungiert hier durchaus als Vermittler und versucht, beide Regionen miteinander zu vernetzen bzw. zu verbinden. Gerade über Kulinarik und Genuss funktioniert das wunderbar.  

Und doch haben beide Regionen ihren USP und sollen diesen auch behalten?
Natürlich, der Attersee steht für Fisch aus dem See, ist aber mit der neu lancierten sehr coolen Vermarktungskooperation „Taste the Lake“ ein gutes Beispiel, wie man Attergauer mit Atterseer Gastronomen verbinden kann. Mit den Kulinarium-Wirten gibt es am Attersee ja schon eine fixe Kooperation sehr guter Haubenküche, Taste the Lake stellt dazu eine perfekte Ergänzung dar, wodurch die Auswahl für den Gast variantenreicher und vielfältiger wird.

Welches kulinarische Merkmal steht für den Attergau?
Sicherlich die vielen bäuerlichen Betriebe, etwa der Attergauer-Wochenmarkt in St. Georgen, wo noch Ortsbäuerinnen ihre selbstgebackenen frischen Bauernkrapfen verkaufen, die bei Urlaubern, Zweitwohnbesitzern und Einheimischen sehr beliebt sind. Besonders freut mich, dass der ursprüngliche Bauernmarkt in Seewalchen in Zusammenarbeit mit dem Tourismus-Ortsausschuss und der Gemeinde ebenfalls wieder stattfindet und ortsässige Landwirte im Aichergut ihre Produkte verkaufen können. 

Kulinarische Brauchtumspflege dient demnach als touristisches Zugpferd?
Die Einheimischen sind sich dieses Schatzes sehr bewusst, auch und gerade die Jungen, die jetzt in den Betrieben nachrücken. Und natürlich spielt hier der Nachhaltigkeitsgedanke eine wichtige Rolle, dass man eben Produkte nicht unbedingt von weit holen muss, sondern aus der Region nimmt und vermarktet, indem man die Herkunft auf die Speisekarte schreibt und dafür wirbt. Dass es eben Zwetschkenmarmelade aus unserem Naturpark ist oder das Wild tatsächlich in unseren Wäldern gegrast hat. Ich glaube, dass diese Nachvollziehbarkeit, woher die Produkte für das genussvolle Menü am Teller stammen von den Gästen gewünscht und auch sehr gut angenommen wird. Abgesehen davon, dass man die heimischen Bauern und regionalen Anbieter damit unterstützt.

Wieviel traditionelle Koch- und Essgewohnheiten finden sich bei den jungen Köchen?
Die alten Traditionen in den bäuerlichen Betrieben der Region Attersee-Attergau stehen klar im Einklang mit der Natur und werden so auch gerade in den Küchen der jungen Gastronomen am See gelebt und gepflegt. Gerade diese nachkommende Generation legt darauf extrem großen Wert und hat auch ein ganz natürliches Verständnis dafür – wir unterstützen diese Werteerhaltung auf der ganzen Linie. 

Es gibt also Nachwuchs in den Küchen am See?
Ja, und was mich besonders freut und das geht vielleicht auch etwas gegen den allgemeinen Trend, wir hatten heuer am See auch einige Betriebsübernahmen und Restauranteröffnungen. Ein junges Pärchen etwa, Kilian und Michaela, die kurz vor der Coronakrise „Das Attersee“ übernommen und nicht aufgegeben haben. Oder die „Beachboys“ vom Attersee, Dominic und Marcel, die das Strandbadbuffet in Unterach übernommen und daraus einen ganzjährigen Restaurantbetrieb gemacht haben. Die Jungen arbeiten mit großem Enthusiasmus, sind innovativ und lassen sich auch nicht von einem pandemischen Virus unterkriegen. Diese große Leidenschaft und Engagement unterstützen wir natürlich sehr gerne und mit viel Stolz.

Mit den Kulti-Wirten gibt’s schon länger einen kulinarischen Zusammenschluss?
Wir haben im kulinarischen Bereich einige Vereinigungen, wie eben die „Kulti-Wirte“, die die typische österreichische Wirtshauskultur pflegen oder die „Attersee 7“ – hier haben sich bereits vor einiger Zeit sieben (aktuell nur sechs) Hotelliers zusammengeschlossen, weil man festgestellt hat, dass man in der Gruppe einfach stärker ist. Also helfen sich Wirte und Hoteliers gegenseitig, indem sie z.B. mit gemeinsamen Marketingaktionen am Markt und auf Veranstaltungen auftreten und auch der TVB hilft und begleitet diese Eigeninitiative gerne. 

Die Zeiten des „Futterneids“ sind also vorbei?
Wir sind ja alle keine Einzelkämpfer mehr und das ist gut. Viele heimische Regionen leben schon lange erfolgreich vor, dass es mit Kooperationen und Zusammenschlüssen besser funktioniert. Gerade jetzt, da durch die Pandemie touristisch mehr oder weniger alles auf null gestellt wurde, ist der gemeinsame Weg noch wichtiger. Ich bin fest davon überzeugt, dass die, die jetzt alles gut machen, auch weiterhin ganz vorne dabei sein werden. 

Wie läuft der Sommer?
Die Zahlen sind Gott sei Dank besser als letztes Jahr, wir sind aber noch nicht im Jahr 2019, das für uns ein sehr gutes war. Der Gast entscheidet sich halt immer kurzfristiger, die Wetterlage spielt eine große Rolle und auch die Aufenthaltsdauer hat sich verändert. Diese oft zwei- bis dreiwöchigen Urlaube am See gibt es kaum noch, der Schnitt liegt rund um eine Woche. Generell sind die Gäste vorsichtiger und abwartender geworden. Das bedeutet für die Betriebe flexibler in ihren Angeboten und Stornobedingungen – die natürlich der Situation angepasst wurden - zu werden, damit sich die Gäste unbeschwert, sicher und wohl fühlen können. 

Hat Corona die Herkunftsmärkte verändert?
Österreich, Deutschland und Tschechien waren und sind auch jetzt unsere wichtigsten und stärksten Quellmärkte, gerade die tschechischen Gäste lieben den Attersee, sind sehr naturaffin, genießen Kultur und Kulinarik und kommen auch sehr gerne zum Tauchen. Diese drei Länder bleiben auch weiterhin die touristischen Hauptmärkte, wir wollen aber mit gezielten Strategien auch neue oder rückläufigere Märkte – wie die Niederlande – gezielter für die Attersee-Attergau Region begeistern. Und wenn man in dieser herausfordernden Zeit von einem Vorteil in diesem grenzenlosen Nachteil sprechen kann: Wir waren seltsamerweise nie eine Destination für fernere Länder, daher fehlt uns jetzt wie anderen Regionen, die stark auf den Fernmarkt fokussieren, diese Gästegruppe nicht. Weil aber immer die Gefahr besteht, dass ein Markt aus jedweden Gründen wegbricht, versuchen wir stets breit zu streuen, um den Ausfall kompensieren zu können. 

Auf welchen Urlaubstyp fokussiert man vorrangig?
Es ist noch immer so, dass wir als Familien-Region gesehen werden, was wir natürlich auch sind, von der Struktur her sind wir aber schon eine Region für Best Ager. Das zeigt sich auch deutlich bei den Zweitwohnbesitzern. Naturverbundene Gäste, Familien mit Kindern, aber natürlich kommen auch jüngere Gäste, diese Zielgruppe wollen wir mit entsprechenden Angeboten und coolen Veranstaltungen am See noch besser ansprechen. Eigentlich ist es aber total schwierig, den typische Attersee-Gast zu markieren. Weil die Region einfach eine gute Mischung aus allem, aus sporteln, wandern, schwimmen, essen und genießen und somit für alle Zielgruppen das passende Reiseziel ist.

Ein Reiseziel, dass auch den Sternen sehr nahe ist?
Ja, darauf sind wir wirklich sehr stolz, denn der Naturpark Attersee-Traunsee hat als erste österreichische Region von der International Dark Sky Association (IDA) die offizielle Anerkennung als Sternenpark (www.darksky.org) erhalten, weil man bei uns aufgrund von gesetzten Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung den nächtlichen Sternenhimmel besonders gut sieht. Der Sternen- und Naturpark ist an sich schon ein großer Schatz, wird nun um das Thema Wasser als wertvolles nachhaltiges Gut – der Attersee wird ja immer wieder für seine hervorragende Wasserqualität ausgezeichnet – verstärkt.

Die Naturparkbauern mit ihren Streuobstwiesen, die es in dieser Form sonst nirgends mehr in dieser Häufigkeit in Österreich gibt –  fügen sich mit ihren Erzeugnissen wie der Kastanienwald in Unterach, wiederum gut in das Genuss- und Kulinarik Thema. Nachhaltigkeit und eine gesunde Natur sind uns ein großes und ehrliches Anliegen und Themen, die wir den Gästen künftig in unterschiedlichsten Formen anbieten möchten. Umweltfreundliche Anreisen und wie sich in der Region ohne Auto bewegen, sind ein riesiges Projekt mit vielen Beteiligten auf dem auch unser erklärter Fokus liegt.

Wie viel See ist eigentlich noch öffentlich zugängig?
Meines Erachtens sind ausreichend freie Seezugänge vorhanden, die Gemeinden bemühen sich sehr darum. Dazu muss man noch wissen, dass es die offiziellen und frei zugängigen Landesbäder und die von Gemeinden verwalteten Gemeindebäder gibt. Wie man sich gerade seitens der Gemeinde bemüht, den Besuchern das Baden im See zu ermöglichen, zeigt auch die Initiative der Bäderampel, die seit heuer auch mit den Parkplatzverfügbaren gekoppelt ist. Mittels App (www.baederampel.attersee-baeder.at) sieht man, welches der acht Gemeindebäder noch Platz hat oder nicht. Damit können die Besucherströme besser gelenkt werden, wenn etwa das Bad in Weyregg bereits voll, in Unterach aber noch Platz ist. Gemeinsam mit OÖ Tourismus soll dieses Projekt ausgebaut werden, auch auf die Landesbäder, um allen, die an und in den See möchten, unnütze Wege zu ersparen. Eine tolle und kluge Lösung.  

Die Rolle des von Ihnen geführten TVBs ist also mehr als eine klassische Gästebetreuungsstelle?
Es freut uns natürlich sehr, dass der Attersee zu den beliebtesten Seen in Oberösterreich und ganz Österreich gehört. Wir sind uns aber auch der damit verbundenen großen Verantwortung bewusst. Ich sehe es eigentlich als Drei-Gespann: Wir möchten, dass sich die Einheimischen in der Region wohl fühlen und wir dahingehend Produkte schaffen, die auch die Einheimischen nutzen können. Natürlich auch die Urlauber und Zweitwohnbesitzer. Ich bin nicht nur für die Urlauber da, ich möchte, dass das ganze Umfeld gut zusammenarbeitet und zusammenlebt.

Wir im TVB haben den Anspruch, dass wir Angebot gestalten und Initiativen starten, die auch den Einheimischen zugutekommen. Denn nur wenn die Einheimischen zufrieden und gut hier leben, können sie auch die Gäste gut willkommen heißen. Wir wollen keine Spaltung und Trennung zwischen der einen oder anderen Gruppe, genauso arbeiten wir auch. Stets in Absprache mit den Bürgermeistern und Gemeinden, was auch sehr gut funktioniert. Das ist mir persönlich mit meinem Team sehr wichtig. 

Danke für das Gespräch.

attersee-attergau.salzkammergut.at/aktivitaeten/genuss.html

(Von Brigitte Charwat)

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