12.06.2020

Hoteliers fordern Konjunkturoffensive

Eine merkliche Lohn- und Umsatzsteuersenkungen als Herzstück des Konjunkturpakets kann Stimmung und Arbeitsplätze retten, betont die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV). Generell brauche es jetzt eine kluge Konjunkturoffensive.

ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer erwartet sich von der Regierungsklausur ein auf Österreichs hohe Tourismusintensität und KMU-Dichte hin maßgeschneidertes Konjunkturpaket. „Je mehr Unternehmen, die ohne Corona wettbewerbsfähig wären, wir nun aus der Krise führen, umso mehr Arbeitsplätze retten wir“, skizziert sie die Erwartungen der Branche.

Wie das Maßnahmenpaket für den Tourismus und die Konjunkturoffensive im Detail aussehen wird, entscheidet, wie viele Arbeitsplätze es in den nächsten Monaten wieder geben wird. Aus Sicht der Tourismusbranche braucht es einen effektiven Maßnahmenmix:

  1. Kurzarbeit flexibilisieren und für schwer getroffene Branchen bis 2021 verlängern
  2. Verlustrücktrag und Kreditmoratorium ermöglichen, Fixkostenübernahme verlängern und auf investitionsintensive UiS ausweiten, gewinnabhängig rückzahlbare Zuschüsse lt. WIFO-Vorschlag, Pacht/Leasing aussetzen
  3. Lohn- und Umsatzsteuer merklich senken
  4. Eigenkapital bereitstellen und stärken etwa durch Aufwertung von Betriebsvermögen 
  5. Abschreibungsdauer ab 2021 an betriebliche Nutzungsdauer binden
  6. Betriebsübergaben steuerlich erleichtern, Exitszenarien für Verlustbetriebe optimieren, Umwandlung von Hotelimmobilien in Wohnraum/Mitarbeiterhäuser fördern 

Neue Normalität mit schwerem Schuldenrucksack

„Die EZB hat ihr Corona-Konjunkturpaket auf 1,35 Billionen Euro erweitert, Deutschland ein eigenes, beeindruckend 130 Milliarden Euro schweres vorgelegt. Österreich wird von beiden profitieren, aber wir wollen nicht Passagier sein. Gestalten wir aktiv wohin die Reise in Österreich geht“, so Reiterer. 

Erste Erfolge der Lockerungsmaßnahmen wie die Rückkehr von 200.000 Kurzarbeitern in die Betriebe will die ÖHV-Präsidentin und Hotèliere weder kleinreden noch überinterpretieren, doch viele Ferien- und noch mehr Stadthotels haben einen beschwerlichen Weg vor sich und schleppen schwere Schulden mit. 

Die von der Regierung angekündigte Verlängerung des Fixkostenzuschuss, ein Kreditmoratorium und die Möglichkeit eines Verlustrücktrags für das Jahr 2020 seien zu begrüßen. Ein gelungenes Konjunkturpaket als Ergebnis der Regierungsklausur würde jedenfalls doppelt wirken, ist Reitterer überzeugt: „In der Gesamtwirtschaft ist eine gute Stimmung bekanntlich schon die halbe Miete. Im Tourismus sind es zumindest 80 Prozent!“

Urlaub im Inland boomt

Die Wiedereröffnung ist in vielen Fällen, vor allem in den Ferienregionen, positiv verlaufen, betont man bei der ÖHV. Schwieriger gestaltete es sich in den Städten: Die Betriebe haben mit niedrigen Auslastungen zu kämpfen, eine Situation, die sich auch nicht so bald ändern wird. Hier braucht es maßgeschneiderte Hilfsangebote für die Unternehmen. 

Generell ist die Nachfrage nach Urlaub in Österreich aber gut: Laut Analyse von ÖHV und WIFO verbringen 2/3 der Österreicher, die auch im Vorjahr auf Urlaub waren, ihn heuer im Inland. 1/3 derer, die ihn im Ausland verbracht haben, buchen heuer Österreich – und die Aufenthaltsdauer könnte sich sogar verdoppeln. Selbst das Potenzial von 9 Prozent Unentschlossenen sieht Reitterer positiv: „Die werden wir auch noch überzeugen!“ 

Die gesamten Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier zum Download!

 

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