26.01.2022

Hilferuf der Hotellerie

Hotellerie-Branchensprecherin Susanne Kraus-Winkler fordert angesichts der Nächtigungszahlen 2021 und dem aktuell zurückhaltenden Buchungsverhalten das Ende der Einschränkungen und "punktgenaue" Hilfen.

Die Hotellerie kommt scheinbar nicht mehr aus der Abwärtsspirale. Am Mittwoch wurden 34.000 Corona-Neuinfektionen gemeldet, Österreich steckt mitten im Omikron-Tornado, auf dessen Abklingen muss man noch warten. Im Vorjahr gab es lediglich 79,57 Mio. Nächtigungen im Land, so wenige gab es zuletzt 1970 (stammgast.online berichtete). „Dass die Nächtigungen 2021 selbst im Vergleich zum Schreckensjahr 2020 weiter gesunken sind, zeigt klar, dass wir mehr denn je zielgerichtet Unterstützung benötigen“, kommentiert Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Die oberste Hotellerie-Vertreterin berichtet von der weiterhin anhaltenden, extrem angespannten wirtschaftlichen Situation der Branche: „Die Wertschöpfung sinkt derzeit stetig, die Kosten steigen und stehen - angesichts der geringen Auslastung und der vielen kurzen Aufenthalte - in keinem Verhältnis zu Umsatz und Personalbedarf pro Nächtigung. Unsicherheit und Kurzfristigkeit werden uns noch lange begleiten, dies führt bei vielen Hotels zu einer Anfrage-Stagnation.“ Auch die Verkürzung der Gültigkeit des Grünen Passes mit 1.2.2022 führe erneut zu steigenden Stornierungen, vor allem aus dem Ausland.

Große Cash-Flow-Probleme

Viele der Betriebe sind angezählt und kämpfen gerade jetzt mit großen Cash-Flow-Problemen. „Das trifft vor allem die Stadthotellerie und jene Hotels, die derzeit Nebensaison haben und - wegen des Lockdowns und der aktuellen Angst vor Omikron - so gut wie keine Buchungen verzeichnen bzw. auch im Herbst kaum Reserven aufbauen konnten“, erklärt Kraus-Winkler.

Der Staat habe bislang zwar das Schlimmste verhindert, aber diese Krise ist noch lange nicht zu Ende. Die viel zu frühe Sperrstunde, Mitarbeiterausfälle durch Quarantäne und stark steigende Preise für Lebensmittel und Energiekosten verschärfen die Situation zusätzlich. „Wir erwarten keine Almosen oder Subventionen, sondern zielgerichtete Unterstützung über das 1. Quartal 2022 hinaus“, fordert die Hotelière. Dringend angehen müsse man die für viele Betriebe noch ausstehenden Auszahlungen von Hilfen sowie praxistauglicherer Richtlinien ohne große Hürden.

Umsätze im Tourismus auf Talfahrt

Bestätigt wird diese Einschätzung über die prekäre Lage des für Österreich so wichtigen Wirtschaftszweiges durch weitere aktuelle Daten der Statistik Austria über die Umsatzentwicklung. Während im ersten Jahr der Corona-Pandemie (2020) der Umsatz der Gesamtwirtschaft in Österreich um 6,4 Prozent auf 781 Mrd. Euro sank, hatte der Tourismus mit einem Minus von 34,9 Prozent auf 19,3 Mrd. Euro eine deutlich schlechtere Entwicklung zu verkraften.

Ein Ende des Abwärtstrends ist nicht in Sicht. Denn gemäß den aktuellen Umsatzsteuervoranmeldungen der Bereiche Beherbergung und Gastronomie verbuchen beiden Sparten zusammen von Jänner bis Oktober 2021 ein Minus von 37,2 Prozent, 2020 waren es -27,1 Prozent.

Ende der Einschränkungen

Um die Hotellerie in dieser anhaltend schwierigen Situation auch mittelfristig zu unterstützen, gilt es, so Kraus Winkler, bestehende Hilfsmaßnahmen punktgenau anzupassen und zu verlängern - wie etwa Ausfallbonus, Verlustersatz, Saisonstartbonus und Kurzarbeit. Flankierend dazu gelte es, langfristige Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die für eine Rekapitalisierung und Stabilisierung der Branche sorgen, wie etwa einen Eigenkapitalfonds oder die Verlängerung der Laufzeiten der Überbrückungskredite.

„Trotz der enormen Herausforderungen, hat unsere Branche die Zuversicht und Hoffnung noch nicht verloren, Betriebe und Mitarbeiter stehen in den Startlöchern für einen erfolgreichen Restart. Damit das gelingt, müssen Einschränkungen, wie die verkürzte Sperrstunde dringend fallen und Unterstützungen für jene Hotels, die es brauchen, so lange wie nötig fortgesetzt werden“, appelliert Kraus-Winkler.

(Red)

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