22.11.2018

Gemischte Sätze: Selbst schuld?

Ein Kommentar von Hotel & Touristik-Chefredakteurshälfte Thomas Schweighofer über Schnecken, Pferde und die Medizin im Tourismus.

Ein Blick zurück ins Archiv erhellt: Im Jahr 2005 wies Wirtschaftsminister Martin Bartenstein an, die Saisonkontingentplätze um 10 Prozent auf maximal 8.005 zu kürzen. Bei 50.000 Arbeitslosen im Tourismus solle das AMS strenger bei der Vermittlung von Arbeitssuchenden aus Österreich vorgehen, die Zumutbarkeitsregeln wurden verschärft. Die Arbeitslosenquote im Tourismus beträgt auch heute noch über 50.000 (in den Spitzenmonaten April und November), allerdings stieg die Zahl der Arbeitnehmer im Beherbergungs- und Gaststättenwesen seit Mitte der Nullerjahre um fast 30 Prozent.

Auch der Anteil der im Tourismus Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung ging weiter nach oben. Die Zahl der Ankünfte stieg außerdem um 47 Prozent, die Zahl der Nächtigungen erhöhte sich um 21 Prozent. Die Arbeitskräftesituation ist dennoch alles andere als rosig. Die meisten Betriebe tun sich schwer, Mitarbeiter zu finden, manche suchen vergeblich. Die Folge sind reduzierte Serviceleistungen oder sogar Betriebsschließungen. Für die kommende Wintersaison sind nun 1.100 Beschäftigungsbewilligungen vorgesehen – und das wird uns noch als Erfolg verkauft. Daraus lässt sich also schließen, die Politik verordnet die falschen Medikamente und will es sich weiterhin nicht eingestehen, dass die Therapie ins Leere geht. Ein Riesenfehler war nicht zuletzt das jahrelange Schlechtmachen der Lehre (für alle Branchen), nicht jede Putzfrau braucht einen Bachelorabschluss.

Ein Treppenwitz dieser Geschichte ist, dass die Berufserfahrung vieler Akademiker – wenn sie dann ihr Studium Mitte/Ende ihrer 20er abschließen – sich aufs Kellnerieren beschränkt. Die Tourismusbranche macht hingegen vieles, aber beileibe nicht alles richtig. „Reputation kommt auf Schnecken und geht mit Pferden“, sagte einst Speaker Klaus Schweinsberg bei den Badener Gesprächen. Arbeitszeiten und Aufstiegsmöglichkeiten, ein wertschätzendes Miteinander und die gute Bezahlung dürfen nicht nur die DNA der – eh schon mehrheitlich – vorbildlichen Betriebe sein, sondern von allen. Und eine der Fragen der Zukunft wird lauten: Müssen wir in unseren Angeboten 10 oder 15 Prozent teurer werden, um unsere Mitarbeiter noch besser bezahlen zu können?

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