26.04.2020

"Gästeanfragen sind weiter da"

Erich Neuhold, der Geschäftsführer des Steiermark Tourismus, im Interview mit Hotel & Touristik über steirische Stärken und Strategien im Bemühen um den österreichischen Gast.

Hotel & Touristik: Wie ist die Stimmung unter den Touristikern und Tourismusbetrieben in der Steiermark? Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Betrieben und Gästen? 
Erich Neuhold: Wir haben ganz viele Gästenewsletter unserer Betriebe erhalten und sind beeindruckt, wie persönlich und bisweilen sogar berührend mit den Gästen der Kontakt gehalten wird. Über die vielen Jahre hat sich ja eine richtige Beziehung zwischen den Gastgebern und den Gästen entwickelt. Diese Beziehung hält hoffentlich auch in diesen Zeiten und darüber hinaus.

Wir haben in den letzten Tagen auch viel mit den Mitgliedsbetrieben unserer Marketingkooperationsgruppen telefoniert: Auch hier hören wir, dass die Betriebe weiter positiv gestimmt sind trotz der schwierigen Situation. Davor habe ich tiefen Respekt. Ich glaube, jeder wartet nur mehr darauf, endlich wieder aufsperren und Gäste begrüßen zu können. Denn Gästeanfragen sind ja weiter da, es sind auch Buchungen da, selbst aus Deutschland wurden Buchungen zum Teil nicht storniert, weil der Gast an den Urlaub glauben möchte. 

Kommen Förderungen und Unterstützungen bei den Betrieben an? Reichen die Maßnahmenpakete?
Laut Wirtschaftskammer Steiermark haben 3.000 Betriebe aus dem Tourismus beim Härtefallfonds 1 Anträge gestellt, Härtefallfonds 2 begann ja erst am 20. April und der Corona-Notfallfonds ist auch erst im Anlaufen. Die Betriebe sind jedenfalls trotz der Maßnahmenpakete in einer extrem schwierigen Situation. 

Urlaub in Österreich ist heuer das große Thema, die Steiermark als „Weltmeister“ in Österreich hat hier einen Startvorteil. Wie bereitet sich Steiermark Tourismus auf den Restart vor? 
Ich weiß nicht, ob wir in dieser schwierigen Situation, bei der wir noch nicht mal genau wissen, wann und wie es mit dem Tourismus weitergeht, überhaupt von Startvorteilen reden können. Aber es stimmt, dass die Steiermark den höchsten Anteil an Österreich-Urlaubern im Vergleich zu den Bundesländern aufweisen kann. Es hat Tradition, dass Österreicher vor allem aus Wien, Niederösterreich und Oberösterreich und allen voran aus der Steiermark gerne in der Steiermark ihren Urlaub verbringen. Es passt das Urlaubsangebot zwischen Gletscher und Wein und es passt, in Zeiten wie diesen sehr wichtig, auch das Preis-/Leistungsverhältnis. 

Welche Themen wird der Steiermark Tourismus kommunizieren?
Wir planen gemeinsam mit den Regionen unsere Kommunikation für den österreichischen Gast. Die Themen Natur, Wohlfühlen und das Genießen der unbeschwerten Urlaubszeit werden dabei im Mittelpunkt stehen, denn sorgenvoll waren die letzten Wochen schon genug. Die Steiermark beteiligt sich auch an den gemeinsamen Maßnahmen von Österreich Werbung und der Bundesländer, um im Inland starke Präsenz zu zeigen. Die Steiermark hat immer schon ihren hohen Anteil an Österreichern unter den Gästen sehr zu schätzen gewusst, jetzt tut sie dies mehr denn je. 

Glauben Sie an eine nachhaltige Änderung im Tourismus? Oder wird alles irgendwann so sein wie vorher?
Womit man vielleicht rechnen kann: Die Natur und das In-der-Natur-Sein wird wichtiger. Das hat man jetzt in den letzten Wochen auch schon gesehen. Man schätzt die Kraft von Wald, Bergen, Seen … mehr denn je. Sie tun gut. Das heißt aber auch, dass wir diese Natur noch mehr schützen müssen. Das könnte ein wichtiges Resultat aus dieser Zeit sein. 

Wird sich die Zeit verlangsamen, sprich geht man es im Urlaub vielleicht ruhiger an? 
Gut möglich, dass nicht mehr eine Aktivität die andere jagt, dass nicht ein Ziel das andere ablöst. Vielleicht sucht man mehr denn je diesen einen Moment, an dem man ganz bewusst innehält und genießt, was uns vielleicht zu selbstverständlich geworden ist. Urlaub wird dadurch kostbarer, weil er Träume und Leichtigkeit ermöglicht, die schon mit der Urlaubsplanung beginnen.

Welche Richtung wird Steiermark Tourismus in Zukunft propagieren? Nahmärkte noch stärker pushen und Fernmärkte reduzieren?
Eine Krise wie wir sie gerade erleben wird erfordern, dass wir unsere Positionierungen hinterfragen, dass wir an Stelle von „schneller, höher, weiter“ noch mehr auf die Marke und auf Werte fokussieren und versuchen die Herzen der Menschen anzusprechen. Die Marke „Steiermark. Das Grüne Herz Österreichs“ bietet dafür sehr gute Voraussetzungen und kann hier als Leitfaden dienen.

Wir werden daher alles daransetzen, dass wir unsere Position als führendes Bundesland bei den Inlandsurlauben weiterhin halten können. Der Druck der Mitbewerber in Österreich wird allerdings groß sein. Und in Zukunft: Österreich wird für die Steiermark immer die große Stütze sein, aber auch Gäste aus dem Ausland werden dann hoffentlich wieder zu uns kommen können und hier liegt für uns der Fokus auf den Nahmärkten, für die unsere Steiermark gut erreichbar ist.

Zumal der Inlandstourismus sich schneller erholen wird als die Auslandsmärkte?
Das hat in schwierigen Zeiten auch mit dem Sicherheitsbedürfnis zu tun, weil man als Gast, falls notwendig, schnell wieder zu Hause sein möchte. Auch die Vertrautheit mit bzw. der Bezug zur eigenen Heimat spielt hier eine Rolle.

Welche Empfehlungen und Handlungsanweisungen gibt es für die einzelnen Tourismusverbände?
Auch wenn die Maßnahmen zum Schutz der Menschen Vorrang haben, hoffen wir gerne, dass mit Mitte/Ende Mai von Urlaub wieder die Rede sein kann und dass die Menschen wieder zu planen beginnen können. 

Also gilt es bis mindestens dahin, die Kommunikation mit Gästen aufrecht zu erhalten, fragen wie es unseren (Stamm-) Gästen geht, berichten was wir in dieser schwierigen Zeit machen, Bilder senden zur Erinnerung an vergangene schöne Tage in der Steiermark und um die Vorfreude zu wecken, wenn wir uns in der Steiermark wieder sehen: Das alles tun wir und unsere Partner jetzt, um die Beziehung zu unseren Gästen aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus gilt es, die Kommunikation für „die Zeit danach“ vorzubereiten, damit Gäste gerne an einen Steiermark-Urlaub denken. 

Und für diese Kommunikation sollen die Budgets und Auftritte gebündelt werden: Es ist wichtig, dass wir gemeinsam auftreten und dem Gast gemeinsam die Steiermark als Urlaubsland ans Herz legen. 

Danke für das Gespräch.

 

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