07.06.2022

Gaugau mid Haut

In Willys Gastro-Wochenrückblick geht es um eine Köstlichkeit aus Willys Jugend und die legendäre Tigermilch.

Als ich noch Kind war, gab es bei uns daheim ziemlich oft einen heißen Kakao, oder wie wir in Reichenau sagten, einen Gaugau. Milch kurz aufkochen, ein bis zwei Löfferl vom guten Bensdorp dazu, ein bisserl Zucker dazu, umrühren, fertig. Das stetige Problem dabei: Zu diesem Zeitpunkt war das an sich köstliche Getränk dermaßen heiß, dass wir uns in unserer Gier danach entweder permanent Lippen, Zunge und Gaumen verbrannten oder wir nach einigen Abkühlminuten mit dieser grauslichen, glibbrigen Haut an der Oberfläche konfrontiert waren. Gaugau mid Haut eben. Irgendwie angewidert nahmen wir diese regelmäßig mit Daumen und Zeigefinger sozusagen in die Zange, schöpften sie ab und schleuderten sie verächtlich auf den Küchenboden, an die Wand oder sonstwohin. Sehr zur Freude unseres Muttertiers.

Auf die Idee, mittels Umrühren mit einem Löffel die - wie wir heute wissen - Proteinknäuel in der Milch aufzulösen um somit eine Hautbildung zu verhindern, kamen wir damals nicht. Hat uns ja auch keiner gesagt. Denn Gaugau mid Haut war irgendwie Naturgesetz.

By the way: Ich erinnere mich auch gerne an die legendären Tigermilchzeiten in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts, in denen in Discos, Bars und aber auch Kaffeehäusern, dem wie oben beschrieben zubereiteten Kakao noch zusätzlich Rum und ein rohes Ei hinzugefügt wurde. Gaugau mid Haut UND Glibber. Was ganz was Feines. Hardcore-Tigermilch-Junkies schlürften das eigenartige Ensemble mit lautem Geräusch und ex hinunter, doch andere wieder fingerten umständlich in ihrem Glas oder Häferl - je nachdem - herum, fischten Haut und zumindest Teile des Eis heraus und klatschten das austernähnliche Gebilde mitten auf die Tanzfläche, wo bereits bestens geschulte Putztrupps mit Schauferl, Küberl und Lappen am Stiel darauf warteten, alles Hingeschleuderte wieder einzusammeln. Wahrscheinlich wurde in der Küche sowieso alles wiederverwertet, für geviefte Köche kein Problem.

Auch erinnere ich mich an eine legendäre Muttertagslesung unseres Literaturkreises in einem Reichenauer Kaffeehaus, als einer meiner Poetenkollegen mit den Worten „Liebe Mutter,“ die Weichteile seiner Tigermilch seiner eigenen Mutter in der ersten Reihe exakt vor die Beine schleuderte, worauf sich diese dermaßen erschrak, von ihrem Sessel aufsprang, nach hinten umfiel und das ganze lange Tischtuch samt sämtlichem Dekorationsmaterial zu Boden riß. Wir und unsere Muttertagslesung füllten tags darauf sämtliche Bezirksblätter. Wobei die Gründe dafür sicher nicht in unseren literarischen Ergüssen lagen. Wohl bekomms!

redaktion(at)hotelundtouristik.at

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Mediadaten