16.02.2021

Impfreisen: Vorsicht ist geboten!

Impfreisen, die gerade wie die sprichwörtlichen „ungesunden“ Schwammerl dort und da aus dem Boden schießen und medienwirksam als „einzige Chance, um aus dieser Krise zu gelangen“ angeboten werden, sind wohl keine probate Alternative. 

Dass die Impfstrategie der EU und die daraus resultierende Versorgung der Mitgliedsstaaten mit den benötigten Vakzinen zu Bekämpfung der Corona-Pandemie kein großer Wurf ist und dringender Verbesserungsbedarf besteht, hat mittlerweile auch die EU Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen erkannt und will mit „Schnellboot-Geschwindigkeit“ jetzt (endlich) ordentlich Fahrt aufnehmen. 

Gesellschaftlich wie wirtschaftlich ist die Zündung des Turbos dringendst notwendig, wie ein Blick auf die jüngste Erhebung von statista.com zur Länder-Durchimpfungsrate deutlich macht: 61 % der Menschen in Israel, 40 % der Seycheller, 40,1 % in den VAE, knapp 19 % in Großbritannien und bereits fast 13 % der Menschen in den USA stehen mickrige 3,8 % der bis dato geimpften Bevölkerung in der EU gegenüber.

Dass diese „Schnarchnasen“-Strategie, wie es Österreichs Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres gegenüber österreichischen Medien auf den Punkt brachte, bei vielen Menschen das „Gimpfte“ aufgehen lässt, ist verständlich.

Viele offene Fragen

Impfreisen.at von Christian W. Mucha (Verleger & Medieninhaber der MG Mediengruppe GmbH) sorgt mit „hart kalkulierten“ Pauschalreisen (lt. Eigendefinition auf impfreisen.at) in drei Preisklassen für Impfreisen nach Dubai, Ägypten und Israel für große Aufmerksamkeit, gleichermaßen für große Beunruhigung in der durch die Corona-Pandemie schwer getroffene Reisebranchen. Von jeher mit ihren Angeboten der Sicherheit, Seriosität und Qualität dem Kunden verpflichtet, fürchten die touristischen Leistungsträger um einen weiteren Reputationsverlust.

Berechtigt, denn die über impfreisen.at möglichen Vormerkungen für eine Impfreise in genannte Destinationen lassen viele Fragen offen. Wir haben dazu in der WKO/Fachverband Reisebüros und im Bundesministerium für Soziales, Gesundheit nachgefragt.

Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz:
„Da uns derzeit keine konkreten Details zu tatsächlichen Angeboten von sogenannten „Impfreisen“ vorliegen, können wir keine pauschalen Aussagen bezüglich der Qualität und Seriosität solcher Angebote abgeben. Prinzipiell regen wir hier aber zur Vorsicht an. Mit mehr als 24 Mio. bestellten Impfdosen wird in Österreich zudem heuer noch ausreichend Impfstoff für jede Person, die sich impfen lassen möchte, zur Verfügung stehen. Das Problem der derzeitigen Knappheit ist ein weltweites, eine Auslagerung der Impfung in ein anderes Land würde daher auch nur dieses Problem in ein anderes Land verschieben.
Gerade in Hinblick auf Online-Angebote von Impfstoff verweisen wir auf die aktuelle Warnung vor gefälschtem COVID-19-mRNA-Impfstoff „Comirnaty“ - BASG. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass im Fall von Impfstoffen, die in der EU nicht zugelassen sind, kein Anspruch auf Entschädigung laut Impfschadengesetz gegeben wäre.
Ein Impfnachweis im gelben, internationalen Impfpass wird grundsätzlich in allen Ländern weltweit anerkannt, sofern es sich um einen international anerkannten Impfstoff handelt. Für COVID-19 Impfungen gibt es derzeit noch keine spezifischen Anerkennungsprozeduren, jedoch laufen hier gerade unterschiedliche Gespräche auf internationaler Ebene. Derzeit liegen uns keine Daten dazu vor, wie viele Personen zum Zweck einer Impfung in ihr Heimatland zurückkehren.“

Die WKO/Fachverband der Reisebüros ließ uns ausrichten, dass es eine „große Ankündigung mit vielen offenen Fragen ist, man dazu aber noch keine Meinung hat“.

Keine Impfreisen nach Israel

Eine klare Meinung zu Impfreisen und derartigen Angeboten hat hingegen Israel, wie Ella Zack Solomon, Direktorin des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros für Deutschland, Österreich und die Schweiz in einem Pressestatement deutlich macht: „Aufgrund von zahlreichen Anfragen und veröffentlichten Presseberichten in den vergangenen Tagen, möchten wir als Vertreter des Ministeriums für Tourismus des Staates Israel betonen, dass es keine Möglichkeiten für Touristen in Israel gibt, sich impfen zu lassen. Es werden keine Impfreisen angeboten. Impfungen erhalten ausschließlich die Einwohner Israels. Wir hoffen weiter, dass Israel schnellstmöglich die Impfung der Bevölkerung abschließen kann und der Weg zu einer Normalität nicht mehr weit ist. Es sind bereits 3,6 Mio. Einwohner geimpft, Israel zählt damit nach wie vor zu den Ländern mit den erfolgreichsten Impfquoten.“

(Autorin: Brigitte Charwat)

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