06.11.2018

Jechsmayr gewinnt Sommelier-Titel

Die bessere Gesamtleistung entschied: Andreas Jechsmayr, Sommelier im Landhotel Forsthof (Oö.), gewann die österreichische Sommelier-Meisterschaft und vertritt Österreich nächstes Jahr bei der WM in Antwerpen.

Als die Präsidentin der Sommelier Union Austria, Annemarie Foidl, die Kuverts öffnen ließ, um die Finalisten bekanntzugeben, hielt sich die Überraschung in Grenzen. Die verbliebenen drei, die sich schließlich in einem öffentlichen Schaukampf auf der Bühne vor 180 Weinenthusiasten messen sollten, hießen: Suvad Zlatic, Andreas Jechsmayr und René Antrag. Letzterer ist so etwas wie der Shootingstar der jungen Generation und im Brotberuf als Sommelier im Steirereck tätig. Zlatic vertrat Österreich bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren im eigenen Land und arbeitet im Raffl´s Star Hotels in St. Anton. Und Andreas Jechsmayr ist durch zahlreiche Teilnahmen an nationalen und internationalen Ausscheidungen schon so etwas wie ein Grandseigneur der heimischen Sommellerie. „Die üblichen Verdächtigen“, hieß es somit etwas flapsig in den Reihen der Gäste, als die drei Finalisten feststanden.

Knisternde Spannung auf der Bühne

Dass es dann doch zu einem Herzschlagfinale im Wiener Arcotel Wimberger kam, lag einerseits an der Herausforderung und andererseits an den Umständen wie jeder der drei Kandidaten damit umging. Der härteste Brocken wartete gleich zu Beginn: Drei Weine der gleichen Rebsorte mussten blind erkannt, degustiert und erklärt werden. Während Antrag einen Cabernet Sauvignon mit Syrah zu schmecken glaubte, verortete Jechsmayr die Rebensäfte in die neue Welt und tippte auf Malbec aus Argentinien. Einzig Zlatic ritt bombensicher auf der Rasierklinge und legte sich nach wenigen Riechproben auf Blaufränkisch fest. Es waren drei Blaufränkisch DAC, allerdings verschiedener Provenienz. Im Anschluss betrat Schauspielerin und Kabarettistin Angelika Niedetzky die Bühne. Ein Glas mit roter Flüssigkeit in der Hand, wollte sie wissen, was das ist. Wieder konnte sich Zlatic auf seine Sensorik verlassen und erkannte das Getränk als Negroni. Im Zweifel sprach Jechsmayr von einem Aperol-Spritz und revidierte dann seine Meinung auf Aperol pur.

Viele versteckte Fallen

Mit diesen Treffern schlüpfte Zlatic in die Favoritenrolle, um dennoch nicht den Sieg nach Hause zuspielen. Moderator Bernd Kreis (Europameister 1992) erklärte auch warum. „Es ist ein Wettbewerb, bei dem die Gesamtleistung zählt und viele versteckte Fallen enthalten sind.“ Es folgte eine Aufgabe, die sich einfach anhörte, sich aufgrund der eingebauten Fallen aber als veritable Herausforderung entpuppte: Ein 2015 Mouton Réserve Saint-Émilion sollte den Gästen serviert werden. Von den drei vorhandenen Flaschen war eine jedoch aus dem Médoc, was bei flüchtiger Betrachtung nicht auffiel. Auch war nur eine Flasche richtig temperiert, just wurde diese aber stehend bereitgestellt, was – sofern der richtige Wein gewählt wurde – ein Dekantieren mit Servierkorb nicht mehr erlaubt war, um kein Depot aufzuwirbeln. Ebenfalls als knifflig erwies sich das Korrigieren einer fehlerhaften Weinkarte und die Weinempfehlung zu einem Menü, wobei die Weine nur aus dem alpinen Raum kommen durften. 

Dieser Tücken wurde der Zuschauer meist nicht gewahr. Es geht aber auch um Wiederholungen, die bei Weinerklärungen ganz offen zutage treten, ein Tribut, der der Nervosität zu zollen ist. Es geht um Improvisationsvermögen, etwas Humor, die professionelle (Körper-)Sprache, Verständlichkeit, Ruhe und somit um einen harmonischen Gesamteindruck. Genau an diesem Punkt spielte Andreas Jechsmayr seine Professionalität aus. Ihm kommt sicher zupass, ein eher ruhiger, fast schon trockener Charakter zu sein. Mit Eleganz spulte er sein Programm ab, nicht ohne Situationswitz. Falls er nervös war, vermochte er es gekonnt zu verbergen. So hatte jeder der Kandidaten beim Dekantieren mit der Kerze seine liebe Not, zumal die Klimaanlage diese immer wieder ausblies. Jechsmayr rief ins Publikum, doch bitte die Fenster zu schließen und hatte die Lacher auf seiner Seite. Eines ist klar: Der Level ist brutal hoch und wird letztlich von Nuancen entschieden. Den önologischen Parforceritt meisterte Jechsmayr ganz einfach am souveränsten.

Nächste Station: Antwerpen 2019

Der Sieg in Österreich ist allerdings nur als Etappe zu sehen. Der aus Steyr in Oberösterreich stammende und im Landhotel Forsthof in Sierning als Sommelier tätige Andreas Jechsmayr vertritt Österreich bei der Sommelier-Weltmeisterschaft nächstes Frühjahr im belgischen Antwerpen. Bis dahin heißt es: trainieren, trainieren und nochmal trainieren. Am besten mit seinen zwei Kollegen im Finale René Antrag und Suvad Zlatic. Was sonst noch auffiel beim Wettbewerb: Es war keine einzige Frau dabei.

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