18.02.2021

Heftige Expertenkritik am „Endlos-Lockdown"

In der Hotellerie und Gastronomie wächst die Kritik an den Entscheidungen der Bundesregierung. Die Tourismusberatungsgruppe und -Steuerberatung Prodinger bezeichnete die Entscheidungen als "nicht mehr nachvollziehbar".

Niemand könne mehr nachvollziehen, dass es sich jetzt zum wiederholten Male um die „epidemiologisch wichtigsten Wochen“ handeln soll, spielt Prodinger auf Ausführungen von Vertretern der Bundesregierung aus ÖVP und Grünen an. Aussagen wie „vielleicht Ostern“ machten jede seriöse Planung unmöglich. Das Konzept des Reintestens finde keine Beachtung.

„So oder so sei der Winter ein Totalausfall und der Ausblick auf das Frühjahr ebenfalls alles andere als rosig“, so Christoph Magauer, Geschäftsführer der Prodinger Steuerberatung. Die EU habe es bei der Impfstoffbeschaffung verabsäumt mit Kompetenz aufzuzeigen. Die Corona-Hilfsmaßnahmen seien bürokratisch dermaßen aufgebläht, dass man vom Anliegen der schnellen und unbürokratischen Hilfe weit entfernt sei. „Die Themen der Nachkontrollen sind haarsträubend!“, beklagt Magauer.

Finanzielle Basis der Betriebe stärken

Viele Betriebe hätten in der derzeitigen Situation ihre Sicherheit in Planung und Betriebsführung verloren. Der Tourismus sei unverschuldet in eine gewaltige wirtschaftliche Krise geschlittert. Aus dieser werde man sich realistischer Weise erst im Jahr 2022 „herausimpfen“ können. „Daher müssen jetzt die Rahmenbedingungen geschaffen werden, um zusammen mit den notwendigen Hilfsmaßnahmen die betriebswirtschaftliche und finanzielle Situation der Hotelbetriebe abzusichern“, betont Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung. Es gelte vor allem die finanzielle Situation der Unternehmen durch Stärkung der Eigenkapitalbasis rasch zu verbessern (stammgast.online hat berichtet). 

Durch die Bewertung von Grund und Gebäude mit dem Verkehrswert statt dem Buchwert ließen sich die tatsächlichen Vermögenswerte in den Jahresbilanzen darstellen, betont man bei Prodinger. Damit kann die Bilanz das echte Eigenkapital ausweisen. Die Bonität wird gestärkt und die Abschreibungsbasis erhöht. „Mit einem Viertel-Steuersatz wird das Vermögen bis zu einer befristeten Übergangsregelung bis 31. Dezember 2022 aufgewertet. Wird innerhalb von sieben Jahren verkauft, kommt die volle Steuer zur Anwendung“, fasst Manfred Schekulin, Geschäftsführer der Prodinger Steuerberatung, die konkreten Vorschläge zur notwendigen Unterstützung der Betriebe zusammen.

Warten auf Auszahlungen

Die Prodinger Beratungsgruppe betreut mehr als 500 Hotelbetriebe in Österreich. „Es gibt immer mehr ergreifende unternehmerische Schicksale, die uns zu Ohren kommen. Sie alle zeigen, dass das Vertrauen in die Politik aufgebraucht ist“, hält Reisenzahn nochmals fest.

Auszahlungen aus den Corona-Hilfsmaßnahmen (hier ein Überblick zum Download) dauern viel zu lange und bringen die Betriebe extrem in Bedrängnis. Gegenseitige Abhängigkeiten der Maßnahmen bzw. Ausschließungen sind auch für Steuerexperten sehr schwer zu managen und bremsen einander gegenseitig aus, weiß der Chef der Prodinger Tourismusberatung. Hinzu kommt, dass die Antragsfristen, wie etwa beim Umsatzersatz, sehr kurz sind. Es gibt immer wieder neue Regelungen bei den Hilfsprogrammen und oft andere Anspruchsvoraussetzungen. Beispielsweise liegt der Umsatzrückgang beim Ausfallsbonus bei 40 % und beim Fixkostenzuschuss II bei 30 %. „Das macht die Abwicklung extrem kompliziert und unübersichtlich.“

Die Branche beklagt in einigen Bundesländern seit Monaten zudem die zögerliche Auszahlungen aus dem Epidemiegesetz, das den Betrieben zwei Wochen des Verdienstentgangs für den März 2020 zugesteht, erinnert Schekulin an eine entsprechende Verordnung: „Die Auszahlung ist außer Streit gestellt, nur das Geld ist ist bis dato nicht eingelangt. Wer eine hundertprozentige Schließung anordnet ist auch zu hundert Prozent dafür verantwortlich und muss sich auch um die Begleichung der Rechnung kümmern.“

tourismusberatung.prodinger.at/

 

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