05.05.2022

Heiße Diskussionen um Gründe für den Arbeitskräftemangel

Die Arbeiterkammer sieht die Personalproblematik in der Gastronomie und Hotellerie großteils hausgemacht. Die Hoteliervereinigung bezeichnet die immergleichen Schuldzuweisungen als "grundfalsch".

Man kennt es schon, Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter bekommen sich beim Thema Mitarbeiter in die Haare. Jüngster Auslöser ist einmal mehr die Arbeiterkammer Oberösterreich, die mit einer neuen Analyse aufwartet. Beim Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer kommen die Gastro- und Hotelbranche regelmäßig nicht besonders gut weg. Zeit- und Arbeitsdruck sowie schlechte Gesundheitsbedingungen werden demnach als belastend gesehen. Die im Gastronomie- und Tourismusbereich üblichen Arbeitszeiten mit häufigen Nacht- bzw. Wochenenddiensten erschweren die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Auch die fehlende Planbarkeit von Dienstzeiten macht den Beschäftigten zu schaffen.

Arbeitsrechtliche Verstöße würden an der Tagesordnung stehen, behauptet die AK. Mit Ausnahme des Coronajahres 2021 hatte die Branche in den letzten Jahren den größten Anteil an Rechtsakten in der Arbeiterkammer Oberösterreich. In den Jahren 2013 bis 2020 seien jeweils pro Jahr rund 15 Prozent aller abgeschlossenen Rechtsakte auf den Bereich der Gastronomie und Hotellerie gefallen, obwohl nur drei Prozent der unselbstständig Beschäftigten in Oberösterreich in dieser Branche arbeiten würden. Das Zentral-Arbeitsinspektorat hat demnach für die Zeit vor der Coronapandemie (2019) in Österreich 3.544 Übertretungen im Bereich der Arbeitszeitregelungen festgestellt, von denen 1.155 auf die Gastronomie und Hotellerie entfielen.

Die Arbeiterkammer sieht die Personalproblematik in der Gastronomie und Hotellerie daher großteils hausgemacht. Als „bequeme Ausrede“ für die hausgemachten Probleme diene der vermeintliche allgemeine Fachkräftemangel, kritisierte AK-OÖ-Präsident Andreas Stangl. Gründe seien hingegen niedrige Löhne und Gehälter, eine geringe Arbeitszufriedenheit, die höchste Quote an Lehrabbrüchen und viele Verstöße gegen das Arbeitsrecht. Insgesamt würden 44,6 Prozent der Lehrlinge in diesem Bereich würden die Lehre vorzeitig abbrechen oder nicht positiv abschließen. Das Medianeinkommen in Österreich sei 2020 bei 2.435 Euro brutto im Monat gelegen. Beschäftigte in der Gastro- und Hotelbranche hätten hingegen 2020 ein Medianeinkommen von 1.650 Euro brutto gehabt, laut Analyse der AK.

ÖHV: „AK OÖ auf dem falschen Dampfer“

„Eine Themenverfehlung der Sonderklasse“, analysiert hingegen ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer die Analyse der AK Oberösterreich zum Tourismusarbeitsmarkt: „Dass Nachfrageschwankungen sich auf den Mitarbeiterbedarf auswirken, wird der AK nicht unlogisch erscheinen“, verweist Gratzer etwa auf Eissalons und Maroniverkäufer: „Wenn der AK-Präsident die ganzjährig beschäftigen will, werden die Preise für Eis und Maroni explodieren. Und dann kann die AK Presseaussendungen über Preisanstiege bei Eis und Maroni aussenden. Es ist das immer gleiche Spiel. Weil es offenbar zu mehr nicht reicht und an grundlegendem Verständnis fehlt, wie Märkte funktionieren.“

Dass von der AK Oberösterreich trotz Einladung zum kürzlich zu Ende gegangenen ÖHV-Kongress niemand erschienen sei, zeige laut Gratzer, dass „es ganz offensichtlich nur um billige Stimmungsmache und um sonst gar nichts geht ... Die AK kann nur undifferenziertes Branchenbashing und hat seit vielen Jahren damit nichts erreicht.“ Die AK Oberösterreich könne – so wie es in anderen Bundesländern geschieht – an Projekten etwa im Bereich der dualen Ausbildung konkret an der Verbesserung der Situation der Auszubildenden und Beschäftigten mitwirken.

Mehr Lohn, weniger Steuer

Die Arbeitnehmervertreter fordern jedenfalls unter anderem eine bessere Bezahlung im Gastronomie- und Tourismussektor sowie Änderungen im Arbeitszeit- und Arbeitsruhegesetz. Geht es nach der AK, sollen Unternehmen im ersten Monat der Arbeitslosigkeit die Kosten für das Arbeitslosengeld übernehmen. Damit könne der Praxis des kurzfristigen Kündigens und Wiedereinstellens entgegengewirkt und Anreize für längere Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden.

Die ÖHV hebt wiederum die im internationalen Vergleich extrem hohen Abgabenquote im Land von 42,5% (im EU-Durchschnitt sind es 36,4%) hervor, laut WIFO-Analyse liegt die effektive Abgabenlast auf Arbeit bei 41,7%. Das ist der zweithöchste Wert in der EU, deutlich über dem Durchschnitt der EU28 von 34,2%. „Setzen wir da an, sehen wir zu, dass die Österreicher:innen wieder mehr in die eigene Tasche statt ins System arbeiten. Die AK könnte einen Anfang machen, ihre Pflichtbeiträge reduzieren und so sinnlose Studien gleich als erstes einsparen“, so Gratzer.

(Red/APA)

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