26.02.2021

Ja zu Eintrittstest und Impfpass

Bei einem „Öffnungsgipfel“ der Wirtschaftskammer plädierten Branchenvertreter für ein Wiederaufsperren von Gastronomie und Hotellerie noch im März. 

Die wieder über 2.000 Neuinfektionen täglich mindern wohl die Chancen für die Branchen, dort argumentiert man aber mit den vielen Testungen, die die Zahlen in die Höhe schnellen lassen. „Die Experten, die sich heute mit den Betrieben beraten und über die vorliegenden Präventions- und Sicherheitskonzepte diskutieren, bestätigen uns: Sicheres Öffnen ist möglich und mit Zutrittstestungen haben wir gemeinsam mit FFP2-Masken, Sicherheitskonzepten und der steigenden Anzahl der Impfungen den Schlüssel in der Hand“, ist WKÖ-Präsident Harald Mahrer überzeugt.

Dass bei weiteren Öffnungsschritten die Fallzahlen allerdings wieder steigen, ist klar, meinte Umweltmediziner Hans-Peter Hutter zum Beginn des „Öffnungsgipfels“. Man müsse aber auch die Rate der Positivmeldungen im Bezug zu den Tests sehen. Contact-Tracing und Test könnten vor einer dritten Welle schützen. Unterm Strich befürwortete Hutter eine Öffnung unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.

Österreich hat die Anzahl der Tests in den letzten Wochen um 252 Prozent gesteigert und testet beinahe neunmal so viel wie Bayern oder die Schweiz. Durch die große Anzahl an Tests werden vor allem asymptomatisch Erkrankte schneller erkannt, die Dunkelziffer wird ans Licht gebracht und Infektionsketten werden schneller unterbrochen. „81 Prozent der Menschen in Österreich sind für eine Öffnung der Gastronomie im März und zwar mit Eintrittstest. Die Menschen sind also bereit mitzumachen“, betonte Mahrer. „Was nicht geht, ist keine Perspektive.“ Die WKÖ-Spitze erwartet sich jedenfalls erste Öffnungsschritte im März, am besten am 15. März.

Hotellerie sieht sich gut vorbereitet

Man sei bereit für einen Re-Start, betonte Susanne Kraus-Winkler, Obfrau Fachverband Hotellerie: „Wir haben aus den schon bestehenden Präventionskonzepten in unseren Betrieben gelernt und diese auch noch aufgebessert.“ Sicher ist, dass das Virus so schnell nicht verschwinden wird, daher brauche es eine Strategie rund um engmaschiges Testen und Impfen. „Was den Sommer betrifft, hoffen wir auf Klarheit bei den Reisebestimmungen. Es gibt bereits einen Wettbewerb der Klarheit bei den Reisebestimmungen – danach werden sich die Gäste bei den Buchungen richten, daher brauchen wir diese Klarheit auch für Österreich“, so Kraus-Winkler.

Georg Imlauer, Geschäftsführer Imlauer Hotel&Restaurant, hofft auf eine Perspektive und Planbarkeit: „Viele Betriebe beginnen ja auch mit Ostern die Sommersaison. Wir können mit unseren Konzepten, die wir vorrätig und nachgeschärft haben, zeigen: Wir sind Teil der Lösung, nicht Teil des Problems.“ Ein düsteres Bild für die nächsten Jahre zeichnete Sacher-Chef Mathias Winkler. Erst in den Jahren 2024 oder 2025 werde die Hotellerie wieder Gewinne einfahren, die Investitionen erlauben.

Gastronomie drängt auf Öffnung

Gastro-Fachverbandsobmann Mario Pulker verteidigte die ursprüngliche Ablehnung der Masken- und Testpflicht durch die Wirte. Hier habe es auch bei den Gästen ein Umdenken und eine neue Akzeptanz gegeben. Die Gastronomen waren sich einig: Am 15. März muss aufgesperrt werden. „Mit ein bissl Gas geben“ werde sich das schon ausgehen.

Einig ist man sich, dass das Nicht-Öffnen die Illegalität fördere. Experte Robert Stein, Leiter des Kompetenzzentrums für Lebensmittelhygiene und Qualitätskontrolle, dazu: „Die Infektionszahlen sind auch deshalb hoch, weil der Lockdown nicht mehr wirkt. Und die Ansteckungen passieren zu über 50 Prozent in den Haushalten.“ Bei einem schrittweisen Öffnen der Gastronomie werde es daher zu keinem massiven Ansteigen der Zahlen kommen. Michael Kolm, Haubenkoch und Betreiber des Restaurants Bärenhof im Waldviertel: „Wir haben die Konzepte, die sind sicher, deshalb lasst uns bitte aufsperren!“

Die Planbarkeit fehlt komplett

Große Niedergeschlagenheit sah man bei den Vertretern der Veranstaltungsbranche. Ein Spezifikum diese Branche ist die lange Vorlaufzeit. Große Events werden zum Teil mehr als ein Jahr im Voraus geplant. Darum brauche man so schnell wie möglich eine Perspektive, um wieder in die Gänge kommen zu können. Ewald Tatar, Geschäftsführer von Barracuda Music und unter anderem Veranstalter des NovaRock-Festivals fordert Entscheidungen, wie es in den nächsten zwei bis sechs Monaten weitergeht: „Mit einer Entscheidung kann man leben und arbeiten, aber dieses In-der-Luft-Hängen ist einfach frustrierend.“

Die Reiseveranstalter wiederum haben geschlossen den Plan von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) begrüßt, sich für einen grünen Impfpass in der EU stark zu machen. „Wir können ohne offene Grenzen nicht existieren“, so deren Fachverbandsobmann Gregor Kadanka. 

Weitere Informationen am Montag

Beim Öffnungsgipfel diskutierten rund 50 Teilnehmer aus den unterschiedlichen Branchen der Tourismus und der Freizeitwirtschaft, Gastronomie, Freizeitbetriebe, Hotellerie gemeinsam mit dem Kunst- & Kulturbereich darüber, wie Öffnungsschritte gelingen können. Derzeit sind rund 90.000 Betriebe von den Corona-Schließungen betroffen, an die 675.000 Vollzeitarbeitsplätze hängen direkt und indirekt vom Tourismus ab.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) ließ im Vorfeld der Veranstaltung in einer Aussendung offen, wann die Branchen öffnen können – das will die Regierung am Montag nach Beratungen mit Experten, Opposition und Ländervertretern entscheiden. In der Wirtschaft wächst jedenfalls der Druck. 

Was alles auf dem Öffnungsgipfel diskutiert wurde, können Sie hier nachschauen: schaffenwir.wko.at/live 

Zahlen, Daten, Fakten

  • WKÖ Hotellerie

Mitgliedsbetriebe Ende 2020: 16.620
Beschäftigte Ende 2019 (ohne geringfügig Beschäftigte): 112.154
Rückgang Beschäftigte (Ende 2020 zu Ende 2019): -52.898
in Kurzarbeit: > 53.200
Nächtigungen Wintersaison 2020/2021: mind. -83% (WIFO-Schätzung, Stand Anfang Februar 2021)

  • WKÖ Gastronomie

Mitgliedsbetriebe Ende 2020: 47.385
Beschäftigte Ende 2019 (ohne geringfügig Beschäftigte): 119.687
Rückgang Beschäftigte (Ende 2020 zu Ende 2019): -27.176
in Kurzarbeit: 80.320

  • WKÖ Veranstaltungsbranche

Mitgliedsbetriebe: 6.000
Beschäftigte: 140.000
Wertschöpfung in Mrd. Euro: 8,9
in Kurzarbeit: rd. 130.000
Umsatzrückgang: bis zu -100%
 

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