14.06.2021

Gediegener Gästeverleih

Willys Gastro-Wochenrückblick: Wir kennen die Taferl noch aus unserer Kindheit. „Gästeverleih“ stand drauf. Zumeist handgemalt und rustikal verziert, später oft mit weithin lesbarer Schrift auf kontrastreichem Hintergrund.

Mit „Gästeverleih“ meinte man damals Skier, die sich die Gäste ausleihen konnten um sich die Anschaffung derselben für zwei Wochen Bad Kleinkirchheim oder sonstwo in Österreich zu ersparen. Oder Schlittschuhe, Rodeln und Skibobs. Sowie im Sommer Elektroboote, Schwimmreifen und Wanderstöcke.

Mir gefällt das Wort „Gästeverleih“ jedoch aus anderen Gründen. Weil es der Gastronomie und der Hotellerie durchaus helfen könnte etwaige Über- und Unterkapazitäten sinnstiftend auszugleichen. Sie kennen die Problematik nur allzu gut – denn während das Nachbarlokal berstend voll ist, gähnt bei Ihnen die Leere gelangweilt vor sich hin. Da wär es doch schön, wenn es eine Instanz gäbe, die zumindest die Abgewiesenen Ihres Nachbarn direkt zu Ihnen umleiten könnte. Wobei diese Art von Dienstleistung keineswegs auf gelebte Nachbarschaftshilfe beschränkt sein müsste, Gästeverleih an sich kann mit etwas logistischem Know-how durchaus intelligent vernetzt sein.

Und Gästeverleih im modernen Sinn schafft Arbeitsplätze.
„Schnitzel an Rindsroulade!“
„Hier Rindsroulade, wos gibts.“
„Schnitzel hier. I hätt do zwa, die passen bei uns nimmer eini ...“
„Rindsroulade an Schnitzel. Nimm i. Waunn kennts do sei?

So oder so ähnlich könnte also der Gästeverleih ablaufen. Mit gediegenem Shuttleservice hin und zurück, je nach Streckenlänge mit Lunchpaket oder Picknickkorb sowie umfassender Kinderanimation. Selbstverständlich funktioniert der Gästeverleih auch depotartig, also mit Warteraum, Verteilerzentrale und Wunschgästeliste, weu jedn nemma ned.

Interessant wird der Gästeverleih aber auch für die Hotellerie. Jetzt nicht nur regionsbezogen betrachtet, sondern international und länderübergreifend. Da kann es dann aber auch schon vorkommen, dass überbuchte Charter nach Heraklion mit vier Betroffenen in einer Cessna Bird Dog nach Costinesti unterwegs sind. Gilt doch die rumänische Schwarzmeerküste als auch sehr schön, aber lange nicht so überbucht.

Tja, wer geglaubt hat, dass Verreisen in Nach-Corona-Zeiten nahtlos dort ansetzen wird, wie es vor der Pandemie so abrupt endete, wir möglicherweise enttäuscht sein. Denn es kann dank des neuen Services „Gästeverleih“ durchaus vorkommen, dass man anstatt zum Schwimmen mit Delphinen im australischen Nelson Bay beim Minigolf in Payerbach an der Rax landet. Was ja in Wahrheit ohnehin viel sicherer ist.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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