06.09.2019

"Ich hab nicht damit gerechnet, Winzerin zu werden"

Die heurige Vineus-Gewinnerin Anna Faber-Köchl spricht mit Stammgast.Online über Auszeichnungen, einen alles ändernden Ausflug nach Norwegen und ihren Zugang zum Online-Weinhandel. Außerdem verrät sie ein Geheimnis.

Stammgast.Online: Was war ausschlaggebend für Sie, eine so leidenschaftliche Winzerin zu werden?
Anna Faber-Köchl: Das ist eine lustige Geschichte, denn ich habe erst in Norwegen zum Weinmachen gefunden. Ich bin zwar damit aufgewachsen, dass meine Mutter als Quereinsteigerin unseren Betrieb aufgebaut hat. Aber während meiner Schulzeit hätte ich nicht damit gerechnet, selbst Winzerin zu werden. Das hat sich geändert, als ich nach der Matura 3 Monate auf einem Bauernhof in Norwegen verbracht habe. Mir hat es gefallen, im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Dort, über 1.000 km vom Weinviertel entfernt, habe ich mich entschieden, Winzerin zu werden – und diese Entscheidung war die beste, die ich treffen konnte!
 
Was bedeuten Ihnen Auszeichnungen, was bringen sie wirtschaftlich?
Die Verleihung des VINEUS-Awards hat mir sehr viel bedeutet – vor allem wegen der großen Unterstützung, die ich bekommen habe. Es haben so viele Menschen für mich abgestimmt und von so vielen Seiten Zuspruch erhalten. Das war sehr berührend für mich und einfach ein tolles Erlebnis. Zudem ist der Award natürlich auch eine tolle Sache für unser Standing als Weingut. Viele Personen, die uns vorher nur flüchtig kannten, wurden dadurch auf uns aufmerksam. Grundsätzlich bin ich aber kein Mensch, der großen Wert auf Auszeichnungen legt – es gibt viele Winzer und Winzerinnen, die kaum Preise einheimsen, aber dennoch hervorragende Weine machen.

In welchem Gastronomie-Betrieb würden Sie Ihre Weine gerne sehen?
Natürlich in jedem! Aber wenn Sie schon so fragen, darf ich verraten, dass ich Vegetarierin bin. Daher würde es mir besonders gut gefallen, wenn Restaurants mit einem Fokus auf hochwertige vegetarische Speisen unseren Wein aufnehmen. Unsere Weißwein-Cuvée Köchl Verzeichnis 508 harmoniert beispielsweise hervorragend mit geräuchertem Tofu. Nach der Arbeit im Weingarten liebe ich es, daheim mit meinem Mann diese Kombination zu genießen.

Wohin oder wozu passen Ihre Raritäten besonders?
Was bei uns in der Familie besonders beliebt ist: Grüner Veltliner Saazen und Schnitzel. Hinter unserer Kellerei in Eibesthal halten wir in einem kleinen Freiland-Gehege selbst Turopolje-Schweine. Das Fleisch verarbeitet mein Vater, er macht daraus auch sehr gute Schnitzel. Am Sonntag kommt oft die ganze Familie zum Schnitzelessen. Da darf der Grüne Veltliner Saazen nicht fehlen.

Wie wichtig ist der Online-Verkauf für junge Winzer?
Das wird immer wichtiger! Das merke ich in meinem persönlichen Umkreis. Ich bin jetzt 28 Jahre alt. Meine gleichaltrigen Freundinnen und Freunde bestellen immer mehr online, auch ihren Wein – weil sie dort ein großes Angebot und viele Informationen vorfinden. Momentan nimmt der Online-Verkauf mit Wein erst eine kleine Rolle ein, aber dieser Paradigmenwechsel wird innerhalb der nächsten 10 Jahre auch die Wein-Branche erfassen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit anderen Winzern / Regionen im Weinviertel?
Sehr gut – bestes Beispiel dafür ist der Weinviertel DAC! Ich bin der Generation meiner Mutter dankbar, dass hier vor fast 20 Jahren eine starke Marke geschaffen wurde. Der Weinviertel DAC steht in ganz Österreich für einen typischen, gschmackigen Grünen Veltliner. Die Reserve-Linie beweist zudem, dass wir WeinviertlerInnen uns auch bei reiferen Weißweinen nicht vor anderen Weinbaugebieten verstecken müssen.

Welches Ihrer Produkte empfehlen Sie Gastronomen für die Wild/ Pilzsaison?
Auf jeden Fall unsere Rotwein-Cuvée Köchl Verzeichnis 507! Rotwein passt grundsätzlich gut zu Wild. Die Tanninstruktur des KV 507 bietet zudem ein gutes Rückgrat für den intensiven Geschmack der Pilze, überdeckt ihn aber nicht. Unsere Cuvée aus Zweigelt und Merlot ist das rote Pendant zu unserem Köchl Verzeichnis 508. Diese Cuvée-Linie haben wir in Anlehnung an Werke von Wolfgang Amadeus Mozart entworfen. Ich finde, Cuvéetieren und Komponieren sind sich sehr ähnlich, auch wenn Komponieren freilich bedeutend komplexer ist. In beiden Fällen schafft man aus einzelnen Komponenten ein harmonisches Ganzes – einmal aus Musiknoten, das andere Mal aus Rebsorten.

Über den Vineus Award

„Wir haben den Vineus Wine Award vor 10 Jahren aus der Not heraus ins Leben gerufen, weil wir als Großhändler kaum Zugang zu guten Weinen hatten“, plaudert Thomas Panholzer, Geschäftsführer von Transgourmet Österreich und Gastgeber der Gala in der prächtigen Ziegelhalle in der Metastadt in Wien. Der Großhändler wollte damals eine Plattform schaffen, um junge Winzer kennen zu lernen und ihnen eine Starthilfe in die Wirtschaftlichkeit zu geben. Der Verusch ist geglückt, bei der zehnten Ausgabe wurden wiederum vielversprechende Jungwinzer und Jungwinzerinnen ausgezeichnet, eine erfolgreiche und vielfältige Community rund um das Thema Wein hat sich inzwischen gebildet.

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