08.04.2021

Hotels könnten öffnen, Mitarbeiter als Knackpunkt

Nur wenn bis Mitte Mai alle wichtigen Covid-Benchmarks erreicht und gehalten werden, würden zwei Drittel der Hotels wieder öffnen, so eine aktuelle Branchenbefragung der Hoteliervereinigung (ÖHV).

Jene Hotels, die laut Umfrage im Mai öffnen könnten, würden das nicht sofort und überall mit hoher Auslastung tun, betont ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer: „Das wäre auch ein Argument für eine zeitnahe sanfte Öffnung anstatt mit Vollgas in die Hochsaison zu gehen.“ Wirtschaftlichkeit müsse mit der Gesundheit Hand in Hand gehen, gerade nach der monatelangen Durststrecke auch für die Mitarbeiter. 

In Bezug auf die Öffnung braucht es endlich Vorgaben für die Rahmenbedingungen, wie Reinhold Hofmann, stellvertretender Geschäftsführer des Therme Laa Hotel & Silent Spa, betont: „Es wäre besonders hilfreich, wenn die Regierung konkrete Rahmenbedingungen für ein sicheres Öffnen nennt. Wir möchten unseren Gästen maximale Sicherheit bieten, die Umsetzung braucht aber Zeit.“
 
Gibt es genug Mitarbeiter?

Die Mitarbeiter entpuppen sich als Knackpunkt für den Restart: Vor der Krise beschäftigten die Hotels im Durchschnitt 63, für die Wiedereröffnung bräuchten sie 41. Durchschnittlich neun Mitarbeiter je Betrieb haben die Branche seit Beginn der Krise verlassen. Wichtig sei, die Zahlen richtig einzuordnen, so Gratzer: „Es ist auch ein Erfolg, einen so großen Teil der Mitarbeiter in einer so schwierigen Zeit so lange zu halten.“

Neben der Kurzarbeit (86,4%) setzten die Arbeitgeber vor allem auf Wiedereinstellungszusagen (61,4%) und Investitionen in Weiterbildung (43,4%). Für Peter Prisching, Geschäftsführer des AVITA Resort in Bad Tatzmannsdorf, ganz klar Chefsache: „Neben einer Überbezahlung schütten wir Treueprämien aus, fördern Aus- und Weiterbildung, bieten Aufstiegschancen im Unternehmen und setzen im Recruiting auf innovatives Onboarding.“
 
Zwei Probleme als Teil einer Lösung

Die ÖHV nimmt in dieser Frage aber auch die Politik in die Pflicht, deren gemeinsames Ziel mit der Wirtschaft sein müsse, die Mitarbeiterlücke zu schließen. Die hohe Arbeitslosigkeit ist auch ein Teil der Lösung: „Da gibt es bei den Arbeitgeber natürlich eine Erwartungshaltung. So wie der Öffentlchkeit das Verständnis dafür fehlen wird, bei so vielen offenen Stellen ein Heer von Arbeitslosen finanzieren zu müssen“, so Gratzer. Auf der Hand läge etwa die zielgerichtete Vermittlung von Airline-Mitarbeitern. „Mitarbeiter in den Tourismus hinein- statt hinausvermitteln muss die Devise sein. Da fügt sich eins ins andere.“
 
Überhaupt eröffne die Herausforderung für die Hotellerie Chancen für Bewerber, so der ÖHV-Generalsekretär: „Wer Erfahrungen in der Dienstleistung vorweisen kann, hat gute Chancen auf Anstellung in einem Qualitätsbetrieb. Zeit, den nächsten Karriereschritt zu planen.“.

Verlängerte Wiedereinstellungszusage wichtigster Hebel

Für 73,8% der befragten Hotels ist die Akzeptanz der Wiedereinstellungszusagen bis zum Ende des Lockdowns die wirksamste Maßnahme der Regierung zum Halten der Mitarbeiter, betonen die Branchenvertreter. Weitere Hebel: Zuschüsse für Qualifizierungsmaßnahmen (32,7%) und die rasche Auszahlung der Kurzarbeitsentschädigung. Auch dass die von der Bundesregierung gemeinsam mit der ÖHV entwickelte Erhöhung des Ausfallsbonus verlängert wird, sei ein wichtiger Puzzlestein, „solche Maßnahmen greifen am besten: rasche Liquidität ganz ohne Aufwand“, freut sich Gratzer.

Es müsse verhindert werden, dass mangelnde Liquidität die Wiedereröffnung gefährdet, so Gratzer: „Der Krise zeigt, wie wichtig ein gut funktionierender Tourismus für Österreich ist. Der Restart muss perfekt gelingen. Die Vorbereitungen für das Hochfahren des Wirtschaftsmotors Tourismus muss also für die Öffnungskommission höchste Priorität haben.“

(Red)

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