09.11.2020

Geplante Lebensmittel-Werbeverbote sorgen für Aufruhr

Die EU plant Werbeverbote für ungesunde Lebensmittel und Österreich schickt sich an, ein weiteres Paradebeispiel für Goldplating abzuliefern.

Die Markenartikelhersteller und die Werbe- sowie Medienbranche sind wegen eines befürchteten Werbeverbots für ungesunde Lebensmittel in heller Aufregung. Konkret geht es um einen Gesetzesentwurf für die Überarbeitung der seit 2012 geltenden EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste, die Österreich in nationales Recht umsetzen muss. Das Gesundheitsministerium sei mit seinem Vorstoß für ein österreichisches Nährwertprofilmodell päpstlicher als der Papst, lautet die Kritik.

Keine Werbung im Umfeld von Kindersendungen

In der EU-Richtlinie AVMD-RL geht es unter anderem um Werbung für ungesunde Lebensmittel im Umfeld von Kindersendungen. Diese soll laut dem Entwurf unterlassen werden. Die betroffenen Branchen fürchten aber noch weitreichendere Auswirkungen. Denn Grundlage für die Beurteilung, welche Lebensmittel für Kinder ungeeignet sind, ist ein sogenanntes Nährwertprofil, das laut Branchenmagazin „Horizont“ von einer Expertengruppe des Gesundheitsministeriums im September in aktueller Fassung vorgelegt wurde.

Ministerium ist Selbstregulierung ein Dorn im Auge

Derzeit regulieren sich Lebensmittel-, Werbe- und Medienbranche selbst – was sie auch weiterhin tun wollen. „Das hat auch bisher gut funktioniert“, sagte Günter Thumser, Geschäftsführer des Markenartikelverbands, mehreren Branchenmedien. Der Gesetzesentwurf ist für ihn ein GAU und auch übereifrig, zumal die EU-Kommission für 2022 die Entwicklung eines europaweiten Nährwertprofils im Rahmen der „Farm-to-Fork“-Landwirtschaftsstrategie angekündigt habe. „Diese Art von Gold Plating, die das Gesundheitsministerium hier an den Tag legt, ist überzogen und sinnlos“, so Thumser zum Magazin „Cash“. Thumser zufolge sollen für mehrere Lebensmittelkategorien Werbeverbote bewirkt werden. „Und da hinein fallen etwa Süßwaren und Desserts, süße Backwaren, bestimmte Getränke, Speiseeis, bestimmte Fleisch- und Fischerzeugnisse, Wurst und pikante Snacks.“

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