24.04.2020

Hoteliers verlangen Klarheit

Noch sind die heimischen Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen wegen der Coronakrise per Verordnung geschlossen. Die Quartiergeber stehen betreffend Sommersaison vor einem Dilemma.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger hat ein schrittweises Wiederhochfahren von Gastronomie und Hotellerie ab Mitte Mai in Aussicht gestellt. Details dazu gibt es vorerst noch keine.

Demzufolge sind die heimischen Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen noch geschlossen. Das Dilemma: "Die Hotels sind teilweise ausgebucht, aber mit Gästen, die vielleicht gar nicht kommen", sagte der Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Martin Stanits, mit Blick auf die Grenzschließungen zur APA.

Es gebe zwar Sommerbuchungen - etwa von deutschen Urlaubern -, aber keinerlei Szenarien für die teilweise Öffnung der Grenzen oder das Wiederöffnen der Betriebe. Die Hoteliers bräuchten jetzt dringend eine gewisse Planungs- und Rechtssicherheit - einen genauen Stufenplan", betonte Stanits.

Viele Fragen sind noch offen

"Wir müssen auch wissen, wie die Hotels öffnen können, unter welchen Umständen und was sie bei der Öffnung beachten müssen - seien es Tischabstände, Markierungen am Boden, Desinfektionsmittel oder Masken", verdeutlichte der Branchensprecher. Ganz entscheidend sei auch die Belegung der Zimmer und der Restaurantflächen. "Wie viele Gäste dürfen wir einbuchen?"

Auch Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des WKO-Fachverbandes Hotellerie, betont gegenüber Stammgast.Online noch ein Mal deutlich: „Wir müssen einen konkreten Zeitpunkt wissen, an dem die Hotels aufsperren dürfen, den jeweiligen Zeitpunkt der Öffnung der einzelnen Betriebe werden die Hoteliers dann nach bestem Wissen und Gewissen wählen.“ Denn in Österreich gibt es so viele verschiedene Regionen, Betriebsarten und Saisonvarianten, die jeder Betrieb für sich bewerten muss. Doch die Gewissheit und Planungssicherheit müsse dringend gegeben sein. „Zwei bis drei Wochen Vorlaufzeit und Planung müssen die Hoteliers schon haben.“ Natürlich stehe die Gesundheit der Mitarbeiter und Gäste nach wie vor an erster Stelle, doch „es braucht eine Balance zwischen Gesundheit und Wirtschaftlichkeit“, so Kraus-Winkler.

Mehr deutsche Gäste als heimische

Zur Orientierung bräuchte die Branche genau definierte Szenarien, zum Beispiel ab welchem Rückgang der Infektionen die Betriebe weiter öffnen können bzw. die Grenzschließungen für die internationalen Gäste gelockert werden können. "Der deutsche Quellmarkt ist der wichtigste", vermerkte Stanits betreffend der Dringlichkeit von offenen Grenzen zu Deutschland. Jeder zweite internationale Gast kommt von dort. "Wir haben mehr deutsche Urlauber als österreichische."

Derzeit besteht durchaus bereits Nachfrage von Urlaubern aus Deutschland, was gut ist, aber derzeit gleichzeitig schwierig: Denn die Hoteliers wüssten derzeit noch gar nicht, welche Zimmer verfügbar seien. Bleiben die Grenzen zu, sind die deutschen Buchungen dahin, die inzwischen aber an österreichische Urlauber verkauft hätten werden können. "Die Hotels haben Buchungen von deutschen Gästen - das beginnt schon im Mai und geht über den ganzen Sommer -, gleichzeitig haben sie Anfragen von österreichischen Gästen", umriss der ÖHV-Sprecher die aktuelle Lage. "Die Hoteliers könnten den deutschen Gast auch gar nicht stornieren - das kann nur der deutsche Gast", erklärte Stanits die Rechtslage. Ein genauer Termin, wie lange die Grenzen nun fix dicht sind, wäre also hilfreich.

„Wir brauchen Klarheit“

Betreffend Grenzöffnungen in Europa ist nun die EU gefordert. Diese hat Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) in ihren Bemühungen um bilaterale Länderlösungen, etwa mit Deutschland, bereits zurückgepfiffen. "Wir brauchen jetzt Klarheit - die EU, die das übernommen hat, muss in die Gänge kommen", so der Sprecher der Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie.

Die EU wolle europaweit Gleichheit. Dazu schlägt die ÖHV "gleiche Prinzipien" vor, beispielsweise genau Werte betreffend Infektionszahlen, ab denen ein schrittweises Öffnen erlaubt ist. "Bei definierten Grenzwerten, ab wann man öffnen darf, muss nicht auf das letzte EU-Land gewartet werden", so Stanits.

Kraus-Winkler betont zudem, dass die Hotels die Gäste gut managen können, besonders die so wichtige Sommersaison sei ja von Natur aus eine „Outdoor-Saison“, Abstand der Liegen auf den Wiesen ist einzuhalten, auch Verhaltensempfehlungen an die Gäste seien kein Problem, auch habe man der Bundesregierung bereits ein Maßnahmenpaket übermittelt. Doch: „es muss die Chance auf eine gute Dienstleistungserbringung geschaffen werden“, so die Obfrau und Hoteliére der Loisium BetriebsgmbH.

Alles wartet gespannt auf die für Dienstag geplante Pressekonferenz der Bundesregierung, die das weitere Vorgehen der Öffnung der Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe im Detail beschreiben soll. „Wir stehen in den Startlöchern und warten auf Startschuss.“

(apa/red)

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