01.02.2021

GV-Austria warnt vor Alleingang bei Herkunftskennzeichnung

Obwohl sie in die Gespräche eingebunden war, befürchtet die Interessensgemeinschaft einen massiven bürokratischen Mehraufwand sollte die Herkunftskennzeichnung, wie vom Gesundheitsministerium vorgeschlagen, so kommen.

Die GV-Austria ist eine Interessensgemeinschaft von Großküchenbetreibern und Caterern, deren Gründer und Präsident der Badener Großküchenplaner Manfred Ronge ist. In dieser Funktion hat Ronge auch maßgeblich an der Schaffung eines Verordnungsrahmens für die EU-weite Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln mitgearbeitet. Allerdings musste der Planer und Berater nun ernüchtert feststellen, dass diese erarbeiteten Regelungen aus EU-rechtlichen Gründen nicht umgesetzt werden können. Nichts desto trotz hält das grün regierte Gesundheitsministerium an diesem Regelwerk und will dennoch durchsetzen.

Was naturgemäß den Unmut von Mitautor und GV-Vertreter Ronge hervorruft, wie er in einem HGV PRAXIS-Gespräch betont: „Die gesamte Branche der österreichischen Gemeinschaftsverpfleger, das sind Betreiber von Küchen in Kantinen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schulen, Kindergärten und Mensen, genauso wie Kasernen, Justizanstalten, fürchtet nun eine nationale Regelung – quasi einen österreichischen Alleingang –, die den Kantinenbetreibern in dieser wirtschaftlich schwierigen Situation nun vollkommen den Boden unter den Füßen wegzieht.“

„Machbare Wege einfach vom Tisch gewischt“

Wobei die Divergenzen gar nicht so sehr in der Sache selbst begründet liegen, zumal die österreichische GV bereits jetzt schon einen sehr hohen Anteil an heimischen – sprich – regionalen Lebensmitteln verarbeitet. So verarbeiten die Mitgliedsbetriebe der GV-Austria bei Rindfleisch 95 Prozent aus heimischer Herkunft. Ronge warnt vielmehr von einem zusätzlichen bürokratischen Aufwand und sieht sich auch als Mitverhandler der Regelungen nicht ernst genug genommen, wie im HGV PRAXIS-Gespräch deutlich wird: „Hier wurden die Gespräche der Vergangenheit vollkommen negiert, die machbaren Wege vom Tisch gewischt und besonders komplizierte und wettbewerbsverzerrende Regelungen hinter verschlossenen Türen geschmiedet.“

„Ein Alleingang ohne jede Branchenkenntnis“

Ronge betonte weiters, dass seitens der GV-Austria mehrfach gangbare, nachvollziehbare, transparente und administrierbare Lösungen vorgeschlagen wurden. Dazu zählt beispielweise die einfache Angabe eines Prozentsatzes sowie eine nachvollziehbare Auszeichnung, wie hoch der Anteil heimischer Lebensmittel ist. Diese können nach einer Vorbereitungsphase von rund sechs Monaten jederzeit zum Einsatz kommen und sind bereits jetzt erfolgreich in ausgewählten Betrieben am Laufen. Abschließend beklagt der Berater gegenüber HGV PRAXIS: „Alle bisherigen Abstimmungsgespräche zwischen unseren Großküchenbetreibern, der Landwirtschaft, dem Handel und dem Gesundheitsministerium waren betont konstruktiv und es ist unverständlich und auch inakzeptabel, dass jetzt – inmitten einer existentiell gefährdenden Krise – nationale Alleingänge ohne Mitspracherecht der betroffenen Branche und ohne jede Branchenkenntnis getroffen werden.“

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