10.09.2020

"Hier fühle ich mich wohl"

Mehrere Jahrzehnte lang im selben Betrieb zu arbeiten, ist heutzutage selten geworden. Erwin Schurtl aus dem Parkhotel Pörtschach ist so eine treue Seele. Er ist als Restaurantleiter und Sommelier für mehr als 40 Beschäftigte verantwortlich. 

Man kennt sich, man mag sich. Der gebürtige Bad Eisenkappeler Erwin Schurtl ist seit 30 Jahren im Parkhotel mit an Bord, die Wiedersehensfreude mit den vielen Stammgästen ist stets ehrlich. Die letzten Wochen und Monate waren für den Serviceleiter und das ganze Team herausfordernd, im Gegensatz zu anderen Regionen Österreichs brummt am Wörthersee jedoch das Geschäft.

Hotel & Touristik: Herr Schurtl, in Zeiten wie diesen lautet die erste Frage stets wie geht es dem Betrieb, wie geht es Ihnen?
Erwin Schurtl: Wir haben einen Monat später als geplant aufgesperrt, erst am 29. Mai. Die Lage war sehr angespannt, weil wir nicht wussten, was im Sommer passiert. Zum Glück ist das Hotel „richtig“ gut gebucht, anscheinend wollen heuer alle an den Wörthersee. Geschäftsmäßig ist die Lage bei uns also großartig. 
Persönlich bekommt man ein mulmiges Gefühl, wenn man in den Zeitungen von Corona-Fällen in Tourismusorten und Hotels liest. Als Führungskraft muss man vorausdenken, was bei einem Fall zu tun wäre. Wir haben im Hotel die Lage jedenfalls gut im Griff und tun alles, damit nichts passiert.

Müssen Sie deshalb bestimmte Dinge anders anpacken als bisher gewohnt?
Selbstverständlich ist es durch die ganzen Vorsichtsmaßnahmen anders geworden: Abstand halten, desinfizieren, Masken tragen – wobei wir tolle Masken haben, die uns bei der Arbeit nicht beeinträchtigen. Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist sehr gut, alle sind zufrieden mit der bisherigen Saison. Besonders wichtig ist, dass sich auch unsere Gäste bei uns sehr wohl und sicher fühlen.

Sie sind schon lange in der Branche. Wenn man die Situation der letzten Monate außer Acht lässt, wie hat sich die Arbeitswelt in der Gastronomie und Hotellerie verändert?
Meine persönliche Empfindung? Für mich ist die Gastronomie vor dreißig Jahren sehr vergleichbar mit heute. Die persönliche Betreuung war damals gefragt und ist es heute umso mehr, vor allem bei unseren vielen Stammgästen. Ich arbeite gern, möchte die Gäste zufriedenstellen und tue mein Bestes, damit wir unsere Stammgäste behalten und neue dazugewinnen. 
Einen Unterschied gibt es beim Buchungsverhalten im Hotelbetrieb, denn früher hat der Gast für 14 Tage ein halbes Jahr vorausgebucht, heute bucht er für eine Woche bei uns erst drei Tage voraus. Die Arbeitszeiten haben sich sicherlich geändert, es ist alles planbarer geworden. Im Parkhotel gibt es für die Mitarbeiter eine 5-Tage-Woche und wir wissen genau, wann wir Freizeit haben und auf Urlaub gehen können.

Haben sich die Gäste und die Gästewünsche verändert?
Die Gästewünsche sind dieselben, persönliche Betreuung und Regionalität war auch früher schon gefragt. Damals war jedoch Unterhaltung großgeschrieben, wir hatten Livemusik im Haus, die Nachfrage gibt es heute nicht mehr. Die ganzen Feste übers Jahr sind aber geblieben. Bei den Gästen selbst beobachten wir, dass das Publikum jünger wird; aber vielleicht ist das nur eine Empfindung von mir, weil ich älter werde (Anm.: lacht). 

Sie haben in mehreren bekannten Häusern gearbeitet. Was ist für Sie bei der Arbeitsplatzwahl entscheidend?
Seit zehn Jahren bin ich fix im Parkhotel Pörtschach, 20 Jahre lang war ich immer in der Sommersaison beschäftigt und habe dabei Abteilungen geführt wie das Palmenrestaurant, das Strandrestaurant und die Palmenbar. Im Winter war ich häufig auf Saison in Oberlech, Ischgl, Saalbach-Hinterglemm, Bad Gastein. Bei einem Betrieb dort war ich 17 Jahre lang, in einem anderen acht Jahre lang. Wo ich mich wohlgefühlt habe, da bin ich länger geblieben. Im Parkhotel fühle ich mich sehr wohl. Es ist eine Regelmäßigkeit da, eine Beständigkeit, die Eigentümer sind toll, meine Lebenspartnerin arbeitet ebenfalls in diesem Haus. Und es ist ein sicherer Arbeitsplatz, an dem Mitarbeiter wertgeschätzt werden. 

Das Hotel hat ebenso einen guten Ruf als hervorragende Ausbildungsstätte. Macht Sie das stolz?
Ja, das macht mich schon stolz. Ich bilde derzeit acht Lehrlinge aus, viele junge Leute bleiben nach der Lehrzeit bei uns oder kommen nach einigen Jahren mit mehr Berufserfahrung zurück. Ich kann es gar nicht beziffern, aber wirklich viele Ex-Lehrlinge arbeiten bei uns im Team. Das ist ein tolles Zeichen.

Ist es für den Betrieb aufgrund der vorhin genannten Pluspunkte leichter, neue Mitarbeiter zu bekommen?
Neue Mitarbeiter mit guter Qualität zu bekommen, ist sehr schwierig geworden. Es gibt schon einige Leute am Markt, aber die Qualität hat definitiv nachgelassen. Wir haben viel Eigenbau, aber wir sind abhängig von ausländischen Arbeitskräften. Trotzdem ist das Parkhotel Pörtschach in der glücklichen Lage, immer genügend Mitarbeiter im Stammteam zu haben, der Rest ist Fluktuation. 

Muss man mehr bieten als früher?
Früher stand das Geldverdienen an erster Stelle, die Freizeit ist jetzt wichtiger. Die 5-Tage-Woche ist sehr interessant für die Mitarbeiter und dass wir die Arbeitszeiten gut einhalten können; wobei jeder versteht, dass in der Hauptsaison mehr zum Anpacken ist.  Wir können im Parkhotel quasi einen Ganzjahresjob bieten, geöffnet ist von April bis Jänner. Für die älteren Mitarbeiter ist das ideal. 

Die Krise wird Betriebe und Arbeitsplätze vernichten. Glauben Sie, dass es für Betriebe wie das Parkhotel Pörtschach bei der Mitarbeitersuche deshalb leichter wird?
Es wird sicher viele Bewerbungen geben und man wird die Wahl haben. Ob die Qualität dann passt, ist eine andere Frage. Wichtig ist, dass jene, die sich für diesen Beruf entscheiden, das auch mit Herz machen – vor allem in der Gastronomie. Ich muss das wollen und wissen, dass ich auch einmal samstags und sonntags arbeiten muss und nicht bei Freunden oder Familie sein kann. Mir persönlich hat die Arbeit immer Spaß gemacht. 

An welchen Schrauben muss in der Lehrlingsausbildung allgemein noch gedreht werden, Ihrer Erfahrung nach?
In der Lehrlingsausbildung selbst braucht es Ausbildner, die das können. Wer kann gut ausbilden? Der selbst gut ausgebildet wurde. Ein Betrieb muss investieren, um gute Leute auszubilden, und es braucht Durchhaltevermögen: Ein Lehrling mit 15 Jahren ist noch keine vollwertige Arbeitskraft. Es braucht Geduld und Zeit. Ich glaube, daran hapert’s vielerorts.
 
Welche beruflichen Ziele verfolgen Sie noch?
Meine Ziele bleiben die gute Lehrlingsausbildung und es ist mir wichtig, viele Stammmitarbeiter halten zu können sowie neue dazuzugewinnen - dann tue ich mir leichter bis zur Pension (Anm.: lacht). Mir persönlich geht es wunderbar, die Arbeit macht Spaß. 

Danke für das Gespräch.
 

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