07.03.2019

Insektenfood: Zwischen igitt und köstlich

In der westlichen Welt stehen Insekten nicht auf dem Speiseplan. Ernährungswissenschaftlich betrachtet sind jedoch zahlreiche Insekten essbar. Christoph Thomann spricht beim 9. GV-Symposium über Nahrungssicherung durch Entomophagie.

Während Insektenverzehr in vielen Weltregionen üblich ist, kommen sie in Westeuropa nicht auf den Tisch. Allein die Vorstellung, ein Insekt zu essen, löst hier Ekel aus, der weder kognitiv begründet noch objektiv ist und auf unserem subjektiven Bild von Nahrung basiert. Die westliche Welt sieht in Insekten abstoßendes, wimmelndes Ungeziefer, das mit Schmutz, Verwesung, Krankheit und Tod assoziiert wird. Als wuselnde, stechende Parasiten erschrecken sie uns.

Insektenfood hat eine lange Geschichte

Entomophagie (der Verzehr von Insekten) ist jedoch so alt wie die Menschheit, wie vorgeschichtliche menschliche Koprolithe aus Nordamerika bezeugen. Die Bibel sagt, Johannes der Täufer habe sich in der Wüste von Heuschrecken ernährt (Matthäus, 3 :4). In Nordafrika und im Mittleren Orient sind diese Ernteschädlinge auch heute eine beliebte Nahrung. Plinius der Ältere schreibt, dass die Römer sie, in Honig getaucht, als Delikatesse ansahen, ebenso wie mit Mehl gemästete Cossi (Hirschkäferlarven). Im 19. Jh., wurden in Südfrankreich Maikäfer-Larven über dem Holzfeuer geröstet und verzehrt.

Aus westlicher Sicht eine Notlösung der Ernährung

Der Westen betrachtet Insektenverzehr als Notfall zum Überleben und als Zeichen äußerster Armut, wenn ein Volk aus Mangel auf Insekten als Nahrung angewiesen ist. Dennoch sind viele Insekten essbar, sogar ernährungswissenschaftlich interessant und gesundheitlich vorteilhaft. Seit einigen Jahren entstehen in Europa Insektenfarmen, um Fleisch als Nahrungsmittel zu ersetzen: Hier könnte eine Antwort zur dauerhaften Nahrungssicherung liegen. Dafür bedürfte es aber eines Umdenkens. Denn das Hauptargument ist der wirtschaftliche und ökologische Nutzen von Insekten, nicht ihr Wohlgeschmack. Es bedarf folglich der Entwicklung eines Geschmackserlebnisses, um den umweltfreundlichen Insektenverkehr im Westen einzuführen.

Zum Thema „why not eat insects“ spricht Experte Christoph Thomann beim 9. GV-Symposium von HGV PRAXIS. Hier geht’s zur Anmeldung: https://stammgast.online/gv-symposium.html

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