22.02.2021

Hüttenwirt schießt scharf

Investition total umsonst, leider nein heißt es für das „Schi-Drive-In“ mit Ökokonzept im Almtal. Hüttenwirt und Hotelier Hermann Hüthmayr aus Grünau ist mit seiner Geduld am Ende.

Hüthmayr ist Wirt und Hotelier praktisch von Geburt – jedenfalls mit Leib und Seele. Er hat seine gastronomischen Betriebe ganz oben am Kasberg, mitten im Skigebiet. So schnell bringt den Chef des Hochberghauses und der Kasbergalm in Grünau normalerweise nichts auf die Palme. Aber jetzt ist ihm die Hutschnur gerissen. Jetzt will, ja muss er etwas loswerden. „Alle gastronomischen Betriebe werden gleichbehandelt. Egal ob im Tal oder am Berg“, hat er von der Ministerin gehört. Genau das stimmt für ihn nicht. 

Gute Idee, tausende Euros investiert

Im November, zum Start des zweiten Lockdowns, plante und investierte er in ein „Schi-Drive-In“ auf der Kasbergalm auf fast 1.600 Meter Seehöhe. Geboten werden sollten „Waldness-Picknick-Boxen“ zum Tragen mit den eigenen Skistöcken, ökologischer Entsorgung und natürlich einem umfassenden Corona-Sicherheitskonzept mit Abstand, Maskenpflicht und extra modellierten Essplätzen. Mindestens 50 Meter entfernt von der Hütte, schließlich durften die großen Fastfoodketten im Tal so ihre Gäste bewirten. 

Dazu organisierte er noch eine „Take-Away-Base“ mit entsprechendem Sicherheits-Konzept und Lenkungssystem über die Toiletten hinaus im Hochberghaus. Alles war angerichtet, alles investiert. „Sogar Menüs hätte man punktgenau schon aus der Gondel heraus im Hochberghaus bestellen können,“ erzählt Hermann. Dann kam das endgültige „Leider nein“… „Es war als eine echte Innovation und als Vorzeigeprojekt für alle Skigebiete in Österreich gedacht. Dazu noch eine Investition von knapp 50.000 Euro,“ ist Hermann Hüthmayr schwer enttäuscht.

Manche sind gleicher

Enttäuscht ist er nicht nur davon, dass er seine Innovation nie seinen Gästen zur Verfügung stellen durfte. Vor allem, dass es aus unerfindlichen Gründen in Österreich zwei Kategorien von Gastronomiebetrieben gibt, stößt ihm schwer auf: Jene im Tal und jene am Berg nämlich. Jene, die sich privat für ihre Gäste und Mitarbeiter „einen Haxen ausreißen und alles tun, um allen Corona-Maßnahmen gerecht zu werden“, dann aber links liegen gelassen werden. Und er weist dabei eben etwa die Systemgastronomie hin, die sich das offensichtlich im Tal alles „gut richten kann …“

„Jetzt ist die Luft draußen bei mir. Seit 26. Oktober habe ich keinen Cent Umsatz mehr gemacht, keine Mitarbeiterin und keinen Mitarbeiter mehr gesehen. Keiner, weder die Politik noch unsere Standesvertretung in der Wirtschaftskammer, hat sich jemals die Mühe gemacht, die Praktiker über mögliche Vorgehensweisen bzw. machbare Umsetzung zu fragen“, schimpft Hüthmayr. 

„Ich habe mich auch auf die Frau Minister verlassen, als sie sagte, das „Take-Away“ sowohl im Tal wie auch am Berg erlaubt sein wird. Darauf habe ich meine Hoffnungen, meine positiven Aussagen gegenüber meinen Mitarbeitern und meine Investitionen ausgerichtet.“ Leider steht alles seit vier Monaten still – frisch gebaut und organisiert. Und es wird auch in diesem Winter nicht mehr in Betrieb gehen. Davon ist Hermann überzeugt. „Ich sperre sicher nicht mehr auf bis März!“

Das Klo im Spielwald

Der 66-Jährige ist jetzt aber auch wütend Nicht, weil sich die Skifahrer am Kasberg trotzdem bei seiner Hütte und beim Hochberghaus einfinden. „Bis zu 50 Personen an den Tischen im Freien sitzen unorganisiert zusammen – ohne Masken –, um aus ihren Rucksäcken Mitgebrachtes in der Sonne essen und trinken. Wo sollen die auch hin? Auf der Terrasse läuft alles wenigstens ordentlich ab. In den von mir extra aufgestellten Mülleimern wird entsorgt.“ 

Aber: „Ihre Notdurft verrichten die Skigäste dann mangels Alternativen in kleineren und größeren Mengen hinter dem Haus – in unserem Spielwald!“ Hermann Hüthmayr fragt sich zu Recht: „Wo sind die Praktiker und die Politiker? Wo sollen die Menschen in den Skigebieten ihre menschlichen Bedürfnisse ‚erledigen‘?“

Hermann wird sich nicht unterkriegen lassen, wird seinen Corona-gerechten Wald wieder sauber bekommen und möglichst früh im Frühjahr aufsperren. Wenn erlaubt. Aber die Vorgehensweise, die Logik der Maßgaben und Vorschriften versteht der Mitsechziger nicht. 

(Red)

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