08.06.2020

Gastro-Eröffnung: Und dann kam Corona

Kaum offen war schon wieder zu: Ende Jänner wurde das dritte Kleinod, das Kleinod Prachtstück in der Wiener Singerstraße eröffnet, nur ein paar Wochen später kam Corona. Hotel & Touristik sprach mit David Schober, Eigentümer der Kleinod Gruppe und Felix Leon Klein, dem Barkeeper.

Hotel & Touristik: Herr Schober, Ihre Corona-Bilanz?
David Schober: Die schnelle Umsetzung der COVID-19-Maßnahmen durch die österreichische Bundesregierung war absolut richtig und notwendig, weil Gesundheit die oberste Priorität hat. Das Wiederhochfahren der Gastronomie läuft holprig. Erlässe, wie beispielsweise die Konsumation an der Schank, werden binnen weniger Tage geändert und machen kostenintensive bauliche Maßnahmen im Nachhinein unnötig. Die Ankündigungen der Regierung sind schön, die Abwicklung sehr langsam und bürokratisch. Das bereitet uns allen schlaflose Nächte.

Wie haben Sie den Lockdown überstanden?
Uns hat es massiv getroffen. Das Kleinod Prunkstück haben wir erst Ende Jänner 2020 eröffnet und dann kam der Shutdown. Das stellt jeden Businessplan auf den Kopf. Im Kleinod Stadtgarten trifft uns der ‚Wintereinbruch‘, der pünktlich zum 15. Mai begonnen hat. Das sind alles keine schönen Voraussetzungen. Trotzdem sind wir glücklich, dass uns unser Team und die Gäste die Treue halten. Das Geschäft kommt langsam wieder in Schwung, aber der Motor stottert noch etwas. Die Verlängerung der Sperrstunde auf 1 Uhr ist schon mal ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Sie haben einen originellen Weg gefunden, Ihre Gäste auf Abstand zu halten…
Mit unseren Schaufensterpuppen aus dem Atelier Mirow, die in elegante Mode von Philipp Maly gehüllt sind, haben wir medial einen Durchbruch zur Wiedereröffnung geschafft. Die Aktion hat bis in das Vereinigte Königreich Schlagzeilen gemacht. Das ist wichtig, um im Mindset der Gäste relevant zu sein. Die massive Reduktion der Kapazitäten beschränkt uns aber weiterhin in der Möglichkeit, Geld zu verdienen – bei nahezu gleichbleibenden Kosten.
Die größte Kapazität können wir aktuell im Kleinod Stadtgarten anbieten, wo wir unter Einhaltung der Auflagen 170 Gäste bewirten können. In der Freiluftgastronomie sind wir nicht nur von den Auflagen der Regierung, sondern auch vom Wetter abhängig. Es bleibt also eine Zitterpartie von Tag zu Tag.

Wird trotzdem alles gut werden?
Wir blicken positiv in den Sommer und hoffen auf einen starken Inlandstourismus. Ein schöner Herbst könnte vielleicht einen kleinen Teil der Verluste kompensieren. Die Entwicklung der COVID-19-Zahlen ist sehr positiv. Jetzt wird viel von der Vernunft der Menschen abhängen, damit wir schnell in die neue Normalität zurückkommen. Anpassungsfähigkeit und Flexibilität werden wohl noch einige Monate das Gebot der Stunde bleiben!

Fragen an den Barkeeper:
Leon Felix Klein arbeitet im Kleinod in der Singerstrasse als Barkeeper, ist sehr talentiert und strukturiert und hat große Ambitionen auf den Barchef-Posten den die Kleinod-Gruppe bis dato noch in keinen Betrieb vergeben hat.

Hotel & Touristik: Was mögen Sie besonders an Ihrem Arbeitsplatz?
Leon Felix Klein: Das Barteam. Es spiegelt natürlich in jeder Bar das Herz und die Seele des Lokals wieder. Aber speziell hier ist das Team zu einer Familie zusammengewachsen. Wir erleben alle glücklichen, tragischen, traurigen und schönen Momente voneinander mit und teilen sie auch. Selten so etwas gesehen. Auch das Raumdesign und Interieur. Es ist zeitlos, unglaublich effizient und wunderschön. Es gibt meines Erachtens wenige Lokale, wo mit so wenig Platz so bedacht und sorgsam geplant und gearbeitet wurde. Und es macht einfach jedes Mal Freude, diese Bar zu betreten; egal ob leer oder brechend voll.

Was wollen Sie hier unbedingt noch verändern?
Aktuell arbeiten wir an einer neuen Karte. Aber das Schöne an der Gastronomie und dem Barwesen ist, dass es generell nie stillsteht. Mit jeder neuen Entwicklung eröffnen sich neue Möglichkeiten, mit jedem neuen Gast eine neue Situation. Der Punkt wo man nichts mehr findet, das man verändern will, wird wahrscheinlich nie kommen.
 
Wo im Kleinod spiegelt sich Ihre Persönlichkeit am ehesten wider?
Ich finde das Grammophon auf der Galerie sehr passend. Ich bin, wenn man mich kennt, eine alte Seele in einem jungen Körper. Ich finde solche alten Geräte faszinierend, speziell wenn sie, wie dieses, noch voll funktionieren. Es hat für mich etwas Schönes, zu sehen, wie man sich auf diese alte Technik noch immer verlassen kann.

(Die Interviews führte Claudia Stückler.)

Seit 2015 erweitern Alexander Batik, Oliver Horvath, Philipp Scheiber und David Schober mit dem Kleinod die Wiener Bar-Kultur und verwöhnen ihre Gäste mit mehrfach ausgezeichneten Getränke-Kreationen im klassischen Stil einer American Bar. Unter der Marke Kleinod wurde eine Unternehmensgruppe mit Schwerpunkt auf gastronomische Dienstleistung und Innovation formiert. Sie umfasst neben den Bars Kleinod und Kleinod Prunkstück die Cocktail-Schule und Tasting-Location Kleinod Cocktaul Salon sowie das Cocktail-Catering KLeinod Überall. In der warmen Jahreszeit wird das Kleinod Stadtgarten presented by Bombay Sapphire im Wiener Stadtpark in Zusammenarbeit mit René Steindachner und Niko Mautner Markhof betrieben.

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