24.02.2021

Gasteiner Hirmer-Projekt nimmt Gestalt an

Im früheren „Monaco der Alpen“, dem siechenden Kurort Badgastein, packt die Münchner Hirmer-Gruppe nun endgültig an, um den Schandfleck Straubingerplatz neu zu definieren.

Waren das noch Zeiten vor etwa 70 Jahren. Mit der Ski WM war der Pongauer Kurort in aller Munde und das Geschäft florierte. Der saudische König Ibm Saud schwörte auf die heilende Wirkung des Gasteiner Radon-Heilstollens und machte die Hotellerie zu einer Goldgrube. Alles vergangen und vielfach auch schon vergessen. Zwei Promis hielten Badgastein hingegen immer die Treue: der deutsche Altkanzler Helmut Kohl und Showmaster Thomas Gottschalk. Aber auch das ist lange her.

Mitte der 1990er-Jahre erwarb der Wiener Investor Franz Duval die Hotelruinen „Straubinger“ und „Badeschloss“ sowie das dazwischenliegende alte Postgebäude. Und es geschah: wieder nichts. Und das so lange, dass die verfallenden Objekte gar nicht mehr betreten werden durften, so groß war/ist die Einsturzgefahr. Seit dem Antritt Wilfried Haslauers in der Salzburger Landesregierung, zuerst als Junior-Partner und dann als Landeshauptmann, begleitet die unselige Geschichte des Straubinger Platzes die Arbeit des Politikers. Mehr als zwanzig Mal pilgerte der Landeschef nach Wien und suchte das Gespräch mit Duval – ohne jedes Ergebnis. Als der Eigentümer starb und Sohn Philipp Duval das Erbe antrat, kam Bewegung in die Sache. Im November 2017 kaufte das Land Salzburg sämtliche Liegenschaften um sechs Millionen Euro. 1,5 Millionen mussten in dringendste Sanierungen fließen. Bereits vor der Übernahme des Landes war klar: die Liegenschaft wird nicht in dessen Eigentum bleiben. Sofort wurde nach Investoren gesucht. Die auch zahlreich Interesse zeigten. Wilfried Hauslauer zu Stammgast.Online: „Es waren Angebote aus der Ukraine und sogar aus Iran dabei, die wir aber relativ schnell wieder verworfen haben.“

Münchner Textilhändler in Familienhand

Vielmehr wurde der Landeshauptmann im nahen München fündig. Die Hirmer-Gruppe, bekannt mit großen Modehäusern in der bayerischen Landeshauptstadt, etablierte sich neben dem Textilgeschäft auf dem Immobilienmarkt und übernahm in diesem Zusammenhang den Hotel- und Ferienresort-Konzern „Travel Charme“. Der Tourismuskonzern ist in Österreich kein Unbekannter. In Werfenweng wird ein Resort-Hotel betrieben, desgleichen auch in Pertisau am Achensee (Hotel Fürstenhaus), und in Strobl wird gerade an einem weiteren Hotel gebaut.

Die Vorgaben aus Salzburg lauteten: Nicht nur ausschließlich ein Investor, der das Projekt dann weitergibt; keine Zweitwohnsitze, auch nicht nach zwanzigjähriger Nutzung, wenn wieder Investitionen anstehen.

Bedingungen, mit denen die Münchner kein Problem hatten. „Im Gegenteil“, so das für das Immobiliengeschäft zuständige Familienmitglied Christian Hirmer zu Stammgast.Online: „Unsere Immobilien-Engagements sind langfristig angelegt. Und mit Travel Charme haben wir einen hochprofessionellen Betreiber in den eigenen Reihen, der das Know-how aufbringt, neue Hotelanlagen auch gewinnbringend auszulasten. Wir sind ein Familienunternehmen in dritter Generation und so ein Handeln war stets unsere Prämisse.“

Drei neue Hotels bis 2023

Schlussendlich unterschrieben die Münchner Mitte November 2018 den Kaufvertrag. Und aktuell rollen nicht nur die Bagger an, sondern ein mächtiger Baukran ist weit über den Straubinger Platz hinaus sichtbar. Das heißt: In gut zwei Jahren wurden sämtliche baubehördlichen und Denkmalschutzverfahren positiv (vielfach einstimmig) erledigt und bereits mit dem Bau begonnen.

Entstehen werden drei Hotels, die vom Wiener Architekturbüro BWM entworfen wurden. Das „Straubinger“ behält seine Silhouette im Großen und Ganzen, wird 50 Zimmer auf Fünf-Sterne-Standard haben und viele Details aus der Belle Epoque widerspiegeln. Das „Badehaus“ gegenüber erhält ein neues Entree eine Etage höher sowie zwölf Zimmer bzw. Suiten auf Vier-Sterne-Niveau. Hinter dem Badehaus wird ein neuer Komplex entstehen, der unter dem Projektnamen „Badehaus Neubau“ läuft und 88 Zimmer enthalten wird. Der Turm mit 35 Metern Höhe soll laut den Architekten das Ortsbild Badgasteins „selbstbewusst und trotzdem mit Respekt“ bereichern. Auf dem Dach wird ein Infinity-Pool thronen. Aus dem dritten Altgebäude, der Post, soll ein Konzept-Store werden. Es wäre nicht verwunderlich, hätte dieser Textiles zum Thema. Insgesamt will Hirmer ein Hotelprojekt mit vier Komplexen und insgesamt 150 Zimmern realisieren. Über die Investitionssumme hält man sich bedeckt. Sie soll in einem mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen. Der Startschuss zum Baubeginn ist bereits gefallen. Läuft alles nach Plan, dann soll Ende 2023 eröffnet werden. Womit auch der dritte Punkt von LH Haslauer für die Rettung des Straubinger Platzes erfüllt wäre.

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