24.11.2021

Gesunde Geschäfte

Zur Entlastung des Gesundheitssystems sind professionelle Angebote im Privatbereich wohl eine Notwendigkeit. Nicht zuletzt deshalb boomt Gesundheitstourismus. Die Hochreiter Gesundheitsbetriebe aus Oberösterreich erweitern ihr Angebot kontinuierlich und sind damit erfolgreich.

Die Naturparkregion Zirbitzkogel-Grebenzen ist ideal für das, was auf neudeutsch mit dem Wort Selfness umschrieben wird. Hier gibt es keine Lichtverschmutzung und keinen Lärmsmog, die Luft ist rein, Natur und Landschaft helfen einem dabei, „die Zügel über sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und die Batterien neu aufzuladen“, schwärmt Andreas Eckerstorfer über den neuen Hochreiter-Betrieb „Auszeit“ in St. Lambrecht in der Steiermark. 

Der Tourismusprofi aus dem Mühlviertel ist Geschäftsführer des Vortuna Gesundheitsresorts in Bad Leonfelden. Man kennt ihn vor allem als langjährigen Kurdirektor des Orts, Geschäftsführer der Sternstein Lifte – und als Hobbymusiker ist er eine lokale Berühmtheit. Mit seinen Songs „Papas Homeoffice“ und „Alles wird besser“ sorgte er während der Lockdowns für Begeisterung. Bei den Hochreiter Gesundheitsbetrieben des auch international höchst erfolgreichen Lebensmittelunternehmers Wolfgang Hochreiter und dessen Bruder, der Orthopädie-Koryphäe Dr. Josef Hochreiter, ist er neben dem Kurhotel auch für die Weiterentwicklung der Betriebe verantwortlich. Diese sind neben jenem in Bad Leonfelden (Vortuna) und St. Georgen im Attergau (Am Kogl) und ganz neu in St. Lambrecht (Auszeit) innerhalb von nur drei Jahren auf drei gewachsen. 

Etwas tun gegen Long Covid

„Im gesundheitstouristischen Angebot hat sich in Österreich in den letzten zwei Jahrzehnten viel getan“, fasst es Eckerstorfer im Gespräch zusammen. Waren es früher Themensuiten und Wellnessoasen, die die Konzepte bestimmten, sind mittlerweile konkrete Gesundheitsthemen in den Fokus gerückt. Also eigentlich die Kernkompetenz eines solchen Betriebs und der Grund, warum die Hochreiter Gesundheitsbetriebe so gut funktionieren. „Man merkt ganz deutlich, dass der Bedarf am Markt groß ist und wächst – vor allem auch im mentalen Bereich“, so der erfahrene Tourismusmanager. 

Man hat sich ein indikationsübergreifendes Therapieangebot auf die Fahnen geschrieben im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes und meint damit neben der körperlichen Fitness auch jene der Psyche. An den Standorten kümmert sich auch psychiatrisches Fachpersonal um Gäste, die an den Langzeitfolgen einer Krankheit und/oder der Pandemie – Stichwort Long Covid – leiden und eine entsprechende Regeneration notwendig haben. Eine aktuelle Studie der medizinische Leiter Dr. Michael Bach (Vortuna) und Dr. Waltraud Bitterlich (Auszeit) zeigt auf, dass deutlich erhöhte Häufigkeiten für unterschiedliche psychische Beschwerden als Folge der Corona-Pandemie auftreten, insbesondere in den Bereichen Depressivität, Ängstlichkeit, Stresssymptome und Schlafstörungen. Im Zuge der Pandemie hat sich in der Selbstwahrnehmung die psychische Gesundheit bei 45,5 % der Befragten (987 insgesamt) verschlechtert, die körperliche Gesundheit bei 32,9 %. Eine „Long-Covid“-Therapie wird in den drei Häusern der Gruppe zwar mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber jedenfalls umfassend betreut angeboten.

Steigende Nachfrage 

Damit es den Kur- und Reha-Gästen an nichts fehlt, wurden alle Betriebe in den vergangenen Jahren auf 4-Sterne-Superior-Niveau ausgebaut. In Bad Leonfelden investierten die Hochreiter Gesundheitsbetriebe in das ehemalige Kurhotel, das 1962 unter anderem vom Großvater der Brüder gegründet worden war, rund 22 Millionen Euro. Es folgte die Übernahme des insolventen Sanatoriums Rupp in St. Georgen und das Investment von 15 Millionen Euro in einen Neubau sowie weitere fünf Millionen Euro in die Modernisierung des angrenzenden Hotels. Im Vorjahr übernahm man den schon mehrfach in finanzielle Turbulenzen geratenen Lambrechterhof und steckte 13 Millionen Euro in den Ausbau in den Umbau auf eine Sonderkrankenanstalt und die Aufstockung eines Flügels.

Für die Hochreiter Gesundheitsbetriebe sinnvolle Investments. Im Vortuna und Am Kogl etablierte man in kurzer Zeit zwei bestens ausgelastete Beherbergungsbetriebe, die es im Jahr normalerweise auf 130.000 Nächtigungen bringen. Im Auszeit mit 106 modernen Zimmern und Studios rechnet man im Vollbetrieb mit 38.000 Nächtigungen im Jahr. „Unser Ziel war es, eine hochmoderne, in jeder Hinsicht richtungsweisende Top-Destination für Gesundheit, Regeneration und Vorsorge zu schaffen“, sagt damals der geschäftsführende Gesellschafter Wolfgang Hochreiter bei der Neueröffnung des Vortuna. Eine Aussage, die man eins zu eins auf die zwei anderen Leuchtturmprojekte umlegen kann. 

Umfassende Betreuung

Gefüllt werden die Betten dank der Verträge mit fast allen wichtigen Sozialversicherungsträgern und permanent steigend aufgrund der Nachfrage von Privatgästen. Gebucht wird vor allem über den direkten Weg bzw. über die Website www.reha.at. „Das medizinische Angebot muss so gestaltet sein, dass es am privaten Markt begeistert“, ist Eckerstorfer überzeugt. „Wir halten das Level sehr hoch. Da gehe ich gerne jeden Vergleich ein mit den Mitbewerbern.“ Der Oberösterreicher argumentiert mit einer strategischen Weiterentwicklung des Medical Wellness: „Das ist weit mehr, als ein bisschen Kurbehandlung in einem Hotel, wo ich vielleicht einmal in der Woche einen Arzt sehe. Bei uns wird man 24 Stunden täglich professionell betreut.“ Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Therapeuten, Ergotherapeuten, Psychiatern, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern, Masseuren etc. ist wichtig. Im Rehabereich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, im privatwirtschaftlichen Bereich ist es ein Segment, mit dem man sich differenziert. 
 
Ein großer Unterschied zur „normalen“ touristischen Beherbergung ist sicher die lange Aufenthaltsdauer. Im psychischen Rehabereich zum Beispiel sind sechs Wochen die Regel, der Privatgast bleibt zunächst zwei Wochen – und bucht erfahrungsgemäß im Laufe des Jahres ein weiteres Mal. Die Preise starten etwa im „Auszeit“ bei 890 Euro die Woche und steigern sich je nach medizinischer Inanspruchnahme auf rund das Doppelte. Bestimmte Leistungen werden je nach Versicherung aber rückerstattet. Abstriche in gewisser Hinsicht müssen die Gäste – ganz bewusst – beim gastronomischen Angebot hinnehmen, denn das klassische Candle Light Dinner mit einer Flasche Wein sucht man in den Hochreiter Gesundheitsbetrieben vergeblich. Stattdessen gibt es ein mit Diätologen abgestimmtes und individualisiertes Angebot sowie einen Fokus auf beste Produktqualität. Der Großteil der Gäste in den drei Betrieben kommt aus Österreich, ein geringer Teil aus Deutschland und – aus der UNO City in Wien. 

Weitere Betriebe könnten folgen

Man ist – unter dicken Anführungszeichen – ein Gewinner der Pandemie. Das Bewusstsein für Gesundheit hat einen ordentlichen Schub erhalten. Dazu kommt, dass man das schwierige Thema Arbeitskräfte deutlich weniger spürt als zum Beispiel die Kollegen in der Ferienhotellerie. Da hilft zunächst die Tourismusschule in Bad Leonfelden („das ist ein Geschenk“), der gute Ruf im Stammbetrieb samt vielen langjährigen Mitarbeitern, geregelte Arbeitszeiten und nicht zuletzt die gute Entlohnung. Die Infrastruktur im Gesundheitsbereich ist sehr finanzintensiv, die Personalkosten sind hoch, die Hochreiter Gesundheitsbetriebe sind aber so ausgelegt, dass sie am freien Markt reüssieren. In der Unternehmer-DNA von Wolfgang Hochreiter steckt das gesunde Wachstum. Mit drei Gesundheitsbetrieben ist das Ende der Fahnenstange daher wohl noch nicht erreicht. 

www.reha.at

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