02.05.2022

Grüß sie, Franz, Herr Franz!

Willy Zwerger hat in seinem neuen Gastro-Wochenrückblick eine Idee, wie man das Trinkgeld steigern kann.

Unlängst blieben meine umtriebigen Augen bei einer Studie hängen, die mir unter anderem mitteilte, dass Kellnerinnen, Ober und andersartiges Servierpersonal immer dann mit Trinkgeld überhäuft werden, wenn sie sich bei der jeweiligen Erstbegegnung mit dem Gast höflich und brav mit ihrem Namen vorstellen. Soll heißen: Der anonyme Herr Ober oder das namenlose Fräulein bleiben bei der Vergabe des Trinkgelds irgendwie auf der Strecke, ist der Zusatzverdienstbeutel ein lange nicht so prall gefüllter wie jener der namensmäßig zuordenbaren Kolleginnen und Kollegen. Kleiner sidestep: Wir kennen das ja vom Bankschalter respektive von einigen Behördenbesuchen. „Sie sprechen mit Herrn Pospischil“ steht da sehr oft laut und deutlich auf einem Schild. Den Zusatzsatz „Aber er nicht mit Ihnen“ trauen sich mittlerweile nur mehr jene dazufügen, deren wichtigste Mahlzeit der Clown ist. Aber das nur so nebenbei.

Das höfliche Vorstellen mit Namen, gepaart mit einem freundlichen Lächeln, wirkt sich jedoch nicht nur positiv aufs Trinkgeld aus, sondern in den meisten Fällen auch auf den Umsatz. „A Kaffetscherl geht no“, denken sich da sicher viele Gäste, wenn der Herr Franz fröhlich fragt „Haben gnä Herr noch ein Wunscherl?“ oder Frau Beate ob sie noch irgend etwas bringen dürfe.

Kommunikationstechnisch hat im übrigen das Vorstellen mit – wohlgemerkt merkbarem und aussprechbarem – Namen einige weitere Vorteile. Also, wer sich mit Wrtlbrnft vorstellt wird bei den Gästen etwas weniger gut ankommen, als einer den man ruhig Tobi nennen darf, obwohl er Thorsten-Hans-Friedrich heißt. Oder eben Franz.

Die Reaktion der Gäste ist nach der begrüßungstechnischen Vorstellungsrunde ziemlich ähnlich. Sie fühlen sich bemüßigt, ebenfall ihren Namen zu sagen um so dem sie bedienenden Personal mitzuteilen „Gegn a klans Tratscherl hob i nix einzuwenden“. Und schon könnte das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden, zumindest jedoch zu einer amüsanten Begegnung mit hohem Wiederholungspotenzial. Es soll sogar schon des öfteren vorgekommen sein, dass der eine oder die andere Gästin den persönlichen Betreuer zu Gegeneinladungen gezwungen hat. Da wurde dann gegrillt auf Teufel komm raus, der ansonsten Verwöhnende selbst verwöhnt und mit heiterem Grillgut zugeschüttet, wurscht ob Vegetarier oder gar Veganer. Allerdings alles ohne Trinkgeld. Einem anerkennenden Pfiff vielleicht, aber sonst nix. Applaus eventuell.

Bei der nächsten Begegnung im Kaffeehaus und somit wieder im Alltagstrott genügt dann oft ein freundlicher Blick und ein Nicken, der Gast weiß, wie „sein“ Ober heißt, der Herr Franz wiederum weiß was „sein“ Gast will und somit ist alles klar, zumindest für das kulinarische Intro. Was dann folgt, kann durchaus überraschen. Und zwar beide. Den Herrn Franz respektive die Frau Beate insofern, weil der Gast aus lauter Jux, Tollerei und Sympathie bereits vormittags den Midnight-Cocktail bestellt, und den Gast, weil dieser vom Herrn Franz – oder eben von der Frau Beate – die Antwort bekommt „Tut mir leid, aber den Midnight-Cockteil gibts erst, wenn die Luft draußen dunkel wird. Ich könnte Ihnen aber anstatt diesem einen lauwarmen Kakao bringen. Mit Haut.“ Und dann lachen alle herzhaft. So können Arbeitswochen beginnen. Oder enden. Je nachdem.

redaktion(at)hotelundtouristik.at
 

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