07.05.2020

Insolvenz der AUA nicht unwahrscheinlich

Die Austrian Airlines (AUA) verhandeln täglich um Staatsgelder und weitere Überlebenshilfen. Am Flughafen Wien betont man nochmals nachdrücklich die Bedeutung des Homecarriers für den Wirtschaftsstandort.

Bis spätestens zum 18. Mai muss ein belastbarer Plan für die Fortführung der AUA vorliegen, der auch die Wirtschaftsprüfer überzeugt und das nötige Testat bringt. Der Belegschaft wird ein hartes Sparpaket abverlangt. 1.100 der 7.000 Stellen sollen bis 2023 gestrichen, Gagen stark gekürzt werden.

Die Airline will so lang wie möglich kurzarbeiten, wenn möglich über zwei oder drei Jahre. Um die geplanten Gehaltskürzungen durchzuziehen, will sie die Kollektivverträge aufschnüren. Scheitert das Sparprogramm, so bereitet man sich in der AUA-Führung auf eine geordnete Insolvenz vor. Die Rede ist von einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung mit noch größeren Schnitten. 

Rene Pfister, Betriebsratschef des AUA-Bodenpersonals, sagte im ORF-Radio, er halte es für verantwortungslos, von einer Insolvenz der AUA zu sprechen. Wenn man den Flugverkehr in Wien den Low-Cost-Airlines überlasse, „die großteils weder mit österreichischen Arbeitsverhältnissen noch mit Steuerabgaben in Österreich arbeiten, dann schaut das Ganze ziemlich düster aus. Und dann ist die ökologische Frage glaube ich eine, die man sich nicht stellen muss, wenn es keine Möglichkeit gibt, hier auch Regeln oder Spielregeln festzulegen“. Daher sei es wichtig, dass die Bundesregierung eine Strategie für den Luftverkehr in Österreich hat.

Millionenunterstützung des Staats

Beim Staat hat die AUA Unterstützungen über 767 Millionen Euro beantragt. Davon sollen rund 400 Millionen Euro an Kreditgarantien aufgestellt werden. In der Folge wären die üblicherweise angesetzten Tilgungen pro Jahr freilich so hoch wie die AUA in ihren - kurzzeitigen - besten Jahren im ganzen Jahr als Gewinn eingeflogen hatte. Um die Ausgestaltung der öffentlichen Unterstützungen und die umfangreichen Auflagen wird auch unter Lufthansa-Teilnahme heftig gerungen.

Abgesehen von staatlichen Geldspritzen und staatsgarantierten Krediten braucht die der deutschen Lufthansa gehörende AUA auch finanzielle Erleichterungen von ihren Partnern und Lieferanten: Vom Flughafen und der österreichischen Flugsicherung ebenso wie von den Treibstofflieferanten. Hier erhofft sie sich Preis- und Gebührennachlässe um jeweils 20 Prozent, ist zu hören.

Die Luftfahrt wird es überstehen

„Der wirtschaftliche Schaden eines Wegfalls des Drehkreuzes, das durch keine Billigfluglinie ersetzt werden kann, da diese kein Langstreckenangebot aus Wien haben, würde jede vorstellbare Summe eines staatlichen Engagements bei Weitem übersteigen“, sprach sich Flughafen-Wien-Chef Günther Ofner für den Erhalt der AUA, dem größten Kunden des Flughafens, aus. Aus seiner Sicht ist der Erhalt der Drehkreuzfunktion der AUA die wichtigste Bedingung für Staatshilfen. 

Umweltauflagen sollten aber nicht durch den Zwang, auf die Bahn umzusteigen durchgesetzt werden, das würde zu Umgehungsverkehr nach Frankfurt, München und Bratislava führen. „Der richtige Weg, um CO2 zu reduzieren, ist der verstärkte Einsatz von biogenem oder synthetischem Kerosin“, dazu sollte mehr geforscht werden.

Ofner glaubt weiter, dass wegen Wachstum bei Passagieren und Luftfracht der Flughafen künftig an seine Kapazitätsgrenze stoßen wird - und dann eine dritte Piste nötig ist. „Ob eine Verschiebung im Zeitplan durch die Krise notwendig wird und wie viele Jahre das dann gegebenenfalls werden, kann derzeit noch nicht beantwortet werden“, so Ofner in der „Die Presse“.

Trotz Coronakrise glaubt Flughafen-Wien-Chef generell an ein Wachstum der Luftfahrt. Mittelfristig werde der Flugverkehr sowohl bei Geschäftsreisen als auch im Tourismus wieder das Niveau von 2019 erreichen und dann auch wieder darüber hinaus wachsen, betonte Ofner in der Tageszeitung „Die Presse“.

(APA/Red)

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