20.12.2020

"Gift für die Branche"

Branchenvertreter fordern Nachbesserungen bei den Hilfen und vor allem auch mehr Planbarkeit.

Die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe dürfen nun also statt am 7. Jänner voraussichtlich erst am 18. Jänner 2021 öffnen – und selbst das ist nicht sicher. Die neuerliche Verschiebung der Wiedereröffnung ist für Unternehmen, die sich auf diesen Termin vorbereitet haben, genauso ein Rückschlag wie für ihre Mitarbeiter, betont man bei der Hoteliervereinigung (ÖHV).

„Immer neue Termine reichen nicht – wir müssen wissen, wie stark die Zahlen sinken müssen. Darauf kann man sich einstellen“, forderte ÖHV-Vizepräsident Walter Veit konkrete Vorgaben seitens der Regierung, wie stark die Corona-Infektionen eingedämmt sein müssen, damit die Hotels öffnen dürfen. Nur nachvollziehbare Ziele und genaue Vorgaben für die Wiedereröffnung erhöhten die Planungssicherheit der Betriebe. Bund und Länder sollten sich auf gemeinsame Corona-Benchmarks einigen und diese kommunizieren. 

Das ständige Auf- und Zusperren, ohne Vorhersehbarkeit und Planbarkeit, sei „Gift für die Branche“, betonen auch die Obleute der Fachverbände Hotellerie und Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Susanne Kraus-Winkler und Mario Pulker. Man trage Verantwortung gegenüber Geschäftspartnern, Gästen und vor allem auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, moniert Kraus-Winkler und unterstreicht: „Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand und wissen nicht, ob, wann und wie es weitergeht. Entscheidend ist – neben einer konkreten Strategie für ein abgesichertes Offenhalten der Branche 2021 – unbedingt auch das wirtschaftliche Überleben der Hotellerie und Gastronomie sicherzustellen.“

Grenzen sind zu eng gesetzt

Durch die Verlängerung der Ungewissheit steht die Branche auch wieder vor zusätzlichen wirtschaftlichen Problemen. „70 Prozent Verlustersatz reichen zur Bewältigung von Lockdowns nicht, da braucht es den Umsatzersatz“, argumentiert daher ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer. Der Umsatzersatz in Höhe von 50 Prozent gilt ja nur mehr im Dezember. Besonders stark trifft die Verlängerung des Lockdowns Thermen- und Skihotels, die mit dem dritten Schließmonat mitten in der Hauptsaison ein Großteil vom Jahresumsatz fehlen wird. Und viele große Arbeitgeber haben die Obergrenze für die EU-Beihilfen längst erreicht, da sei die Obergrenzen für Hilfspakete zu niedrig. Wichtig ist die Ausdehnung der Hilfsmaßnahmen auf die mittelbar betroffenen Unternehmen aus den vor- und nachgelagerten Bereichen, also Zulieferer und Kooperationspartner.

In die gleiche Kerbe schlägt Robert Seeber, WKÖ-Bundesspartenobmannes von Tourismus und Freizeitwirtschaft, der eine Aufstockung des Fixkostenzuschusses von 800.000 Euro auf 3 Mio. Euro sowie beim Verlustersatz vom 3 Mio. Euro auf 5 Mio. Euro durch die EU fordert. „Es ist nicht einzusehen, dass die EU diese überlebenswichtigen Hilfen, noch dazu aus nationalen Budgetmitteln, weiter blockiere.“ Zudem müsse bei der EU-Kommission Überzeugungsarbeit geleistet werden, dass der vom Parlament bereits beschlossene 300 Mio. Euro Schutzschirm für abgesagte Veranstaltungen nun endlich genehmigt wird, so Seeber.

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer fordert zur Bewältigung der Krise mehr Druck bei Corona-Tests und der Verwendung von Tracing-Apps, spricht sich aber gegen eine allgemeine Verpflichtung aus. Vorstellbar ist jedoch, dass der Besuch von Lokalen und Läden an das Vorweisen von Tests und Apps gekoppelt wird, so Mahrer im Gespräch mit Journalisten. Es werde noch lange dauern, bis Normalität einkehrt, und solange nicht großflächig geimpft werden kann, seien diese beiden Maßnahmen die Wellenbrecher.

Massiver Wirtschaftseinbruch

Mit Stand 15. Dezember wurden bisher knapp 29 Mrd. Euro an Wirtschaftshilfen gewährt bzw. ausbezahlt. Der Löwenanteil von 9,4 Mrd. Euro wurde für die Kurzarbeit aufgewendet. Einen verhältnismäßig geringen Anteil hatten die Zahlungen für den Fixkostenzuschuss (411,2 Mio. Euro) und den Härtefallfonds (821,5 Mio. Euro).

Der Wirtschaftseinbruch in Österreich durch die Coronakrise im heurigen Jahr wird mit rund siebeneinhalb Prozent BIP-Rückgang massiv sein. Für kommendes Jahr rechnen die Experten von Wifo und IHS mit 3,1 bis 4,5 Prozent Wachstum, sollte es nicht zu einem weiteren Lockdown kommen. Denn dann könnte Wachstum 2021 aus Sicht des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) auf 2,5 Prozent statt 4,5 Prozent abgebremst werden.

Die Arbeitslosenrate, die 2019 nach nationaler Rechnung 7,4 Prozent betrug, dürfte heuer nach Einschätzung beider Institute auf 9,9 Prozent klettern und 2021 mit 9,3 (Wifo) bzw. 9,7 (IHS) Prozent sehr hoch bleiben. Nach 0,7 Prozent Budgetüberschuss gemessen am BIP im Vorjahr dürften heuer 10,1 bzw. 10,7 Prozent Budgetabgang ins Haus stehen, 2021 dürfte das Minus 5,5 bzw. 6,4 Prozent betragen, übernächstes Jahr 3,0 Prozent, sind sich die Fachleute momentan einig.

(APA/Red)

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