13.09.2021

In weniger als 5 Minuten

Diesmal in Willys Gastro-Wochenrückblick: Jeder, der sich über Lieferdienste regelmäßig Essen liefern lässt, weiß ein Lied davon zu singen.

Je nach kulinarische Richtung, Gusto und auf Massenabfertigung spezialisierte Lokalitäten kommen via Internet bestellte Speisen früher, später oder gar nicht, lauwarm, heiß oder eiskalt, verschüttet, mit aufgeplatzter Verpackung oder eh halbwegs unbeschadet beim Konsumenten an. Oft ist es nicht festellbar, ob das jeweils auserwählte Lokal für die diversen Hoppalas verantwortlich zeichnet, oder der so genannte Rider, was auch immer er oder sie reitet – Fahrrad, Moped oder Auto.

Klar, oft ist viel zu tun, da kann so eine Bestellung leicht untergehen oder sie wurde hergerichtet und kein Rider aktiviert. Oder der Rider selbst macht noch schnell einen Hüpfer zur Oma auf einen schnellen Kaffee. Besonders prekär für den Empfänger wird es aber dann, wenn die Behältnisse den Strapazen der Lieferung nicht standhalten und die halbe Suppe gemeinsam mit dem Gulasch eine interessante Symbiose im riesigen, eckigen Lieferrucksack eingegangen ist. Andererseits, da hat der Rider auch gleich was davon, ob er will oder nicht. Zumindest Brösel.

Mittlerweile kann man ja die einzelnen Schritte seiner Bestellung ziemlich exakt verfolgen. Zuerst wird bezahlt und danach erfährt man, dass das Restaurant die Lieferung erhalten hat und die voraussichtliche Lieferzeit soundsoviel Minuten beträgt. Die Minutenanzahl reduziert sich dabei automatisch, obwohl man erst nach cirka zehn Minuten die Mitteilung erhält, dass das Restaurant jetzt begonnen hat, die georderten Speisen zuzubereiten. Plötzlich – also irgendwann mitten im Countdown – macht das System darauf aufmerksam, dass der Rider unterwegs ist zu dir und du verfolgst weiterhin angespannt die stetig kleiner werdende Anzahl an Minuten.

Dann aber kann zweierlei passieren: Es läutet an der Tür, der Rider steht vor dir und übergibt dir dein Nylonsackerl mit den Essensbehältern, obwohl er erst in 20 Minuten kommen sollte. Oder der Countdown bleibt rund 20 Minuten lang bei der Meldung „Weniger als 5 Minuten“ stecken. Bis du im Lokal anrufst und sie dir dort versichern, dass sie jetzt gleich mit der Zubereitung deiner Speisen beginnen werden.

So weit, so gut, aber dass einem dann rund eine Stunde später ein Rider eine Plastibeutel mit schwimmendem Inhalt und den Worten „ist kaputtgegangen, müssen umleeren!“ überreicht, lässt einem dann sehr leicht und sehr schnell den Entschluss fassen, doch wieder das eine oder andere Restaurant höchstpersönlich aufzusuchen. Aber echt!

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